IGLU-Ländervergleich 2006
Hamburger Viertklässler schneiden im Lesen unterdurchschnittlich ab
09.12.2008, 14:03 Uhr
„Damit können wir nicht zufrieden sein“, sagte Hamburgs Bildungssenatorin Christa Goetsch. „Die Ergebnisse zeigen einmal mehr, dass gerade in den ersten Jahren bessere Rahmenbedingungen für das Lesenlernen geschaffen werden müssen.“ Sehr früh müsse mit der intensiven Förderung von Kindern mit ungünstigen Lernvoraussetzungen begonnen werden. „Der Vergleich mit dem im Jahr 2003 getesteten KESS-Jahrgang zeigt, dass die Entwicklung der Leseleistung der Hamburger Grundschulkinder stagniert. Daher werden wir das seit dem Schuljahr 2005/2006 bestehende Hamburger Sprachförderkonzept konsequent weiterentwickeln. Spaß am Lesen bringt Kinder auch zu besseren Leistungen“, sagte Goetsch.
Erstmals nahmen alle 16 Bundesländer mit repräsentativen Stichproben teil. In Hamburg waren 25 Grundschulen beteiligt. Getestet wurden verschiedene Teilkompetenzen des Lesens anhand literarischer oder informierender Texte. Die Schülerinnen und Schüler wurden darüber hinaus nach ihren Lesegewohnheiten, Leseanlässen und Lesevorlieben sowie zu ihren Freizeitaktivitäten befragt. Ihre Eltern, Lehrkräfte und Schulleitungen beantworteten Fragen zu fachlichen Ansätzen im Deutschunterricht, professionellen Standards und zum Leseinteresse der untersuchten Schülerschaft.
Während Deutschland im internationalen Vergleich auch gegenüber der Erhebung im Jahre 2001 in allen getesteten Dimensionen der Lesekompetenz besser abgeschnitten hat, zeigt sich auf Bundesländerebene ein heterogenes Bild. Hamburg belegt in nahezu allen Bereichen einen unteren Rangplatz, signifikant unterhalb des deutschen Mittelwertes. Im Vergleich zur 2003 flächendeckend durchgeführten Hamburger KESS 4-Untersuchung stagnieren die Leseleistungen bei identischer Bandbreite. Im internationalen Vergleich liegt Hamburg (528 Punkte) über dem Mittelwert aller teilnehmenden Staaten (506 Punkte) und unterscheidet sich kaum von den Mittelwerten der OECD-Staaten (537 Punkte) und den Staaten der EU (534 Punkte).
Die wichtigsten Ergebnisse für Hamburg:
- Hamburg belegt im Leseverständnis mit 528 Punkten den 15. Platz unter den 16 Bundesländern. Nur Bremen (522 Punkte) liegt gemeinsam mit Hamburg signifikant unter dem deutschen Mittelwert.
- Der Anteil besonders leseschwacher Schülerinnen und Schüler in Hamburg (22,1 %) unterscheidet sich vom durchschnittlichen Anteil in Deutschland (13,2 %) statistisch nicht signifikant. Allerdings weisen nur die Stadtstaaten Bremen (22,5 %) und Berlin (24,9 %) einen noch höheren Anteil an besonders leseschwachen Kindern auf als Hamburg.
- Auch bei den sogenannten „Spitzenlesern“ unterscheiden sich die Hamburger Viertklässler mit einem Anteil von 6,8 Prozent zusammen mit 14 weiteren Ländern nicht bedeutsam vom bundesdeutschen Mittelwert (10,8 %). Nur Bremen hat mit 5,5 Prozent einen deutlich geringeren Anteil an „Spitzenlesern“ zu verzeichnen.
- Deutschland erreicht im Bereich textimmanente Verstehensleistungen (direkte Entnahme von Informationen aus Texten) aus internationaler Perspektive vergleichsweise hohe Werte. Bezogen auf die internationale Stichprobe sind auch die Werte der Hamburger Viertklässler überdurchschnittlich. Im Ländervergleich liegt Hamburg vor Berlin und Bremen auf dem vierzehnten Platz.
- Bei den wissensbasierten Verstehensleistungen (Leseverstehen auf Basis von Hintergrundwissen) erreicht Deutschland im internationalen Vergleich eher durchschnittliche Ergebnisse (540 Punkte). Die Leistungen in Hamburg (521 Punkte) und Bremen (515 Punkte) unterscheiden sich hier deutlich vom deutschen Mittelwert.
- In allen Bundesländern schneiden die Kinder bei der direkten Entnahme von Informationen aus Texten (textimmanente Verstehensleistungen) signifikant besser ab als bei komplexeren Verstehensprozessen auf Basis von Hintergrundwissen (wissensbasierte Verstehensleistungen).
- In Hamburg und zwölf weiteren Bundesländern erzielen die Jungen ähnlich gute Leseleistungen wie die Mädchen. Signifikante Unterschiede zugunsten der Mädchen zeigen sich nur im Saarland, in Sachsen und in Sachsen-Anhalt.
- In Hamburg ist ein vergleichsweise hoher Anteil an Schülerinnen (14 %) und Schülern (23 %) zu verzeichnen, die außerhalb der Schule nach eigenen Angaben nie oder fast nie zum Vergnügen lesen. Zusammen mit Bremen befindet sich Hamburg (beide 18 %) damit auf dem 13. Platz. In allen Bundesländern ist der Anteil an Jungen in dieser Gruppe deutlich höher als der der Mädchen.
- Kinder aus bildungsnahen Elternhäusern haben in Deutschland einen deutlichen Leistungsvorsprung vor Kindern aus bildungsfernen Elternhäusern. Die Koppelung zwischen sozialer Herkunft und Schülerleistung ist in den beiden Stadtstaaten Hamburg und Berlin besonders eng.
- Betrachtet man die Leseleistung unter Berücksichtigung des Migrationshintergrundes, so zeigt sich, dass Kinder aus Familien ohne Migrationshintergrund im Bundesdurchschnitt eine deutlich höhere Leseleitung erreichen als Kinder, deren beide Eltern im Ausland geboren sind. Unter den Hamburger Viertklässlern liegt die Differenz mit 41 Punkten leicht unter dem Bundesdurchschnitt (48 Punkte).
- Das Ausmaß der Leseförderung im Elternhaus unterscheidet sich in Hamburg nicht vom bundesdeutschen Durchschnitt.

Mister Wong
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