MS Bleichen Historischer Stückgutfrachter

Das einzigartige, original erhaltene Zeugnis der maritimen Geschichte wurde vor der Abwrackwerft gerettet und liegt regulär am Schuppen 50, beim Hafenmuseum Hamburg. Bis Ende Februar 2016 lag sie fünf Monate zu umfangreichen Restaurierungsarbeiten in der Hamburger Norderwerft.

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MS Bleichen im Hafen Hamburg

Adresse
Finkenwerder Kutterhafen (Köhlfleet-Hauptdeich), 21129 Hamburg
Telefon
040 78081705
E-Mail
info@stiftung-hamburg-maritim.de
Ausflugsfahrten
Viereinhalbstündige Fahrten ab Finkenwerder, seewärts vorbei an Övelgönne bis Wedel, von dort nach einem Wendemanöver zurück (Getränkeverkauf an Bord)
Termine
Auf Anfrage
Preise
Erwachsene 34 Euro | Kinder 17 Euro

Ein fahrbereites Museumsschiff

Die MS Bleichen repräsentiert eine gesamte Generation von Frachtschiffen, die vor der Zeit der Containerriesen das Bild der Hamburger Hafens prägten. Daher hat sich die Stiftung Hamburg Maritim zum Ziel gesetzt, den historischen Stückgutfrachter als fahrbereites Museumsschiff zu erhalten.

Für die Instandhaltung und den Betrieb als Museumsschiff gründete sich der Verein "Freunde des Stückgutfrachters MS Bleichen e.V.". Viele seiner Mitglieder sind ehemalige Seeleute und alte Bleichen-Fahrer. Vom Verein "Jugend in Arbeit Hamburg e.V." werden ebenfalls viele der arbeitsintensiven Restaurierungsaufgaben durchgeführt, häufig unterstützt durch die ursprünglichen Herstellerfirmen. In ein paar Jahren soll der Frachter als Botschafter der Stadt Hamburg wieder Reisen in sein ehemaliges Fahrtgebiet Nord- und Ostsee machen.

Im Ruderhaus auf der Brücke sind das alte Steuerrad mit der Selbststeueranlage und den Maschinentelegrafen ebenso wie die modernen Anlagen untergebracht, die nach heutigen Sicherheitsbestimmungen erforderlich sind. Im darunterliegenden Salon, im Wohnbereich der Besatzung und im Maschinenraum ist noch viel Originalsubstanz aus der Bauzeit der Bleichen erhalten.

Umfangreiche Restaurierung

Damit vom Ursprungszustand der MS Bleichen möglichst viel erhalten bleibt, ist von Zeit zu Zeit eine Menge Arbeit nötig, um den Frachter in Schuss zu halten. Bis Ende Februar 2016 lag das Museumsschiff deswegen auf der Hamburger Norderwerft und durchlief eine fünfmonatige Grundsanierung. Dabei wurden wesentliche Arbeiten zur Wiedererlangung der "Klasse", also der Zulassung des Schiffes, durchgeführt.

Korrodierte Stahlplatten und Träger wurden ausgetauscht und über 20 Meter wasserdichte Nähte wieder hergestellt. Dies geschah in aufwändiger Handarbeit und in Anwendung eines heute nicht mehr praktizierten Niet-Verfahrens, um die charakteristischen Nähte der MS Bleichen beizubehalten. Zusätzlich wurden auf der Werft das Lenz- und Ballastsystem erneuert, die gesamte Verkabelung des Schiffes wurde erneuert und ein Feueralarmsystem eingebaut. 

Während die MS Bleichen in der Werft war, wurde auch die vorher ausgebaute Inneneinrichtung wie Holzverkleidungen, Türen, Tische, Betten oder Stühle komplett restauriert. Das alles wird in den kommenden Wochen am angestammten Liegeplatz am Schuppen 50 wieder in das Schiff eingebaut. Die Arbeiten kommen gut voran und das Augenmerk liegt derzeit auf der Ingenieurs- und Offiziersmesse und den Kammern des 1. Ingenieurs und des 1. Offiziers. Die Mannschaftsräume werden in den Zustand verschiedener Phasen des Schiffes zurückversetzt, um die Geschichte der Bleichen erlebbar zu gestalten.

