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Bildungsanalyse IQB-Bildungstrend: Hamburgs Neuntklässler haben im Ländervergleich gut abgeschnitten

Hamburg rückt im Ländervergleich weiter nach vorn

Hamburgs Neuntklässler haben beim jüngsten Ländervergleich der Kultusministerkonferenz gut abgeschnitten. Beim so genannten IQB-Ländervergleich (IQB: Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen) in den Fächern Deutsch und Englisch haben Hamburgs Neuntklässler trotz der besonderen Herausforderungen eines Stadtstaates anders als die anderen beiden Stadtstaaten Berlin und Bremen im Mittel eine signifikante Leistungssteigerung und deutlich bessere Leistungsstände erzielen können. Schulsenator Ties Rabe zeigt sich erfreut: „Insgesamt belegt Hamburg in den fünf getesteten Kompetenzbereichen Deutsch Lesen, Deutsch Zuhören, Deutsch Orthografie, Englisch Hörverstehen und Englisch Leseverstehen im Durchschnitt aller getesteten Kompetenzbereiche den fünften Platz aller Bundesländer, unter den westdeutschen Bundesländern nach Bayern und Schleswig-Holstein sogar den dritten Platz.“

IQB-Bildungstrend: Hamburgs Neuntklässler haben im Ländervergleich gut abgeschnitten

Im Vergleich zu den anderen Bundesländern kann Hamburg seine Position im Länderranking im Durchschnitt über alle fünf getesteten Kompetenzbereiche um knapp drei Plätze steigern. Mit dieser Verbesserung liegt Hamburg im Vergleich der Veränderungen ebenfalls auf Platz fünf aller Bundesländer, unter den westdeutschen Bundesländern nach Bayern und Schleswig-Holstein sogar auf dem dritten Platz.

Englisch

Diese positive Entwicklung gilt insbesondere für die Kompetenzen im Fach Englisch, in denen Hamburgs Schülerinnen und Schüler trotz bereits ungewöhnlich guter Leistungen sich weiter deutlich steigern konnten. Die Leistungen im Hörverstehen (Hamburg Platz 2) und Lesen (Hamburg Platz 4) liegen im bundesweiten Vergleich hinter Bayern und Schleswig-Holstein bereits an dritter Stelle, klar vor dem größeren Mittelfeld aller Bundesländer mit Nordrhein-Westfalen, Hessen, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Niedersachsen sowie mit weitem Abstand vor den schwächeren Schülerleistungen in den Bundesländern Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg sowie Berlin, Bremen und dem Saarland.

Deutsch

Der IQB-Bildungstrend zeigt auch für das Fach Deutsch eine Reihe positiver Ergebnisse: Es ergeben sich deutliche Steigerungen in den Bereichen Lesen und Zuhören. In beiden Kompetenzbereichen liegt Hamburg jetzt im Bundesdurchschnitt, hat also das Leistungsniveau der anderen Stadtstaaten und mancher Flächenländer deutlich übertroffen. Auch die Steigerung im Bereich Orthografie ist signifikant, wirkt sich aufgrund des früher sehr hohen Leistungsrückstandes aber noch nicht in einer besseren Platzierung aus.

Die Leistungen der Hamburger Schüler in den drei Kompetenzbereichen des Faches Deutsch (Lesen, Zuhören, Orthografie) liegen in dieser Gesamtschau jetzt auf Platz 11 aller Bundesländer, und zwar auf Platz 9 im Bereich Zuhören, Platz 9 im Lesen und Platz 14 in Orthographie. 2009 lag Hamburg in der Summe der drei Kompetenzbereiche noch auf Platz 14. Das Hamburger Ergebnis wird durch die im Vergleich zu den anderen Bundesländern schwachen Leistungen in Orthografie beeinträchtigt, obwohl Hamburg seine Schülerleistungen gerade in diesem Kompetenzbereich gegenüber 2009 deutlich verbessern konnte. Doch diese Verbesserungen reichten noch nicht aus, um die Gesamtplatzierung der Hansestadt in den drei Kompetenzbereichen Deutsch noch stärker zu verbessern. Dennoch platzieren sich die Hamburger Leistungen in Deutsch vor Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Hessen, Berlin und Bremen.

Soziale Unterschiede

Auffällig sind die Leistungsunterschiede zwischen einzelnen Schülergruppen je nach Migrationshintergrund. So schneiden Hamburgs Schülerinnen und Schüler ohne Migrationshintergrund in allen fünf getesteten Kompetenzbereichen überragend ab. Vergleicht man bundesweit nur die Leistungen dieser Schülergruppe, liegt Hamburg sehr klar auf Platz 1, weit vor der zweitplatzierten Schülergruppe ohne Migrationshintergrund aus Bayern. Hamburgs Schülerinnen und Schüler ohne Migrationshintergrund erzielen beim bundesweiten Vergleich in Deutsch Lesen Platz 1, Deutsch Zuhören Platz 1, Englisch Leseverstehen Platz 1, Englisch Hörverstehen Platz 1 und Deutsch Orthografie Platz 5.

Ähnlich positiv ist das Bild beim bundesweiten Vergleich der Leistungen von Schülerinnen und Schülern mit einem im Ausland geborenen Elternteil. Grundsätzlich weist diese Schülergruppe im Vergleich zu den Schülerinnen und Schülern ohne Migrationshintergrund in allen Bundesländern einen erkennbaren Leistungsrückstand auf. Vergleicht man jedoch isoliert die Leistungen dieser Schülergruppe in allen Bundesländern, platzieren sich die Hamburger Schülerinnen und Schüler bundesweit auf Platz 4, hinter Schleswig-Holstein, aber sogar noch vor erfolgreichen Ländern wie Bayern und Sachsen. Im Einzelnen erreicht die Hamburger Schülergruppe beim bundesweiten Vergleich in Deutsch Lesen Platz 5, Deutsch Zuhören Platz 1, Deutsch Orthographie Platz 8, Englisch Leseverstehen Platz 3 und Englisch Hörverstehen Platz 2.

