Bergedorf: Wissens- und Sehenswertes Moderner Stadtteil mit historischem Kern

Bergedorf ist eine eigenständige Stadt und nicht nur ein Anhängsel von Hamburg, finden seine Bewohner. Denn auf 11,3 Quadratkilometern bietet Bergedorf einfach alles: ein Amtsgericht und Rathaus, Theater und Krankenhaus, Shoppingmöglichkeiten und Lokale, Gefängnis und Hafen, das Bille-Bad und sogar eine Sternwarte und das einzige Schloss Hamburgs.

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Bergedorf: Wissens- und Sehenswertes

BezirkBergedorf
Einwohner34.404*
Einwohner pro km2 3.322*
Fläche 10.4 km²*
Öffentlicher NahverkehrS-Bahn:
S2, S21 (Haltestelle: Bergedorf)

Hafen und Altstadt

Wer mit der Bahn ankommt, gelangt schnell zum Serrahn, dem alten Bergedorfer Hafen. Hier legen Barkassen bei gutem Wetter zu Vierlande-Fahrten und bis nach Hamburg ab. Vom Lokal Brasserie am Serrahn genießen Gäste den Blick auf den kleinen Billehafen. Ein paar Schritte weiter, am Johann-Adolf-Hasse-Platz 1, auf dem jeden Donnerstag ein Bio-Markt stattfindet, kommen Sie zum Johann A. Hasse-Haus, dem Geburtshaus des bekannten Opernkomponisten. Ein Blickfang daneben ist die St. Petri und Pauli Kirche aus dem Jahr 1162, eine kleine Fachwerkkirche mit einem schmalen, grün schimmernden Kirchturm.

Ältestes Gasthaus Hamburgs 

In der Bergedorfer Innenstadt gibt es sehenswerte Fachwerkhäuser wie den Zeyn-Speicher im Kupferhof, die über 180 Jahre alte Kornwassermühle oder das Gasthaus Stadt Hamburg von 1550 zu entdecken. Letzteres ist die älteste Gaststätte Hamburgs und beherbergt seit über 40 Jahren ein Block-Steakhaus. Mitten in der 34.000-Einwohner-Stadt steht übrigens das einzige Schloss Hamburgs – idyllisch gelegen in einem Park an der Bille. Vom Serrahn-Wehr eröffnet sich eine romantische Aussicht auf das ehemalige Wasserschloss, dessen Grundmauern auf das 13. Jahrhundert zurückgehen. Ein Spaziergang durch den idyllischen Park zum schönen Backsteingotik-Schloss lohnt sich. Hier befinden sich ein Heimatmuseum und ein Café. Der berühmte Architekt Fritz Schumacher hinterließ auch in Bergedorf seine Spuren: Er entwarf das Amtsgerichtgebäude, das 1926 im Stil der Neuen Sachlichkeit gebaut wurde. Ganz in der Nähe liegt auch die Bergedorfer Mühle, die von einer Stiftung vollständig restauriert wurde und voll funktionstüchtig ist. Nahebei liegt das 2005 neu gebaute, beliebte Bille-Bad.

Shoppingoase und Kulturstadt

In der Einkaufsstraße Sachsentor shoppen die Bergedorfer besonders gern. Etwas versteckt hinter dem Karstadt-Haus liegt das Café Tante Anna, ein passender Ort für einen Kaffeeklatsch. Auch Kulturliebhaber kommen in Bergedorf garantiert nicht zu kurz: Das Haus im Park und das Kulturzentrum LOLA mit seiner angesagten Cocktailbar punkten mit einem reichhaltigen Theater- und Musikprogramm.

Bergedorfer Originale

Was haben Kurt Körber, Deichkind und Optiker Bode gemeinsam? In Bergedorf wurden sie berühmt! Nach dem Zweiten Weltkrieg verhalf Kurt Körber Bergedorf zum wirtschaftlichen Aufschwung. Mit dem Unternehmen Hauni, das Maschinen zur Zigarettenproduktion herstellte, wurde Körber weltweiter Marktführer.

In Bergedorf hat auch die 1997 gegründete Elektropunk-Band Deichkind ihre Wurzeln. Bandmitglied der ersten Stunde Philipp Grütering verbrachte hier nach eigenen Worten seine „Kindheit in behüteten Verhältnissen in einem antiautoritären Kinderladen und einer katholischen Grundschule“.

Ebenfalls deutschlandweit bekannt ist der Optiker Bode. Vom Bode-Hauptsitz in Bergedorf werden bundesweit über 70 Optiker-Filialen verwaltet.

