Justizbehörde

Justizvollzug Suizid in der Untersuchungshaftanstalt

In der Nacht von Sonntag, 10. September 2017, auf Montag, 11. September 2017, hat sich ein Untersuchungshaftgefangener in der Untersuchungshaftanstalt (UHA) das Leben genommen.

Suizid in der Untersuchungshaftanstalt

Bei  der morgendlichen Lebendkontrolle gegen 6:45 Uhr wurde Chris Z. von Bediensteten in seinem Haftraum leblos aufgefunden. Der Anstaltsarzt konnte nur noch den Tod feststellen. Nach ersten Erkenntnissen hat sich der 39-jährige erhängt. Der Leichnam wurde – wie in solchen Fällen üblich – zur Obduktion in das Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) übergeführt.

Z. befand sich seit Dezember 2015 in Untersuchungshaft. Im Juni 2016 war er in erster Instanz durch das Amtsgericht Hamburg-St. Georg wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt worden. Im Rahmen der Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Hamburg hatte Z. Ende Januar 2017 während der Zeugenvernehmung die Geschädigte angegriffen. Am kommenden Freitag, 15.9.2017, sollte er sich wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung vor dem Landgericht verantworten.

Z. wurde in der Untersuchungshaftanstalt durchgehend und regelmäßig psychologisch betreut. Nachdem bei einer Begutachtung nach dem vier-Augen-Prinzip suizidale Absichten bei Z. im Februar 2017 verneint wurden, wurde er nicht mehr auf der Beobachtungsstation untergebracht. Aufgrund seiner fremdgefährdenden Tendenzen befand er sich allerdings bis zuletzt auf einer Sicherungsstation. Im weiteren Haftverlauf zeigte er keine Anzeichen für ein suizidales Verhalten. Z. wirkte daher sowohl bei seinem letzten Gespräch mit der Anstaltspsychologin am 25. August 2017 als auch bei der Anstaltspsychiaterin, mit der er zuletzt am 7. September 2017 ein Gespräch hatte, orientiert und stabil.

Justizsenator Dr. Till Steffen: „Ich spreche den Angehörigen mein Beileid aus und wünsche den Bediensteten, die den Mann gefunden haben, viel Kraft.“

Bereits 2012 hat die Justizbehörde Prof. Dr. med. Klaus Püschel, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin sowie Prof. Dr. med. Peer Briken, Direktor des Instituts für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie, beide UKE, gebeten, die Suizidprävention des Hamburger Vollzugs zu untersuchen. Anlass war eine scheinbare Häufung von Suiziden im Frühjahr 2012.

Die aus der Untersuchung hervorgegangenen Empfehlungen waren für die Justizbehörde Grundlage für weitere Veränderungen bei der Suizidprophylaxe. Dazu gehören eine Verbesserung der Haftbedingungen durch bauliche Maßnahmen und Modernisierung der Gebäude, eine weitere Differenzierung des Aufnahmeverfahrens, eine Erweiterung der spezifisch psychiatrischen Versorgung, zusätzliche Erhöhung der Angebote  zur Weiterbildung, Schulung und Sensibilisierung sowie Sport- und Freizeitangebote. Geprüft, aber aus technischen Gründen nicht umgesetzt, wurde ein Angebot der Telefonseelsorge im Aufnahmehaus der Untersuchungshaftanstalt.