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Rechtsextremismus Neonazis verteidigen Islam gegen „Bürgerbewegung Pro Köln“

Das neonazistische Aktionsbüro Norddeutschland hat im Internet scharfe Kritik am Kölner „Anti-Islamisierungskongress“ geübt. Der Islam sei global gesehen als Verbündeter zu betrachten.

Neonazis verteidigen Islam gegen „Bürgerbewegung Pro Köln“

Bereits im Vorfeld einer Kundgebung gegen den Bau einer Moschee in Hamburg-Bergedorf Anfang 2007 war es zu Verwerfungen in der Hamburger rechtsextremistischen Szene im Umgang mit dem Islam gekommen. Die Kundgebung war letztlich von der Hamburger Kameradschaftsszene boykottiert worden. Der Betreiber des Aktionsbüros, der in Hamburg aktive Neonazi Tobias THIESSEN, hatte andere Hamburger Neonazis beim Sturz der damaligen Hamburger NPD-Landesvorsitzenden Anja ZYSK - Mitinitiatorin der Kundgebung - unterstützt und damit den Weg für die Wahl Jürgen RIEGERs zum Vorsitzenden bereitet. Dieser hatte sich in der Vergangenheit mehrfach dafür eingesetzt, in der politischen Agitation gegen Ausländer nicht den Islam anzugreifen, da dieser als Verbündeter anzusehen sei. Auch auf der Internetseite der rechtsextremistischen Kampagne „Für ein sicheres Bergedorf“ im Jahr 2007 wurde so argumentiert und die Kampagne danach allgemein gegen „Überfremdung“ geführt. Auf Proteste gegen den Moscheebau wurde weitgehend verzichtet, um den Islam nicht direkt zu attackieren.

Diese Position aufgreifend hat sich nun auch das Aktionsbüro geäußert. Der „Anti-Islamisierungskongress“ sei Ausdruck des von den USA geschürten Anti-Islamismus. Die populistische Agitation von „Pro Köln“ gegen den Islam helfe lediglich pro-israelischen Kreisen. Das Aktionsbüro betont, den „Islam global gesehen als Verbündeten gegen die mammonistische Vormachtstellung der amerikanischen Ostküste“ zu betrachten. Es übernimmt damit die von Verschwörungstheorien gegen das „Weltjudentum“ geprägte Auffassung des historischen Nationalsozialismus.

„Pro Köln“ wird ferner vorgeworfen, sich zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung zu bekennen und nur vordergründig national eingestellt zu sein. Das Aktionsbüro reklamiert dagegen für sich, als wahre „Nationale Opposition“ das „System“ politisch zu bekämpfen.

Das Aktionsbüro Norddeutschland grenzt sich mit diesem Artikel erneut von nationalkonservativen und rechtspopulistischen Strömungen ab. Diese Haltung zeigt sich auch im Umgang der neonazistischen Szene mit der NPD. Während es mit der von RIEGER und anderen Neonazis gesteuerten Hamburger NPD eine enge Zusammenarbeit gibt, steht die Bundes-NPD mit ihrer eher parlamentsorientierten Politik in der Kritik.

Mit seinen Internetseiten verdeutlicht das Aktionsbüro Norddeutschland die antisemitische und antidemokratische Grundhaltung der neonazistischen Szene. Durch die von Verschwörungstheorien und Selbstüberschätzung geprägte Suche nach globalen Verbündeten gegen die „westlich-plutokratische Oneworldpolitik“ zeigt sich darüber hinaus, dass ein Großteil der neonazistischen Szene nicht zu dauerhaften Kompromissen mit parlamentsorientierten Rechtsextremisten fähig ist.

Offensichtlich bemüht sich insbesondere Tobias THIESSEN mit dem Aktionsbüro Norddeutschland derzeit nach Kräften, die „Volksfront“ mit nationalsozialistischer Dogmatik zu spalten. Auch innerhalb der neonazistischen Szene ist aber strittig, ob es Tobias THIESSEN und anderen gelingen kann, ihrer Basis den Kampf gegen „Überfremdung“ bei gleichzeitiger Anbiederung an den Islam zu vermitteln.

Stand: 02. Oktober 2008

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