Museumsschiff Peking „De Hamborger Veermaster“ kehrt zurück

Der Hamburger Hafen wird zukünftig um eine Schönheit reicher. Neben der Rickmer Rickmers, der Cap San Diego und der MS Bleichen soll das Segelschiff Peking als viertes großes Museumsschiff im Hafen festmachen. Die Peking kehrt damit nach über 70 Jahren in ihren Heimathafen zurück und soll zum Wahrzeichen des neuen Hafenmuseums werden.

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Die Peking kehrt nach Hamburg zurück

Peking kompakt

  • Mitte Juli 2017 wurde die Peking von New York nach Brunsbüttel transportiert
  • Anfang August 2017 wurde die Peking in die Peters Werft nach Wewelsfleth geschleppt
  • Die Restaurierung wird vermutlich zwei Jahre in Anspruch nehmen
  • Das Unterwasserschiff ist in besserem Zustand als gedacht, Material am Originalrumpf noch 11 bis 14 Millimeter dick
  • Überraschender Fund im Beton-Ballast: Dort sind gusseiserne Teile aus dem Schiff gefunden worden, die Hinweise auf den Originalzustand geben
  • Voraussichtlicher Zeitplan: Peking soll im Laufe 2018 aus dem Dock an den Ausrüstungskai der Peters Werft gebracht werden; 2019: Fertigstellung der Außenarbeiten; 2020: Die Peking soll nach Hamburg gebracht werden.

Von New York nach Hamburg

Es ist soweit: Das legendäre Segelschiff Peking der Reederei F. Laeisz ist in der Peters Werft angekommen. Am 2. August 2017 wurde der Viermaster von zwei Schleppern und in Begleitung mehrerer Hamburger Traditionsschiffe von Brunsbüttel nach Wewelsfleth geschleppt. Der Vorgang verlief problemlos, auch die Passage durch das Störsperrwerk meisterte das Verhol-Team mit Bravour. An der Werft wurde die Peking mit einem Feuerwerk empfangen.

Zuvor lag die Peking im Bauch der Combi Dock III zwei Tage im Elbeport Brunsbüttel. Das Dockschiff hatte den Viermaster zuvor sicher über den Atlantik transportiert. Am 14. Juli 2017 wurde die Peking von der Combi Dock III aufgenommen und erreichte knapp zwei Wochen später Brunsbüttel.

Doch was macht die Peking eigentlich so besonders? Zunächst einmal die Verbundenheit zu Hamburg, denn die Peking wurde in der Hamburger Werft Blohm+Voss gebaut und gehört zu den sogenannten Flying P-Linern der Hamburger Reederei  F. Laeisz (mehr dazu weiter unten). Doch die Peking ist auch darüberhinaus eine Besonderheit, denn sie ist die letzte ihrer Art und gehört zu den Schiffen, die noch komplett ohne technische Hilfen betrieben wurden. Auch an Bord des Schiffes musste alles mit reiner Muskelkraft bewegt werden, wie zum Beispiel der tonnenschwere Anker.


Peking wird nicht in Hamburg restauriert 

Bevor die Peking endgültig in Hamburg vor Anker gehen kann, werden voraussichtlich noch zwei bis drei Jahre vergehen. Zunächst wird der Viermaster in der Peters Werft restauriert. Die schleswig-holsteinische Werft in der Nähe von Glückstadt hatte sich im Wettbewerb um die Instandsetzung des Schiffes unter anderem gegen das Hamburger Traditionsunternehmen Blohm+Voss durchgesetzt, wo die Peking zu Beginn des 20. Jahrhundert vom Stapel gelaufen war.

Die Peters Werft hat nun einen schwierigen Patienten zu versorgen, die To-Do-Liste für die Restaurierung besteht mittlerweile aus rund 300 Seiten. Bei den ersten Untersuchungen des Rumpfes durch Probebohrungen und mit Hilfe von Ultraschall fiel jedoch auf, dass das Schiff nicht in einem so schlechten Zustand wie gedacht ist. Vor den Untersuchungen gab es die Befürchtung, dass das komplette Unterwasserschiff abgetrennt und durch einen Neubau ersetzt werden muss. Jetzt zeigte sich, dass das Material am Stahlrumpf noch 11 bis 14 Millimeter dick ist. Eine Erhaltung des Originalrumpfes würde zum musealen Charakter des Schiffes beitragen.

Zudem wurde eine sensationelle Entdeckung gemacht. Im Beton-Ballast, den das Schiff wohl seit den 1960er-Jahren mit sich rumträgt, wurden auch Metallteile gefunden. Diese sollten für zusätzliches Gewicht im Beton sorgen. Dafür wurden nicht irgendwelche Teile genommen, sondern gusseiserne Teile aus dem Schiff, wie zum Beispiel verzierte Tischbeine des ehemaligen Kapitänstisches. Der Fund ist so bedeutsam, da er Hinweise auf den Originalzustand des Schiffes gibt, der im Laufe der Restaurierung wieder hergestellt werden soll. Bis es soweit ist, ist aber noch Geduld gefragt. 2018 soll die Peking zunächst soweit fit gemacht werden, dass sie aus dem Dock an den Ausrüstungskai der Peters Werft wechseln kann. Bis 2019 soll das Schiff dann zumindest von außen fertig sein, Im Laufe des Jahres 2020 ist geplant, die Peking nach Hamburg zu bringen – so der vorläufige Zeitplan.

