„Ansarul Aseer“ – Gefangenenhilfe in der jihadistischen Szene
(Publikation Internet)
Die von „Ansarul Aseer“ vertretene Ideologie lässt sich als salafistisch-jihadistisch bezeichnen. So lehnen die Betreiber der Seite weltliche, so genannte „menschengemachte“, Gesetze ab und treten für die Etablierung einer „göttlichen“ Gesetzgebung ein. Auf der Seite heißt es hierzu: „Wir sagen uns von euren (verlogenen, falschen, heuchlerischen) Kufr- (= Unglaube) Gesetzen los, euren widerwertigen Regierungen, Gerichten, politischen Einrichtungen und Institutionen, euren unaufrichtigen, lügenhaften und heuchlerischen Charaktereigenschaften, euren Medien und Propagandamaschinerien, euren Illusionen und Träumen, Hoffnungen und Täuschungen, Falschheiten und Lügen.“
Logo der „Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige e.V.“
(Publikation Internet)
Besucher der Seite haben des Weiteren die Möglichkeit, den Gefangenen Briefe zu schreiben, die über die Administratoren der Seite an den jeweiligen Adressaten weitergeleitet werden. Das Ziel dieser Aktion besteht laut den Betreibern von „Ansarul Aseer“ darin, den Inhaftierten seelischen Beistand zu leisten. Vermutlich wird auch die Gefahr gesehen, dass die Betreffenden während der Haftzeit ihre radikalen Einstellungen überdenken könnten. So steht auf der Selbstbeschreibung der Seite:
„Und so bemühen wir uns, seien es nur Worte, die wir an unsere Geschwister richten, dass wir ihnen beistehen, unterstützen und zur Gerechtigkeit und Wahrheit rufen. Worte, die ihre Herzen erreichen, durchdringen und bewegen, zum Guten führen und sie zur Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit und Wahrheit animieren, sie stärken, festigen, die Prüfungen, die ihnen widerfahren zu bestehen, auf dass sie – und auch wir – standhaft auf Seinem Weg verharren, nicht von der Wahrheit abkommen, (…).“
Darüber hinaus verfolgt „Ansarul Aseer“ aber auch eine Strategie, die über die Gefangenenbetreuung im engeren Sinn hinausgeht. Die Betreiber sind der Meinung, dass die Inhaftierten zu Unrecht eine Haftstrafe verbüßen. Daher wollen sie über angenommene „Ungerechtigkeiten, Überschreitungen und Unterdrückungen innerhalb der Gefängnisse“ berichten. Dies soll letztlich dem Zweck dienen, dieses „korrupte und zerstörerische Strafsystem [zu] entblößen.“
Neben dem Internetportal bedienen sich die Betreiber auch der Möglichkeiten, die von sozialen Netzwerken eröffnet werden. In einem hat die Gruppe „Ansarul Aseer“ knapp 1000 „Freunde“. Auf den Fotos der Gruppe sind inhaftierte radikale Ideologen, wie Abu Hamza al-Masri, zu sehen, für deren Freilassung gebetet wird.
Da in letzter Zeit eine steigende Zahl von jihadistischen Straftätern verurteilt wurde, ist die Gründung der Seite „Ansarul Aseer“ auch als Reaktion auf diese Situation zu sehen. Die Seite unterscheidet sich von der rechten und linken Gefangenenhilfe zumindest bisher darin, dass keine juristische Hilfestellung, sondern lediglich moralischer Beistand geleistet wird.

Mister Wong
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