Stolpersteine Ein wachsendes Mahnmal auf Hamburgs Straßen

An die Schicksale jüdischer Menschen während der NS-Zeit erinnern vielerorts die Stolpersteine. Obwohl nur zehn mal zehn Zentimeter groß, sind sie doch Teil eines riesigen, europaweiten Erinnerungsprojektes.

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Informationen zu den Stolpersteinen

Infoladen der Landeszentrale für politische Bildung Öffnungszeiten
montags bis donnerstags von 12:30 bis 17 Uhr, freitags von 12:30 bis 16:30 Uhr
Öffentliche Verkehrsmittel
U1 Haltestelle Stephansplatz
Buslinien M4, M5, 34, 36, 109, 112 Haltestelle Stephansplatz
Parkplätze
Parkhaus Gänsemarkt, Dammtorwall 5–7

Erinnerung an die Opfer des Zweiten Weltkrieges weltweit

Der Künstler Günter Demnig hat es sich zur Aufgabe gemacht, an die Schicksale der Opfer der NS-Zeit zu erinnern. Jüdinnen und Juden, Homosexuellen, politisch Verfolgten, "Euthanasie"-Ermordeten und in den Suizid getriebenen Menschen setzt er ein Denkmal, indem er Stolpersteine vor deren ehemaligen Wohn- oder Wirkungsstätten verlegt.

Die Stolpersteine sind kubische Betonsteine. Sie haben eine Kantenlänge von zehn Zentimetern. Ihre Oberseite ist mit einer Messingplatte versehen. Sie wird individuell graviert und trägt den Namen und die Lebensdaten eines Opfers. Niveaugleich mit dem Kopfsteinpflaster werden die Stolpersteine in Gehwege oder auf Plätzen eingelassen.

Weltweit erinnern inzwischen über 56.000 Stolpersteine an das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte – und monatlich kommen um die 440 weitere dazu. Hier finden Sie eine Übersicht der in Hamburg verlegten Stolpersteine: Stolpersteine in Hamburg.

Verlegung des 5.000. Hamburger Stolpersteins im März 2016

Seit 2002 machen auch in Hamburg Stolpersteine auf ermordete Menschen aus der Hansestadt aufmerksam. Bei den Hamburger Bürgern stößt das Projekt auf eine bemerkenswerte Akzeptanz, es wird durch zahlreiche Patenschaften finanziert und von Vertretern der Politik ausdrücklich unterstützt. Am 29. März 2016 wurde in der Hamburger Neustadt bereits der 5.000. Stolperstein verlegt. Dieser soll an das Baby Bela Feldheim erinnern, das im Alter von nur 18 Monaten zusammen mit seiner Mutter in Ausschwitz starb.

20 Stolpersteine finden sich in Hamburg zum Beispiel neben dem Eingangsportal des Rathauses. Sie erinnern an Mitglieder der Hamburgischen Bürgerschaft, die der nationalsozialistische Terror in der Zeit von 1931 bis 1945 das Leben kostete. Sie wurden ermordet, hingerichtet oder starben in Konzentrationslagern.

Vor dem ehemaligen Schulgebäude am Grindelhof 30 wurden 18 Stolpersteine in Erinnerung an ermordete Lehrer und Angestellte der früheren Talmud Tora Realschule verlegt. Ein weiterer Stolperstein dort erinnert an mehr als 300 ermordete Schüler und Schülerinnen aus allen jüdischen Schulen in Hamburg.

Es kann auch zu Doppelverlegungen kommen, denn für viele Menschen wurde sowohl an ihrem früheren Arbeitsplatz als auch vor ihrem ehemaligen Wohnsitz ein Stolperstein verlegt. Das ist beispielsweise der Fall bei den Stolpersteinen für die Opfer aus der Hamburger Richterschaft, die vor dem Ziviljustizgebäude am Sievekingplatz und deren früheren Wohnungen platziert wurden.

Biografien in einer stadtteilbezogenen Buchreihe

Von der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und dem Institut für die Geschichte der deutschen Juden wird eine Publikationsreihe herausgegeben mit dem Titel „Stolpersteine in Hamburg. Biographische Spurensuche“.

Bisher sind 15 Bände zu verschiedenen Stadtteilen erschienen, fünf weitere sollen folgen. Forscher aus Geschichtswerkstätten und Stadtteilarchiven, aber auch interessierte und engagierte Privatpersonen, haben dafür die Lebensdaten von mehr als 1.000 Opfern, für die in Hamburg Stolpersteine gesetzt wurden, recherchiert. Außerdem wurden Berichte von Überlebenden und den Nachkommen der Opfer eingearbeitet.

Die Publikationen, für die auch der Landesbetrieb für Geoinformation und Vermessung wertvolle Hinweise liefert, sind im Infoladen der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg (Dammtorwall 1, 20354 Hamburg) erhältlich und kosten pro Band 3 Euro.

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Ein wachsendes Mahnmal auf Hamburgs Straßen
An die Schicksale jüdischer Menschen während der NS-Zeit erinnern vielerorts die Stolpersteine. Obwohl nur zehn mal zehn Zentimeter groß, sind sie doch Teil eines riesigen, europaweiten Erinnerungsprojektes.
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