Heinrich-Hertz-Denkmal Hamburg Denkmal mit bewegender Geschichte

Einer der berühmtesten Physiker des 19. Jahrhunderts, Heinrich Hertz, war ein Sohn der Stadt Hamburg. An ihn erinnert die Skulptur „Ätherwelle“ des Bildhauers Friedrich Wield, die seit Ende September 2016 auf dem NDR-Gelände steht.

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Heinrich-Hertz-Denkmal „Ätherwelle“

Adresse
Rothenbaumchaussee 122, 20149 Hamburg
Straßenseitige Rasenfläche vor Haus 20 des NDR
Parkplätze
Parkmöglichkeiten entlang der Rothenbaumchaussee


Die Ätherwelle am neuen Standort

Umgeben von üppigem Grün, zum Wasser der Alster hin ausgerichtet, stand die Skulptur „Ätherwelle“ zwischen 1994 und 2016 im Eichenpark im Stadtteil Harvestehude. So schön die Umgebung auch war, sie konnte dem Thema der Plastik nicht gerecht werden. Ist diese doch ein Denkmal für den aus einer angesehenen hanseatischen Familie stammenden Heinrich Hertz – einem der bedeutendsten Physiker des 19. Jahrhunderts und Pionier der Radioentwicklung.

Im Jahre 1886 glückte Hertz die Übertragung elektromagnetischer Wellen von einem Sender zu einem Empfänger. Seine Forschungsergebnisse lieferten die Grundlagen zur Entwicklung der drahtlosen Telegrafie und des Radios. So trägt die Einheit der Frequenz, eine Schwingung pro Sekunde, seitdem die Bezeichnung „1 Hertz“. Nach ihm sind in Hamburg auch eine Straße, eine Schule und der 1968 fertiggestellte Fernsehturm benannt.

Ende September 2016 wurde die Plastik an den auch ursprünglich von der Hamburger Kunstkommission favorisierten und inhaltlich passenderen Platz auf dem Gelände des NDR Funkhauses an der Rothenbaumchaussee versetzt. Die Kosten hierfür übernahm die Firma „Arnold Hertz & Co“, die Kulturbehörde zahlte die restauratorische Reinigung. In fußläufiger Entfernung zum Heinrich-Hertz-Denkmal befinden sich die Hauptkirche St. Nikolai, die Kirche St. Johannis und das NDR Landesfunkhaus

Ätherwelle existierte jahrzehntelang nur als Prototyp

vergrößern Prototyp der Ätherwelle Prototyp der Ätherwelle (Bild: Friedrich Wield) In 1931 wollten der Norddeutsche Rundfunk und der Hamburger Senat Heinrich Hertz ein Denkmal setzen. Den Auftrag erhielt der aus der Hansestadt stammende Bildhauer Friedrich Wield. Er war spezialisiert auf Skulpturen und hatte bereits etliche Porträtbüsten von Hamburger Persönlichkeiten geschaffen. Um diesen Auftrag beneideten Wield viele Künstler, aber es kamen damit schwierige Zeiten auf ihn zu. In 1933, als die Nationalsozialisten die Macht in Deutschland ergriffen, hatte Wield die Gipsform für die Bronzeskulptur beendet. Doch weil Hertz Jude war, wurde die Aufstellung eines Denkmals ihm zu Ehren verboten. Wield erhielt die ihm zustehenden Zahlungen für seine Arbeit nicht und kam dadurch in finanzielle Nöte.

Das geplante Heinrich-Hertz-Denkmal geriet in Vergessenheit. Erst Mitte der Achtzigerjahre wurde aufgrund der Initiative von Boris Kegel-Konietzko, Erbe und Nachlassverwalter des Bildhauers, der Dialog mit der Hamburger Kulturbehörde aufgenommen. Im Zuge dessen bekam schließlich der Bildhauer Manfred Sihle-Wissel von der Stadt Hamburg den Auftrag, das Originalmodell der Ätherwelle zu restaurieren. Nachdem die Düsseldorfer Kunstgießerei Schmäke die Skulptur in Bronze fertig gestellt hatte, traf sie im Juni 1988 wieder in der Hansestadt ein. Nach langen Diskussionen um den Standort stellte die Kulturbehörde die Ätherwelle 1994 schließlich am Alsterufer im Eichenpark auf.

Schwingung und Amplitude in eine Skulptur gefasst

Eine mögliche Deutung des Denkmals Ätherwelle lautet, dass die beiden Körper der Amplitudenmodulation nachempfunden sein könnten. Früher war die Amplitudenmodulation das wichtigste Verfahren zur Aufbereitung von Signalen. Wenn in den Anfangsjahren des Rundfunks etwas auf einem Hochfrequenzsignal übertragen werden sollte, konnte das nur geschehen, indem einer hochfrequenten Trägerwelle niederfrequente Tonwellen hinzugefügt wurden. Dabei spricht man vom Modulieren. Ein Ton ist also ein Gemisch aus verschiedenen Frequenzen. Dieses Auf und Ab der Tonwellen findet der Betrachter in den auf und nieder fließenden Bewegungen der Skulptur Ätherwelle wieder.

Wield selbst definierte sein Denkmal übrigens einst wie folgt: „Die kauernde Frauengestalt stellt die Erde dar, über sich der Genius der Ätherwelle, die schwebende männliche Figur mit den weit ausgebreiteten Armen.“ 

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Denkmal mit bewegender Geschichte
Einer der berühmtesten Physiker des 19. Jahrhunderts, Heinrich Hertz, war ein Sohn der Stadt Hamburg. An ihn erinnert die Skulptur „Ätherwelle“ des Bildhauers Friedrich Wield, die seit Ende September 2016 auf dem NDR-Gelände steht.
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20161024 12:03:49