Senatskanzlei

Dauerausstellung Erinnerung an die Opfer der Medizinverbrechen im Nationalsozialismus

Neue Dauerausstellung eröffnet und Gedenkbuch übergeben

Mit einem Senatsempfang wurde heute die neue Dauerausstellung „Medizinverbrechen im Nationalsozialismus“ im Medizinhistorischen Museum im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) eröffnet und das „Hamburger Gedenkbuch Euthanasie. Die Toten 1939-1945“ der Öffentlichkeit präsentiert. Auf Initiative der Senatskanzlei hatte ein Arbeitskreis mit Vertretern verschiedener Institutionen und Ehrenamtlicher ein Konzept zum Gedenken an die Opfer der im Nationalsozialismus in Hamburg verübten Morde an kranken und behinderten Menschen erarbeitet. Im nächsten Jahr werden zur Erinnerung an die Opfer Gedenkstelen auf dem Gelände der Asklepios Klinik Nord Ochsenzoll als dem zentralen Ort der staatlich organisierten Euthanasie-Verbrechen in Hamburg eingeweiht. Damit schließt die Freie und Hansestadt Hamburg eine Lücke in der Aufarbeitung der Verbrechen der NS-Zeit. Zusätzlich ist heute die Website www.hamburger-euthanasie-opfer.de online gegangen, die über die Verbrechen aufklärt und weitere Informationen bereithält.

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Erinnerung an die Opfer der Medizinverbrechen im Nationalsozialismus

Vor rund 200 Gästen eröffnete Senatorin Dr. Dorothee Stapelfeldt den Senatsempfang mit einem Grußwort.

Dr. Dorothee Stapelfeldt, Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen: „Wir erinnern an die Verbrechen, würdigen die Opfer und mahnen, dass so etwas nie wieder geschehen darf. Indem wir Verbrechen und Verbrecher an den Orten des Geschehens aufzeigen und die Namen der einzelnen Opfer nennen, erfüllen wir den längst überfälligen Anspruch auf ihre Anerkennung. Sie sind nicht länger ausgegrenzt und die Täter nicht länger makellos. Es ist eine zentrale Lehre aus der Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus, für die Integration aller Bürgerinnen und Bürger einzutreten. Der Hamburger Senat steht zu den Verpflichtungen, die daraus resultieren: zur Aufklärung darüber, wie fragil eine Gesellschaft ist, sobald einzelne Gruppen ausgegrenzt werden und zur zivilisatorischen Verantwortung, alle Bürgerinnen und Bürger, gerade auch die Angehörigen vulnerabler Gruppen vor Ausgrenzung und Gewalt zu schützen.“

Prof. Dr. Dr. Uwe Koch-Gromus, Dekan der Medizinischen Fakultät am UKE: „Es ist gut, dass ein Gedenkbuch der Hamburger Opfer der nationalsozialistischen Krankenmorde im Nationalsozialismus existiert. Und doch muss es uns beschämen, dass ein offizielles Gedenken für diese Opfergruppe erst mehr als 70 Jahre nach Kriegsende Gestalt annimmt. Auch das UKE hat erst spät begonnen, sich ernsthaft mit seiner Geschichte im Nationalsozialismus auseinander zu setzen. Umso wichtiger ist mir, dass der offizielle Lern- und Gedenkort für die Medizinverbrechen im Nationalsozialismus hier auf dem Gelände des UKE, im Medizinhistorischen Museum Hamburg, eingerichtet wurde.“

Dr. Michael Wunder, Leiter des Beratungszentrums Alsterdorf in der Evangelischen Stiftung Alsterdorf: „Ich freue mich, aber ich finde es auch beschämend, dass wir der Hamburger Opfer der NS-Euthanasie erst heute in dieser Form Gedenken.“

Prof. Dr. Philipp Osten, Leiter des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin am UKE: „In der Ausstellung zeigen wir eine kleine bunte Figur aus Keramik. Sie stellt einen Eisenbahn-Schaffner dar. 2001 wurde die Spielzugfigur in der Tötungsanstalt Hartheim bei Linz ausgegraben, wo 30 000 Menschen aus ganz Europa ermordet worden sind, auch 25 Personen aus Hamburg. Wem die kleine Figur gehörte, ist unbekannt. Der Hamburger Lern- und Gedenkort soll die Anonymität der Krankenmorde durchbrechen. Er dient der Erinnerung an die Opfer und der aktiven Auseinandersetzung mit den Tätern.“

Die Ausstellung erinnert an Hamburger Opfer der NS-Euthanasie, der Zwangssterilisationen und Humanexperimente im Nationalsozialismus und thematisiert die Verantwortung der Wissenschaften für die Herleitung eines an Eugenik, Rassenideologie und Produktivität orientierten Menschenbildes. Die Verbrechen wurden in Amtsstuben, Gerichten, Universitäten konzipiert und von Ärzten, Pastoren und Juristen durchgeführt.

Jedem Opfer einen Namen: Mit dem „Hamburger Gedenkbuch Euthanasie. Die Toten 1939-1945“ ehrt Hamburg mehr als 4.700 Frauen, Männer und Kinder, die im Zuge der NS-Euthanasie getötet wurden. Das Buch vermittelt einen Eindruck von dem Ausmaß an Willkür und Gewalt, denen schutz- und hilfsbedürftige Menschen in der NS-Zeit ausgesetzt waren.

Der Arbeitskreis setzt sich zusammen aus Vertretern der Evangelischen Stiftung Alsterdorf, der Asklepios Klinik Nord Ochsenzoll, dem Medizinhistorischen Museum im UKE, der Senatskoordinatorin für die Gleichstellung behinderter Menschen, der Landeszentrale für politische Bildung, der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz, der Behörde für Kultur und Medien, der KZ-Gedenkstätte Neuengamme sowie als Ehrenamtliche Hildegard Thevs. Das Gesamtprojekt wurde durch die ZEIT-Stiftung, die Joachim Herz-Stiftung und aus Mitteln der Senatskanzlei finanziert.