Kleiner Grasbrook: Wissens- und Sehenswertes Geschichte des Hamburger Hafens hautnah erleben

Kleiner Grasbrook – das klingt ländlich. Doch der idyllische Name täuscht über die tatsächliche Beschaffenheit des Stadtteils hinweg. Denn der Kleine Grasbrook ist vor allem eins: Hafen!

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Wissens- und Sehenswertes auf dem Kleinen Grasbrook

BezirkHamburg-Mitte
Einwohner1.262*
Einwohner pro km2280*
Fläche4,5 km²**
Öffentlicher Nahverkehr

S-Bahn:
S3, S31 (Haltestelle: Veddel)

Hafenfähre:
72 (Haltestelle: Arningstraße)

Vom Kleinen Grasbrook zum Grasbrook

Mit zirka 1.250 Einwohnern auf einer Fläche von 4,5 Quadratkilometern ist der Kleine Grasbrook bis dato sehr dünn besiedelt. Pläne für einen Ausbau des zwischen Veddel, Steinwerder und Wilhelmsburg liegenden Quartiers gab es viele: Olympia, eine „Living-Bridge“, ein Wissenschaftspark. Seit Jahren werden große Pläne für den kleinen Stadtteil gegenüber der HafenCity gemacht und nun wird es tatsächlich ernst. Mitte September 2017 stellte die Stadt ein Stadtentwicklungskonzept für die weitere Nutzung des Stadtteils vor, mit dem auf einer Fläche von circa 46 Hektar etwa 3.000 Wohnungen und knapp 16.000 Arbeitsplätze entstehen.

Der Grasbrook verliert im Zuge dessen seine Zuschreibung, „klein" zu sein, und wird in Zukunft den Stadtteilnamen „Grasbrook" tragen. Darin enthalten bleiben die Flächen am Moldauhafen, am Saalehafen. die Flächen rund um den Veddeler Damm mit Hansahafen, Südwesthafen und Steinwerderhafen und natürlich der Kleine Grasbrook selbst, der von den anderen Gebieten umschlossen wird.

Leben im Moldauhafen-Quartier 

Spannend wird es direkt auf dem Kleinen Grasbrook, am Moldauhafen und am Saalehafen. Der Moldauhafen wird nach den Plänen zum Moldauhafen-Quartier, dort soll der Wohnraum entstehen; von den geplanten 3.000 Wohnungen soll ein Drittel öffentlich gefördert sein. Am östlichen Ende in Richtung Freihafenbrücke soll das Freihafen-Quartier entstehen, mit einem Mix aus Wohnungen und Büroflächen.

Der Kleine Grasbrook bleibt dem Hafen und der Hafenindustrie erhalten, sie wird weiterhin den Großteil der Fläche einnehmen. Am Ufer zum Moldauhafen soll jedoch mit dem Hafentor-Quartier ein Schutzriegel aus Gewerbeflächen entstehen und den geplanten Wohnraum vor Lärm und Emission schützen. Der erste Spatenstich für den neuen Stadtteil könnte im Jahr 2020 erfolgen, für die gesamte Planungs- und Bauphase werden rund 20 Jahre veranschlagt.

Schmales Wohngebiet an der Harburger Chaussee

Derzeit wohnen die knapp tausend Einwohner allesamt im Süden des Stadtteils an der Harburger Chaussee. Die dunklen Backsteinhäuser wurden um 1920 als Arbeiterwohnungen errichtet. Die Straße ist zwar vielbefahren, trumpft aber mit ihrer Lage direkt vor dem Spreehafen. Lässt man seinen Blick von dort über das Hafenbecken schweifen, eröffnet sich dahinter eine grandiose Aussicht auf die Hafenanlagen, den Fernsehturm und die Elbphilharmonie.

Der Blick auf den Spreehafen gibt aber auch noch eine andere Szenerie frei: bunte Hausboote liegen dort wie in den Amsterdamer Grachten nebeneinander. Einen entscheidenden Unterschied gibt es allerdings: Im Gegensatz zum Reglement der holländischen Nachbarn, ist das Wohnen im Hafengebiet eigentlich nicht gestattet. Die jetzigen „Anwohner“ betreiben deshalb offiziell alle ein Gewerbe, es bleibt bisher also ein Leben in der rechtlichen Grauzone.

Autos und Bananen

Im Kleinen Grasbrook befinden sich gleich mehrere Kaianlagen des Hamburger Hafens. So steht am O'Swaldkai die größte auf rollende Verladungen spezialisierte Hafenanlage. Betrieben von der UNIKAI Lagerei- und Speditionsgesellschaft werden dort moderne RoRo- und ConRo-Schiffe ebenso abgefertigt wie Schwergutladungen.