Bereits abgeschlossen sind die Aufklärung der Laderäume, so dass wieder Veranstaltungen in der Luke II stattfinden können, der Einbau der Fundamente für die Bootsaussetzvorrichtungen sowie einer neuen Reling auf dem Bootsdeck. Rund 4.000 Arbeitsstunden stecken bereits in der Restaurierung der MS Bleichen und etliche werden in den kommenden Wochen noch folgen, um wie geplant im September die erste öffentliche Fahrt anbieten zu können. 

50 Jahre wechselvolle Geschichte des Frachters MS Bleichen

Die 1958 auf der Nobiskrug-Werft in Rendsburg gebaute Bleichen wurde speziell nach den Forderungen der Reederei H. M. Gehrckens entworfen, die für ihr Fahrtgebiet Nord- und Ostsee ein Schiff mit schwerer Konstruktion und in solider Bauweise benötigte.

Von Hamburg aus transportierte die 93 Meter lange und zwölf Meter breite MS Bleichen Stückgut nach Schweden und Finnland, auf dem Rückweg vor allem Papierrollen und Holz. Ihre Tragfähigkeit betrug 2.219 Tonnen, ihre Geschwindigkeit zwölf Knoten, die Maschinenleistung 1.800 PS.

Um seine Route auch im Winter ohne Eisbrecherhilfe befahren zu können, musste der Frachter extrastark konstruiert sein, sodass er die höchste finnische Eisklasse erhielt. Machte die Eislage die Reisen dennoch unmöglich, wurden Waren von und nach Westafrika transportiert.

Nach seinem Verkauf 1970 wurde der Frachter vom neuen italienischen Eigner in Canal Grande umbenannt. In 1979 kam das Schiff zu einem türkischen Reeder. Er setzte es unter dem Namen Arcipel im Mittelmeer und im Schwarzen Meer ein und transportierte vor allem Schrott. In 1993 kam es zur Umbenennung in Old Lady. Der Heimathafen war damals Moroni, die Hauptstadt der Komoren.

Trotz seines Alters war der Frachter in weiten Teilen unverändert und in relativ gutem Zustand geblieben. Dennoch stand das inzwischen einmalige Schiff 2006 kurz vor der Verschrottung, denn seine Technik war veraltet. Die Stiftung Hamburg Maritim erkannte darin aber ein geeignetes Museumsschiff und kaufte die Old Lady.

Eine alte Dame kehrt zurück

Unter diesem Namen kehrte der Frachter im Januar 2007 nach Hamburg zurück. Am 27. April 2007 erhielt der historische Stückgutfrachter in einer feierlichen Taufzeremonie wieder seinen Ursprungsnamen. Dazu versammelten sich Zeitzeugen aus dem gesamten Schiffsleben der Bleichen. Knapp ein Dutzend Seeleute stellten sich vor, die zwischen 1958 und 1970 auf dem Frachter Dienst getan hatten.

Der ursprüngliche Taufspruch von 1958 war noch vorhanden und wurde erneut verlesen: "Wo die Werft dich gut gebaut – Wo der Reeder dir vertraut – Und sich viele Hände regen – Wünsche ich dir zum Geleit – M.S. Bleichen Glück und Segen – und Bewährung alle Zeit!"

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Historischer Stückgutfrachter
Das einzigartige, original erhaltene Zeugnis der maritimen Geschichte wurde vor der Abwrackwerft gerettet und liegt regulär am Schuppen 50, beim Hafenmuseum Hamburg. Bis Ende Februar 2016 lag sie fünf Monate zu umfangreichen Restaurierungsarbeiten in der Hamburger Norderwerft.
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