Bundesweit exportiert auch die Weinkellerei & Spirituosen-Manufaktur von Have – und das schon seit 1868! Im Laden am Sachsentor stehen 500 Weinsorten und selbst hergestellte Spirituosen in den Regalen. Die Kaffeerösterei Timm ist ein weiteres Bergedorfer Traditionsunternehmen, das neben Kaffee für seine „Bergedorfer Schlosskugeln“ bekannt ist.

12. Jahrhundert: Bergerdorp

Als „Bergerdorp“ wird Bergedorfs Kirche 1162 zum ersten Mal erwähnt. Ein Kuriosum: Länger als 400 Jahre gehörte Bergedorf sowohl zu Lübeck als auch zu Hamburg. Sogar das Bergedorfer Schloss teilten sich die beiden Hansestädte brüderlich. Erst im Jahr 1868 kaufte Hamburg Bergedorf frei und bezahlte dem Konkurrenten Lübeck 200.000 Taler.

19. Jahrhundert: Industrialisierung

Als Bergedorf 1873 die Stadtrechte erhielt, hatte die Industrialisierung bereits eingesetzt. Glashütten Hein & Dietrichs, die Vereinsbrauerei, die Hamburg-Bergedorfer Stuhlrohrfabrik Sieverts und das Bergedorfer Eisenwerk wuchsen zu stattlichen Unternehmen heran, die laufend neue Arbeiter einstellten. Die Bevölkerungszahl stieg von 3.200 auf 8.000 Einwohner. 1927 zählte Bergedorf bereits 19.000 Einwohner.

20. Jahrhundert: Wassersportverein und Eingemeindung

In den 20er Jahren blühte das Vereinsleben. So gründeten sozialistische Arbeiter 1926 den Freien Wassersportverein Vorwärts, der noch heute besteht. 1933 wuchs Vorwärts zum größten Arbeiter-Sportverein im Raum Hamburg heran. In der Nazizeit verlor Bergedorf 1938 seinen Rang als unabhängige Stadt und wurde Hamburg einverleibt.

Fachwerkhäuser und Bausünden

Bergedorfs Stadtbild wandelte sich in den 50er Jahren, als für den Ausbau der B5 etwa 130 Altbauten und Fachwerkhäuser abgerissen wurden. Der gesamte Ost-West Verkehr verlief bis zum Bau der A25 durch Bergedorfs Innenstadt. Bergedorf präsentiert sich heute als ein Konglomerat aus unterschiedlichen Baustilen. Während das Villenviertel einheitlich im Gründerzeitstil gehalten ist, stehen im Zentrum Bausünden aus den 70er Jahren – wie das ehemalige Telekomgebäude – neben schönen Altbauten und denkmalgeschützten Fachwerkhäusern. Das Bahnhofsgelände wurde 2012 nach funktionalen, nicht unbedingt ästhetischen Gesichtspunkten komplett neu angelegt.

Bergedorfer Rekorde

Wussten Sie schon, dass…?

  • der Alte Bahnhof von 1842 das zweitälteste Bahnhofsgebäude Deutschlands ist? Der Bahnhof, der im Stil eines schwedischen Sommerhauses errichtet ist, kann im Neuen Weg bewundert werden.
  • die ersten Eisenbahnen „Hansa“ und „Berlin“ 1842 nur 25 Minuten von Hamburg-Deichtorplatz bis Bergedorf brauchten?
  • ein Propellertriebwagen 1931 von Bergedorf nach Berlin-Spandau einmal nur 98 Minuten benötigte?
  • der Astronom Lubos Kohoutek in der Bergedorfer Sternwarte 1973 den Kometen „Kohoutek“ entdeckte, der weltweit ein nicht gekanntes Kometenfieber auslöste? Bands wie Kraftwerk und REM und Sun Ra schrieben Songs zu Kohoutek und der Komet schaffte es sogar in die Folge „Barts Komet“ in die Simpsons-Serie.

Karte

*Quelle: Hamburger Stadtteilprofile, Statistikamt Nord (Stand: Nov 2016)

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Moderner Stadtteil mit historischem Kern
Bergedorf ist eine eigenständige Stadt und nicht nur ein Anhängsel von Hamburg, finden seine Bewohner. Denn auf 11,3 Quadratkilometern bietet Bergedorf einfach alles: ein Amtsgericht und Rathaus, Theater und Krankenhaus, Shoppingmöglichkeiten und Lokale, Gefängnis und Hafen, das Bille-Bad und sogar eine Sternwarte und das einzige Schloss Hamburgs.
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