Behörde für Umwelt und Energie

Naturschutzgebiet NSG Raakmoor

1 / 1

NSG Raakmoor

Im Nordwesten Hamburgs - in der Hummelsbüttler Feldmark - liegt das Naturschutzgebiet Raakmoor, das mit seinen 18 Hektar zu den kleinsten Naturschutzgebieten der Hansestadt gehört. Das jetzige Übergangsmoor ist ursprünglich ein Hochmoor gewesen, das durch Abtorfungen und Entwässerungen zerstört wurde, damit die Fläche für landwirtschaftliche Zwecke genutzt werden konnte. Knickreste und verschüttete Gräben zeugen heute noch davon. Die monotypische Pflanzenwelt verschwand bis auf wenige Restbestände.

Das Raakmoor durchläuft jetzt die erste Phase der Renaturierung nach seiner Wiedervernässung.

Pflanzenwelt

vergrößern NSG Raakmoor (2), Fingerhut NSG Raakmoor (2), Fingerhut Dem klassischen Landschaftsbild des Hochmoors entspricht das Naturschutzgebiet schon lange nicht mehr. Große Teile des Areals sind mit Nadel- und Laubholz bewaldet. Eher kann an Bruchwald und vernäßten Flächen erahnt werden, dass die Natur zu der ihr einst entrissenen Ursprünglichkeit zurückfindet. Dennoch finden sich heute im Raakmoor nach einer wechselvollen Vergangenheit wieder die lebensraumtypischen Pflanzen wie Torfmoos, Moorlilie, Heide oder der insektenfressende Sonnentau. Die offenen Wasserflächen beherbergen Sumpfcalla, Wasserschlauch und Laichkraut. An den Moorrändern wächst der zwar nicht seltene aber für seinen aromatischen Duft bekannte Gagelstrauch. Den wussten schon die Wikinger als Würze für den Honigwein zu schätzen. Schön anzusehen ist der bläulich blühende Lungenenzian, der für eine Besonderheit in der Tierwelt sorgt.

Tierwelt

vergrößern NSG Raakmoor (3) NSG Raakmoor (3) In den Vermoorungsbereichen leben der Moorfrosch, die Kreuzotter und eine Vielzahl an Libellenarten wie die hübsch gefärbte Hufeisenazurjungfer, die große Binsen- und die Nordische Moosjungfer und der kleine Vierfleck.

Die Besonderheit in seiner Lebensweise ist der Kleine Moorbläuling, ein Tagfalter, der zu seinem Fortbestehen unabdingbar zwei Wirtshäuser braucht: unterirdisch einen Ameisenbau - oberirdisch den Lungenenzian.

vergrößern NSG Raakmoor (4) NSG Raakmoor (4) Um dessen Blüten tanzen im Sommer die blaugeflügelten Faltermännchen den Hochzeitsreigen mit den braun gefärbten Falterweibchen, die nach der Befruchtung ihre weißen Eier an den Blüten des Lungenenzians ablegen. Die daraus schlüpfenden winzigen Räupchen dringen sofort in den Stempel der Enzianblüte ein und beginnen darin zu fressen. Mit etwa 3 mm Länge verlassen sie im September ihr erstes Quartier und kriechen zu Boden.

vergrößern Wasserschlauch Wasserschlauch (Bild: Sven Baumung) Dort lauern schon die nächsten Gastgeber. Das sind Ameisen der Gattung Myrmica, Knotenameisen, sie wohnen im Erdreich und schleppen die kleinen Bläulingsraupen in ihr Nest - nicht zum Fressen, sondern zum Naschen. Denn die Räupchen haben auf dem Rücken Drüsen, die einen von den Ameisen ganz besonders begehrten süßen Saft absondern. Um diese Leckerei immer genießen zu können, füttern und pflegen die Ameisen ihre Gäste so sorgfältig wie ihre eigene Brut. Sind die Raupen ausgewachsen, verpuppen sie sich. Damit sie im Nest ihrer Gastgeberinnen auch dann noch unbehelligt bleiben, scheiden auch die Puppen einen Saft aus, der die genusssüchtigen Ameisen betört. Im Juni/Juli des Folgejahres schlüpfen die Bläulinge aus den Puppenhüllen, verlassen das Ameisennest und halten nach den Blüten des Lungenenzians Ausschau, um eine neue Generation von Faltern zu begründen.

Die Naturschutzgebiets-Verordnung finden Sie hier.

Information

Das Raakmoor liegt im Nordwesten Hamburgs in der Nähe der Landesgrenze zu Schleswig-Holstein. Zu erreichen ist es vom Hauptbahnhof mit der U-Bahn 1 Richtung Norderstedt bis zur Haltestelle "Langenhorner Markt", weiter mit dem Bus 274 bis "Glashütter Landstraße" und von dort entlang der Glashütter Straße in nordwestlicher Richtung.

Das Naturschutzgebiet hat nur wenige Wege. Diese sind aber gut gekennzeichnet und mit Schautafeln zur besseren Information versehen. Aussichtskanzeln verhelfen zu einem weiten Blick über das Gebiet.

Übersichtskarte Natur- und Landschaftsschutzgebiete

Downloads