Hamburger Rechtsextremisten maßgeblich beteiligt an der Verschärfung ideologischer Konflikte in der „Volksfront“
Rechtsextremismus
(LfV)
VOIGTs Wiederwahl und die Bestätigung bzw. Neuwahl mehrerer Protagonisten des ihn unterstützenden neonazistisch geprägten Flügels der Partei ist für die parlamentsorientierten Kräfte innerhalb der NPD zugleich Niederlage und Anlass für eine Standortbestimmung. Durch das Wahlergebnis ist ihr Einfluss innerhalb der Partei zurzeit geringer geworden. Nachdem vor der Bundesvorstandswahl sogar kolportiert worden war, die sächsische Landtagsfraktion werde im Falle der Wiederwahl VOIGTs zur DVU übertreten, dementierte sie dies, erklärte aber, der „sächsische Weg“ stehe für einen „gegenwartsbezogenen und volksnahen Nationalismus, [...] der sich von unpolitischer Nostalgiepflege, ziellosem Verbalradikalismus und pubertärem Provokationsgehabe abgrenzt“. Man werde „in kritischer Loyalität“ zum neugewählten Vorstand stehen. Mit dieser Presseerklärung wurden die verdrängten ideologischen Konflikte der beiden Flügel der Partei zur offenen innerparteilichen Frontlinie erklärt. Dagegen könnte es VOIGT als Mitinitiator der „Volksfront von Rechts“ aus NPD und neonazistischen Kameradschaften mit dem nun homogeneren Bundesvorstand gelingen, dieses Bündnis zu stabilisieren.
Während der parlamentsorientierte Flügel um die Landtagsfraktionen aus Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern aktuelle politische Themen aufgreifen und Bezüge zum Nationalsozialismus vermeiden will, um ihre Wahlaussichten auch bei bürgerlichen Wählern zu verbessern, ist der vor allem durch Personen aus der neonazistischen Kameradschaftsszene geprägte radikale Flügel daran nicht interessiert. Stattdessen wird die „Schlacht um die Straße“ - inzwischen weniger martialisch als „Kampf um die Straße“ bezeichnet - als zentrales Strategieelement umgesetzt und gemäßigtes Auftreten als Anbiederung an das „System“ kritisiert.
Jürgen Rieger
(Publikation Internet)
Wenngleich verschiedene Protagonisten des parlamentsorientierten Flügels der NPD die Übertrittsgerüchte zur DVU dementierten, ist doch eine Annäherung zwischen beiden zu verzeichnen. MOLAU ist inzwischen neben seiner NPD-Mitgliedschaft der DVU beigetreten und hat in der DVU das Amt des Bundespressesprechers übernommen. Er hat sich ebenso wie der neue DVU-Bundesvorsitzende Matthias FAUST aus Hamburg für das Entstehen einer „Deutschen Rechtspartei“ ausgesprochen. Hierin können erste Anzeichen eines größeren Umbruchs im deutschen Rechtsextremismus gesehen werden. Wären die parlamentsorientierten Kräfte mit der Etablierung einer national-konservativen Sammlungspartei erfolgreich, die auch rechtskonservative Gruppierungen einschließt, wäre eine dauerhafte Spaltung der NPD und des „Volksfront“ und „Deutschlandpakt“ umfassenden Bündnisses unvermeidlich. Die parlamentsorientierten Kräfte aus DVU und Teilen der NPD werden sich zunehmend mit Hinweis auf Wahlerfolge des Front National in Frankreich oder der FPÖ in Österreich bemühen, Republikaner und „Pro“-Gruppierungen für eine national-konservative Sammlungspartei zu gewinnen. Einige „Pro“-Gruppen wie z.B. „Pro Köln“ und „Pro NRW“ werden von den Verfassungsschutzbehörden als rechtsextremistische Verdachtsfälle geführt. So hatte „Pro Köln“ im Jahr 2008 einen „Anti-Islamismus-Kongress“ in Köln geplant, von dem sich die Neonazi-Szene stark abgrenzte.
Patrik BRINKMANN (4. v. links), u.a. mit MOLAU (links), APFEL (2. v. links) und PASTÖRS (2. v. rechts)
(Publikation Internet)
Diese Entwicklung wird u.a. von Rechtsextremisten aus Hamburg geprägt. Der DVU-Vorsitzende Matthias FAUST steht hier als einziger aktiver Vertreter des parlamentsorientierten Rechtsextremismus einem neonazistisch geprägten und mit der Kameradschaftsszene verflochtenen NPD-Landesverband gegenüber.
Matthias Faust
(Publikation Internet)
Christian Worch
(Publikation Internet)
Der Ausgang dieser Entwicklung im rechtsextremistischen Spektrum ist zurzeit noch nicht vorauszusehen. Er hängt u.a. davon ab, ob es dem neuen Bundesvorsitzenden der DVU gelingt, die Partei zu beleben und neue aktive Mitglieder anzuwerben.

Mister Wong
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