Die Geschichte der Reeperbahn Die Reepschläger und ihre Bahnen

Als Vergnügungsviertel beherbergt St. Pauli eine Vielzahl an Musik-Clubs, Kneipen und Diskotheken unterschiedlichster Stilrichtungen und Qualität, die jedes Wochenende Ziel von Hamburgern und Touristen sind. Doch der geschichtliche Hintergrund der Reeperbahn ist ein ganz anderer. 

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Die historische Hamburger Reeperbahn

Der Vorort Hamburger Berg

Die Geschichte des Vororts Hamburger Berg, so wie der spätere Stadtteil St. Pauli bis 1833 offiziell hieß, begann mit der ersten nachweisbaren Besiedlung durch ein Zisterzienserinnen-Kloster in Nähe des heutigen Fischmarkts um 1247. Gegründet wurde es von Gräfin Heilwig von der Lippe, der Ehefrau des Grafen Adolph IV. von Schauenburg und Holstein. Der Name des Gebiets entstand, weil sich hier der Geesthang wie ein bei Hamburg gelegener Berg erhob. Es bestand aufgrund militärischer und versorgungstechnischer Gründe nur rund fünfzig Jahre. Die Nonnen sind anschließend in ein anderes Kloster umgezogen. In 1429 schenkte Graf Schauenburg der Gattin des hamburgischen Bürgermeisters das Gebiet als Trockenwiese für ihre Wäsche – zum Dank für ihre Gastfreundschaft. Der Hamburger Berg stellte fortan den Übergang zwischen Hamburg und Altona, der Fischersiedlung, die um 1535 in der Grafschaft der Schauenburger entstand, sicher. Am jeweiligen Eingang standen die späteren Stadttore Millerntor (ab 1621), das zuerst Altonaer Thor hieß, und Nobistor.

Der Bau der Wallanlagen und der Dreißigjährige Krieg

Ab 1616 wurden zahlreiche Hügel der Vororte planiert, um Material für die Errichtung der Festungswälle zu gewinnen und zugleich freies Schussfeld (Glacis) vor den Mauern zu bekommen. Denn von 1618 bis 1648 herrschte in Deutschland Krieg. Der Bau der massiven Wallanlagen um die hamburgische Alt- und Neustadt dauerte bis 1625 und schützte die Stadt vor maßgeblichen Schäden in diesem Krieg. Fortan befanden sich Gebiete wie Eimsbüttel, Rotherbaum, St. Georg und eben auch der Hamburger Berg außerhalb der Stadt. Diejenigen, die es sich nicht leisten konnten in der Stadt zu wohnen oder dort unerwünscht waren, ließen sich in den nicht geschützten Vororten nieder – auch wenn die Ansiedlung wegen des freien Schussfeldes offiziell verboten war. Dazu gehörten Gastwirte, Prostituierte, Amüsierbetriebe und unerwünschte Institutionen, wie der Pesthof. Dieser Hof wurde in 1605 gegründet und war ein Krankenhaus für Seuchen und psychische Störungen. In den folgenden Jahrhunderten wurde die Besiedlung innerhalb des Stadtwalls immer dichter. Immer mehr Handwerker und Betriebe, die ihrer Arbeit wegen Platzmangel, Geruchsentwicklung, Wasserverschmutzung oder Lärmbelästigung in der Stadt nicht mehr nachgehen konnten oder durften, zogen auf den Hamburger Berg. 

Die Reepschläger und Seilermacher

Neben den schon genannten Personen- und Berufsgruppen lagerten auch die Reepschläger und Seilermacher ihr Handwerk ab zirka 1630 in den Vorort Hamburger Berg aus. Die alten Bahnen am Eichholz, unweit der heutigen Landungsbrücken, waren schlicht und einfach zu klein geworden. Denn eine wichtige Grundvoraussetzung für ihre Arbeit waren langen Bahnen, auf denen die bis zu 300 Meter langen Reepe oder Seile manuell hergestellt wurden. Diese Tätigkeit gab der um 1820/30 angelegten Reeperbahn ihren späteren Namen – anfänglich war sie unter dem Namen Altonaer Allee bekannt. Die hergestellten Taue, die hauptsächlich zur Verwendung auf Schiffen verwendet wurden, wurden im gesamten Viertel hergestellt – davon zeugt zum Beispiel die parallel zur Reeperbahn laufende Seilerstraße.

Die Amüsiermeile auf der Reeperbahn

Etwa im 17. Jahrhundert begann auch die Tradition der Amüsierbetriebe im Viertel. Ein Spielbudenplatz und ein Jahrmarkt wurden auf dem Gebiet ansässig. Im 18. Jahrhundert gewann der Vorort Hamburger Berg als Ausflugsziel für die Stadtbewohner zudem immer mehr an Bedeutung. Besonders beliebt waren Spaziergänge auf und vor den Wallanlagen. Im Jahr 1805 wurde das Lokal Trichter in unmittelbarer Nähe zum Millerntor erbaut. Den Namen verdankte es seinem auffälligen Dach: Einem spitz zulaufenden Oktogon. Ursprünglich handelte es sich um einen Holzpavillon, in dem Gäste kleine Erfrischungen zu sich nehmen konnten.

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Die Reepschläger und ihre Bahnen
Als Vergnügungsviertel beherbergt St. Pauli eine Vielzahl an Musik-Clubs, Kneipen und Diskotheken unterschiedlichster Stilrichtungen und Qualität, die jedes Wochenende Ziel von Hamburgern und Touristen sind. Doch der geschichtliche Hintergrund der Reeperbahn ist ein ganz anderer. 
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