Hannoverscher Bahnhof Wechselhafte Geschichte

Der Hannoversche Bahnhof in Hamburg war bis zur Ablösung durch den Hamburger Hauptbahnhof im Jahr 1906 der zentrale Bahnhof für alle Personenzüge, die bei Hamburg die Elbe überquerten. Ab 1906 rollte hier ausschließlich Güterverkehr. Von 1940 bis 1945 erlangte der Bahnhof grausame Bedeutung, weil er als zentraler Hamburger Ort für die Deportation von Juden, Sinti und Roma diente. Der Bahnhof lag auf dem Großen Grasbrook auf dem Gelände des heutigen Lohseplatzes.

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Hannoverscher Bahnhof Hamburg

Adresse
Nördlicher Lohsepark
20457 Hamburg
Öffnungszeiten Info-Pavillon
April bis Oktober, Mittwoch bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr
Eintritt
frei

Die Gedenkstätte denk.mal Hannoverscher Bahnhof

Die entsetzliche Berühmtheit, die der Hannoversche Bahnhof während der NS-Zeit erlangte, bedurfte einer bleibenden Erinnerung an die Opfer. Der Senat der Hansestadt beschloss folgerichtig, mit Unterstützung der Opfer- und Vertriebenenverbände und der Hamburger Bürger, auf dem Gelände des 1999 endgültig stillgelegten Bahnhofs ein dauerhaftes Zeichen der Erinnerung, Mahnung und Begegnung zu schaffen. Von 1940 bis 1945 war der Bahnhof unter dem NS-Regime der zentrale Hamburger Ort für die Deportation von Juden, Sinti und Roma.

Drei Elemente für das Gedenken

Der Gedenkort im Lohsepark besteht aus drei verschiedenen Elementen. Als 2016 der vier Hektar große Lohsepark in der HafenCity eröffnet wurde, zog sich bereits die „Fuge" als erstes wichtiges Gestaltungselement des Gedenkortes durch den Park. Diese schneidet sich durch ein unterschiedliches Bodenniveau in den Park ein. Sie verbindet den zentralen Gedenkort am unter Denkmalschutz stehenden Relikt des Bahnsteigs 2 mit dem ehemaligen Bahnhofsvorplatz (Lohseplatz) und folgt dabei dem historischen Gleisverlauf.

Am 10. Mai 2017 wurde die Gedenkstätte denk.mal Hannoverscher Bahnhof mit dem zweiten Element des Gedenkortes mit einer Kranzniederlegung feierlich eingeweiht. Am letzten verbliebenen Gleisstück von Bahnsteig 2 stehen nun ein Gedenktisch mit einer Widmung und 20 Steintafeln, die die Namen und Geburtsdaten der deportierten Juden, Sinti und Roma nennen.

Der dritte Teil der Gedenkstätte wird 2021 folgen, wenn das Dokumentationszentrum unweit des ehemaligen Vorplatzes des Bahnhofs fertiggestellt wird. Dort werden auf einer Fläche von etwa 700 Quadratmetern Ausstellungs- und Veranstaltungsräume zur Verfügung stehen. Als Kernelement ist die Dauerausstellung zum Schicksal der Deportierten geplant. Bis zu seiner Eröffnung besteht die Möglichkeit im Info-Pavillon denk.mal Hannoverscher Bahnhof, die von der Historikerin Dr. Linde Apel konzipierte, temporäre Dokumentation „In den Tod geschickt“, zu besuchen. Des weiteren bietet der Pavillon Fakten zu Planung und Baufortschritt des Dokumentationszentrums.

Planung seit 2004

Im Jahr 2004 legten Dr. Linde Apel und Dr. Frank Bajohr, von der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg, der Kulturbehöre die erste Studie zum Thema „Die Deportationen von Juden sowie Sinti und Roma vom Hannoverschen Bahnhof in Hamburg 1940-1945" vor. 

Von Mai bis August 2011 führte die Kulturbehörde eine Ausschreibung für die Beteiligung von Jugendlichen an der Gestaltung und den Aktivitäten des Informations- und Dokumentationszentrums denk.mal Hannoverscher Bahnhof durch. Unter dem Motto „Wie wollt ihr euch erinnern?“ fanden sieben Workshops statt, an denen 40 Jugendliche, unterstützt von Experten, Vorschläge zur Gestaltung der Gedenkstätte entwickelten.

Weitere Informationen: denk.mal Hannoverscher Bahnhof

Im Überblick: Die Geschichte des Hannoverschen Bahnhofs

Personenbahnhof 1872–1906

Der Bahnhof ging am 1. Dezember 1872 als Endpunkt der über die Elbbrücken führenden, geplanten Bahnstrecke Hamburg-Paris in Betrieb. Allerdings wurde diese Strecke so nie fertig gestellt. Ab 1874 bildete der Hannoversche Bahnhof die Verbindung von Hamburg ins Ruhrgebiet, die heute Bahnstrecke Wanne-Eickel–Hamburg genannt wird. Der Bau war ein Kopfbahnhof im Gründerzeitstil mit fünf Gleisen. Drei der Gleise endeten an einer Drehscheibe. Die Gründung des Bauwerks erfolgte auf Pfahlrosten, da der Boden sich als wenig tragfähig erwies.

Güterbahnhof 1906–1940

Nach der Eröffnung des Hamburger Hauptbahnhofes wurde der Hannoversche Bahnhof ausschließlich als Güterbahnhof für den Eilgutverkehr genutzt. Zu diesem Zwecke wurde nördlich des alten Personenbahnhofes eine Freiladeanlage mit 14 weiteren Gleisen angebaut. Weitere Freiladegleise am Oberhafen-Kanal im Osten wurden für den Kohlenumschlag benutzt. 

Zentraler Hamburger Deportationsbahnhof 1940–1945

In der NS-Zeit fungierte der Bahnhof zwischen 1940 und 1945 als zentrale Hamburger Station für die Deportation von Juden, Sinti und Roma. Dabei dürfte die trotz der Nähe zum Stadtzentrum randständige Lage des Bahnhofs im Sinne der Verantwortlichen gewesen sein, da Deportationen vom Hauptbahnhof vermutlich ein zu großes öffentliches Aufsehen erregt hätten. 

Die grausame Bilanz dieser Zeit: 20 Deportationstransporte zwischen 1940 und 1945, über 8.000 verschleppte Juden, Roma und Sinti aus Hamburg und Norddeutschland. Weniger als 1.000 der Verschleppten haben die NS-Zeit überlebt.

Stilllegung und Nachnutzung

1945 bis 1999 wurden Teile des Bahnhofs weiterhin als Güterbahnhof genutzt. 1999 wurde der Bahnhof endgültig stillgelegt und nach und nach zurück gebaut. Auf dem freigewordenen Bahngelände ist das Quartier Am Lohsepark als Teil der HafenCity mit Wohnhäusern errichtet sowie eine Grünanlage, der namensgebende Lohsepark, angelegt worden.

Karte



Wechselhafte Geschichte
Der Hannoversche Bahnhof in Hamburg war bis zur Ablösung durch den Hamburger Hauptbahnhof im Jahr 1906 der zentrale Bahnhof für alle Personenzüge, die bei Hamburg die Elbe überquerten. Ab 1906 rollte hier ausschließlich Güterverkehr. Von 1940 bis 1945 erlangte der Bahnhof grausame Bedeutung, weil er als zentraler Hamburger Ort für die Deportation von Juden, Sinti und Roma diente. Der Bahnhof lag auf dem Großen Grasbrook auf dem Gelände des heutigen Lohseplatzes.
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