Hamburg ist zudem der wichtigste Fruchthafen Deutschlands und im HHLA Frucht- und Kühlzentrum etwas weiter südlich, steht fast alles im Zeichen der Banane und anderer Südfrüchte. Hunderttausende Tonnen der noch grünen Früchte werden jährlich von der HHLA als Stückgut oder im Container umgeschlagen, temperiert zwischengelagert und weiterverteilt.

50er Schuppen und Hafenmuseum

Der rasante Anstieg des Seegüterumschlags um 1900 erforderte einen umfangreichen Ausbau des Hamburger Hafens. Daher entstanden in dieser Zeit am Bremerkai die je 271 Meter langen und 48 Meter tiefen Schuppen 50 und 51 und der Bau der Schuppen 52 und 53 am Australiakai begann.

Eine Revolution erlebte der Hafen Ende der 1960er-Jahre durch den Umstieg auf Container, der zum Stillstand großer Teile des einst modernen Hafens führte. Die Schuppen 50 bis 52 wurden schließlich stillgelegt und stehen seit 2002 unter Denkmalschutz. Genau der richtige Ort also, um die Geschichte des Hamburger Hafens live zu erleben, denn auf dem Gelände des ehemaligen Freihafens befindet sich heute das Hafenmuseum Hamburg.

Im äußerlich selbst schon museal anmutenden Schuppen 50 können sich Interessierte unter anderem in Ausstellungen über ausgestorbene Berufe im Hafen informieren oder historische Arbeitsgeräte begutachten. Auf der Pontonanlage sind zudem Schiffe, Kräne und Dampfanlagen zu besichtigen. Das Museum der Arbeit und die Stiftung Hamburg Maritim kümmern sich um den Erhalt der klassischen Kaianlage.

Am Bremerkai liegt außerdem der traditionsreiche Stückgutfrachter MS Bleichen, der seit dem Ankauf 2007 tatkräftig renoviert wird. Mit seinem charakteristischen Ladegeschirr kann gezeigt werden, wie Stückgutumschlag vor der Erfindung des Containers passierte.

Das fahrbare Museumsschiff kann in der Regel von Ostern bis Oktober besichtigt werden. Die Stiftung Hamburg Maritim bietet auf Anfrage auch Führungen über Deck und in den Maschinenraum des 50 Jahre alten Frachters an. Und wer auf der Suche nach einer ungewöhnlichen Location ist: die MS Bleichen kann auch für Events und private Feiern gebucht werden.

Von der Viehweide zum Industriegebiet

Der Kleine Grasbrook kann auf eine ereignisreiche Historie zurückblicken. Jahrhundertelang wurde die Insel nur als Viehweide genutzt. Der Grasbrook war einst eine sumpfige Landschaft, daher war der Name damals sehr passend gewählt, bedeutet Brook doch feuchtes, niedriges Land. Der Zusatz „Kleiner“ entstand durch die Teilung des Stadtteils im 16. Jahrhundert, unter anderem mit dem Bau des Neuen Grabens, der Grasbrook in zwei Teile trennte.

Nach und nach kam es zu einer langsamen Besiedlung, bis der Stadtteil Ende des 19. Jahrhunderts als Hafen- und Industriegebiet erschlossen wurde. Bereits ab 1838 wurden Kanäle und Kaianlagen gebaut. Mit dem Zollanschlussvertrag von 1881 wurde Hamburg (mit Ausnahme des Freihafenbezirks) Teil des deutschen Reichszollgebiets. Dem Freihafen wurde daraufhin das Privileg der Zoll- und Steuerfreiheit zugestanden, wodurch zahlreiche Industriezweige wie Schiffs- und Maschinenbau, Mineralölraffination und Gaswerke erheblich profitierten.

Im Jahr 1871 wurde der Kleine Grasbrook ein Vorort Hamburgs und 1894 schließlich eingemeindet. Für den Bau weiterer Hafenanlagen mussten die bisherigen Wohnhäuser der Industrie weichen. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Kleine Grasbrook fast vollständig zerstört. Im Zuge des Wiederaufbaus wurde ein Großteil des Südwesthafens und des Segelschiffhafens zugeschüttet. Heute befindet sich auf diesem Gebiet das 1978 entstandene Frucht- und Kühlzentrum. Durch die Umstellung von Stückgut- auf Containerumschlag fand eine Umstrukturierung im Kleinen Grasbrook und eine zunehmende Verlagerung des Hafenbetriebs nach Waltershof und Altenwerder statt.

Karte

*Quelle: Bevölkerung in Hamburg, Statistikamt Nord (Stand: 31. Dezember 2015)
**Quelle: Statistikamt Nord und Landesbetrieb für Geoinformation und Vermessung (Stand: 31. Dezember 2014)

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Kleiner Grasbrook – das klingt ländlich. Doch der idyllische Name täuscht über die tatsächliche Beschaffenheit des Stadtteils hinweg. Denn der Kleine Grasbrook ist vor allem eins: Hafen!
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