Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration

Premiere "Wir wurden sehr herzlich aufgenommen!"

Familie Sögüt ist die erste Bereitschaftspflegefamilie mit türkischen Wurzeln in Hamburg.

"Wir wurden sehr herzlich aufgenommen!"

Premiere in der Bereitschaftspflege von PFIFF: Mit Süreyya und Sadettin Sögüt gibt es dort die erste Pflegefamilie mit türkischen Wurzeln. Was sie motiviert und ob ihre Herkunft bei der Bewerbung eine Rolle spielte – das sind nur zwei der Fragen, die sie im BLICKPUNKT PFLEGEKINDER beantwortet haben

BLICKPUNKT:  Wie sind Ihr Mann und Sie auf das Thema Pflegekinder aufmerksam geworden?

Süreyya Sögüt: Durch unseren Beruf hatten wir immer schon mit Kindern zu tun: Ich habe 20 Jahre und mein Mann 8 Jahre in der Tagespflege gearbeitet. Wir haben auch immer mal wieder Plakate zur Suche nach Pflegeeltern in U-Bahnen und auf Bahnhöfen gesehen. Und vor ca. 9 Jahren hat uns ein Jugendamt angerufen und angefragt, ob wir einen Säugling aufnehmen können, weil gerade keine Bereitschaftspflegefamilie zur Verfügung stand. Wir waren einverstanden und wenige Stunden später kam das Kind zu uns, das wir dann 5 Tage lang betreut haben. Da haben wir erste Erfahrungen sammeln können. Darüber hinaus habe ich auch eine sehr gute Freundin,  die ihre Enkeltochter in Pflege genommen hat. 

BLICKPUNKT: Warum haben Sie sich dann entschlossen, selbst Pflegefamilie zu werden? 

Süreyya Sögüt: Nach 20 Jahren Tagespflege hatten wir das Gefühl, dass wir mal was anderes machen wollen – gern etwas mit Kindern, weil wir daran viel Freude haben. Wir haben dann erfahren, dass es zu wenig Bereitschaftspflegeeltern gibt und da würden wir gern helfen. Es spielte auch eine Rolle, dass wir in der Tagespflege nur 4 Wochen Urlaub pro Jahr hatten. Das war uns mit der Zeit ein bisschen zu wenig. Jetzt wollen wir uns auf die Betreuung eines Kindes konzentrieren und dann zwischen den Belegungen etwas länger wieder Kraft tanken. 

Sadettin Sögüt: Wir hatten immer ein gutes Gefühl, Kinder in Tagespflege zu betreuen. Das hat uns viel positive Energie gegeben! Wir denken, das wird mit Kindern in Bereitschaftspflege auch so sein. Das motiviert uns. 

BLICKPUNKT: Warum haben Sie sich dann entschlossen, selbst Pflegefamilie zu werden? 

Süreyya Sögüt: Wir hatten uns eigentlich überlegt, ein Kind in Dauerpflege aufzunehmen, weil wir uns  noch jung fühlten und Zeit haben. Deshalb sind wir auch die Vorbereitung für die Dauerpflege durchlaufen. Dann aber haben unsere vier erwachsenen Kinder gesagt: „Das geht nicht. Das könnt Ihr nicht machen – jetzt, wo Eure eigenen Enkelkinder da sind. Wenn Ihr ein Kind in Dauerpflege aufnehmt, müsst Ihr lange für es da sein.“ Dann haben wir das Thema ein bisschen ruhen lassen und sind dann in Richtung Bereitschaftspflege gegangen.

BLICKPUNKT: Was motiviert Sie denn für die Bereitschaftspflege?

Süreyya Sögüt: Die Kinder, die wir in Tagespflege hatten, kamen in der Regel aus intakten Familien.  Das wird in der Bereitschaftspflege anders sein. Auch wenn sie nur kurz bei uns sind,  wollen wir diesen Kindern, die es besonders nötig haben, Liebe, Zuwendung und Nähe geben. 

BLICKPUNKT: Sie mussten ja die strengeren Auflagen für Pflegeelternbewerber durchlaufen. Wie haben Sie diese Auflagen empfunden?

Süreyya Sögüt: Als notwendig, auch wenn es gedauert hat, sie zu erfüllen. Aber diese Zeit haben wir auch gebraucht, weil die Entscheidung, Pflegeeltern zu werden, weiter in uns gereift ist. 

Sadettin Sögüt: Wir finden die Auflagen richtig, weil es wichtig ist, möglichst viel über die Familien zu erfahren, in die Pflegekinder gegeben werden.  Das ist sehr wichtig für den Kinderschutz. 

BLICKPUNKT: Sie sind ja die erste Bereitschaftspflegefamilie mit türkischen Wurzeln. Hat das in der Vorbereitung eine Rolle gespielt?

Süreyya Sögüt: Nein, überhaupt nicht.  Nein, überhaupt nicht. Wir wurden sehr herzlich aufgenommen und haben nur Positives erlebt.  Ein Seminarleiter hat sogar zu uns gesagt: „Sie sind ein Schatz für uns!“ 

BLICKPUNKT:  Seit Ende November 2014 sind Sie geprüfte Bereitschaftspflegeeltern und warten noch auf Ihr erstes Kind. Wie fühlen Sie sich momentan?*

Süreyya Sögüt: Wir sind neugierig und auch ein bisschen ungeduldig.  Und wir freuen uns auf unser erstes Pflegekind!

*Das Interview entstand im Januar 2015. Inzwischen hat Familie Sögüt ihr erstes Pflegekind begleitet.