Diesen Erfolg können Hamburgs Schülerinnen und Schüler in der dritten getesteten Gruppe nicht wiederholen. Beim Vergleich der Leistungen von Schülerinnen und Schülern mit beiden im Ausland geborenen Elternteilen schneidet Hamburg nicht gut ab. Ohnehin weist diese Schülergruppe in allen Bundesländern deutliche Leistungsrückstände  im Vergleich zu den anderen Schülergruppen auf. Doch auch beim bundesweiten Vergleich nur dieser Schülergruppe fällt auf, dass Hamburgs Schülerinnen und Schüler hier deutlich abfallen und bundesweit auf Platz 13 im Länderranking liegen. Im Einzelnen erreicht die Hamburger Schülergruppe beim Vergleich in Deutsch Lesen Platz 14, Deutsch Zuhören Platz 10, Deutsch Orthographie Platz 15, Englisch Leseverstehen Platz 12 und Englisch Hörverstehen Platz 6.

Fazit

Die gute Hamburger Entwicklung in Deutsch ist umso bemerkenswerter, weil sich die Hamburger Schülerschaft deutlich von der Schülerschaft anderer Bundesländer unterscheidet. Der mit 42,4 Prozent der getesteten Schüler bundesweit zweithöchste Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund sowie der bundesweit besonders hohe Anteil von Schülerinnen und Schülern, die zu Hause wenig oder selten Deutsch sprechen, stellen eine besondere Herausforderung dar. Trotzdem erreichen Hamburgs Schülerinnen und Schüler im Ländervergleich ordentliche Leistungsstände.

Es ist klar erkennbar, dass der Leistungszuwachs zwischen den Testungen 2009 und 2015 sehr viele Schülerinnen und Schüler betrifft. Deutlich mehr Schülerinnen und Schüler als noch 2009 erfüllen 2015 bereits in Klasse 9 die Mindeststandards des mittleren Schulabschlusses. Hier zeigt sich, dass der erfreuliche Leistungszuwachs ein breites Fundament in der Schülerschaft hat und nicht auf die Spitzenleistung kleinerer Gruppen zurückzuführen ist.

Die insgesamt erfreulichen Ergebnisse zeigen, dass eine Trendumkehr in der Entwicklung des Leistungsniveaus auch unter schwierigen Rahmenbedingungen möglich ist, sofern mit einem konzertierten Maßnahmenbündel an Verbesserungen gearbeitet wird. Auch wenn der IQB-Ländervergleich selbst keine Ursachen für die Entwicklungen und Leistungsstände benennt, so zeigt Hamburg im Vergleich zu anderen Bundesländern durchaus bestimmte Auffälligkeiten, die das ungewöhnlich gute Abschneiden mit hoher Wahrscheinlichkeit beeinflusst haben. Diese betreffen die im Ländervergleich überaus günstige Personalausstattung und Unterrichtsversorgung, die sozialindexbasierte Ressourcenausstattung, den Ausbau von Ganztagsangeboten und Inklusion, aber auch die Stärkung des Fachlehrerprinzips, die Qualifizierung der Lehrkräfte und Schulleitungen sowie die Institutionalisierung einer Kultur des systematischen Hinschauens und des Feedbacks im Rahmen eines umfangreichen Bildungsmonitorings.

Hintergrund

Der IQB-Bildungstrend 2015 ist Ende 2016 veröffentlicht worden und wurde jetzt von der Hamburger Schulbehörde auf Antrag der Hamburgischen Bürgerschaft ausführlich analysiert. Die von der Kultusministerkonferenz (KMK) in Auftrag gegebene Studie untersuchte nach 2009 zum zweiten Mal die Leistungen von Neuntklässlerinnen und Neuntklässlern in Deutsch und Englisch (in einigen Ländern auch Französisch) im Vergleich der Bundesländer. Die jüngste Studie ermöglicht damit auch Trendaussagen über die Leistungen zweier Schülerjahrgänge im Abstand von sechs Jahren.

Am IQB-Bildungstrend 2015 haben sich 1.714 Schulen der Sekundarstufe I aus allen 16 Ländern der Bundesrepublik Deutschland beteiligt. Insgesamt haben 37.099 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 9 an den Tests teilgenommen, in Hamburg waren es 2.372 Schülerinnen und Schüler aus 109 Schulen (56 Stadtteilschulen, 49 Gymnasien und vier Förderschulen). In allen Ländern wurden die Kompetenzstände der Schülerinnen und Schüler in den Fächern Deutsch und Englisch untersucht. In beiden Fächern wurden dabei die Kompetenzen im Bereich Lesen sowie Zuhören untersucht, im Fach Deutsch zusätzlich der Kompetenzbereich Orthografie.

Die Studie ist aufgrund der wissenschaftlichen Expertise des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) an der Humboldt-Universität zu Berlin, aufgrund der wissenschaftlich genauen Testinstrumente, der umfangreichen Einbeziehung von Begleitdaten sowie der außerordentlich hohen Beteiligung von Schülerinnen und Schülern aus allen Bundesländern eine der wenigen Studien, die zuverlässig die Leistungen und Leistungsunterschiede von Schülerinnen und Schülern aus den Ländern feststellen. Sie ist damit einer der zentralen Eckpfeiler in der Strategie der Kultusministerkonferenz für die Feststellung der Leistungsstände der Schülerinnen und Schüler im Ländervergleich und für die Weiterentwicklung des Bildungswesens in Deutschland.

Anlage

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