Back to 1927

Im Trockendock wird die Peking zunächst noch einmal genau begutachtet und vor allem gesäubert. Anschließend wird der Viermaster nach und nach in den Zustand von 1927 versetzt. Der Boden des Schiffes wird erneuert, es werden Vorrichtungen für Ballastwassertanks installiert, die Peking bekommt ein neues Holzdeck und schließlich auch eine neue Inneneinrichtung. Ein wichtiger Punkt ist das Wiederherstellen der ursprünglichen Laderäume, in denen früher Salpeter transportiert wurde. Um das Schiff jedoch in den Originalzustand zu versetzen, ist zunächst viel Vorbereitung nötig, denn es gibt wenig Kenntnisse darüber, wie das Schiff einst von Innen ausgesehen hat. Das soll durch ein Fachsymposium geändert werden. 

Mit der Überführung der Peking über den Atlantik war die Bremer Reederei „Combi Lift" beauftragt worden. Die Besatzung des Dockschiffs Combi Dock III war in New York zunächst vier Tage damit beschäftigt, den historischen Großsegler entsprechend sicher zu verladen. Von dort wurde die Peking zunächst zum Hafenbetreiber Brunsbüttel Elbe Port gebracht, bevor sie ihren vorläufigen Liegeplatz elbaufwärts in der Peters Werft erreichen wird. 

Ein Besuch auf der Peking in New Jersey

Die vergangenen Wochen hatte die Peking in der Caddell-Werft in New Jersey verbracht. Dort hatte zunächst Börries von Notz, Vorstand der Stiftung Historische Museen Hamburg, im Mai 2017 einen Blick auf den rund 108 Jahre alten Großsegler geworfen. Bevor die Peking nach Deutschland überführt wird, hat Börries von Notz an Bord schon einmal die Flagge des Deutschen Hafenmuseums gehisst und den Großsegler damit als zukünftiges Museumsschiff des Hamburger Hafens begrüßt.

Die Pläne für die Restauration der Peking werden sich auf die authentische Rekonstruktion der Kammern, des Kartenhauses und des Ruderstands konzentrieren und sollen allen Besuchern einen barrierefreien Zugang ermöglichen. Für die Aufarbeitung der Geschichte der Viermastbark ist eine Ausstellung auf dem Brückendeck geplant. 

Über den Winter nach Staten Island

Anfang September 2016 verließ die Peking ihren Platz im New Yorker South Street Seaport Museum und wurde von drei Schleppern in eine rund zehn Kilometer entfernte Werft auf Staten Island gebracht. Das Manöver dauerte knapp drei Stunden und klappte auch bei auffrischendem Wind ohne Probleme, so dass die Vorbereitungen für die Atlantik-Überfahrt – unter anderem musste das Rigg abgenommen werden – planmäßig durchgeführt werden konnten.

Das Hafenmuseum am Hudson River, wo das Schiff bisher lag, hatte 2012 bekanntgegeben, keinen Platz mehr für die mittlerweile marode Viermastbark zu haben. Daraufhin sollte die Peking verschrottet werden. Dies konnte aufgrund großzügiger finanzieller Mittel des Haushaltsausschusses des Bundestags gerade noch verhindert werden.

Wahrzeichen des neuen Deutschen Hafenmuseums

Nach der Überfahrt über den Großen Teich nach Brunsbüttel hat die Stiftung Hamburg Maritim die Aufsicht über die Restaurierung des Segelschiffs übernommen. Für die neue museale Institution stellte der Haushaltsausschuss des Bundestages im November 2015 120 Millionen Euro zur Verfügung, von denen knapp 26 Millionen Euro für die Rückholung und die Restaurierung der Peking einkalkuliert wurden. Der Viermaster soll schließlich zum Wahrzeichen des Deutschen Hafenmuseums und des Hansahafens werden, an dem sich im Schuppen 50A das derzeitige Hafenmuseum befindet. Neben der Rickmer Rickmers, der Cap San Diego und der MS Bleichen geht die Peking dann als viertes Museumsschiff im Hamburger Hafen vor Anker.

Legendärer Flying P-Liner

Die Peking und die Stadt Hamburg sind eng miteinander verbunden. Der Viermaster wurde bis Anfang 1911 in der Hamburger Werft Blohm & Voss gebaut und war Teil der legendären Flying P-Liner der Reederei F. Laeisz. Die schnellen und robusten Windjammer waren Anfang des 20. Jahrhunderts die technisch modernsten Segelschiffe auf den Weltmeeren.

Die Peking wurde als Frachtschiff für den Salpeterhandel mit Chile eingesetzt und schaffte es in nur knapp über 70 Tagen von Hamburg ins chilenische Valparaiso. Die schnellen Windjammer waren der Konkurrenz durch ihre robuste Bauweise voraus – beispielsweise waren die Sprossen am Großmast aus Holz und nicht aus Webeleinen – und konnten so auch bei schwerer See unterwegs sein. Regelmäßig umrundeten die P-Liner problemlos die bei Seefahrern gefürchtete Passage um Kap Hoorn. 

Vom Frachtschiff zum Schulschiff

Nach drei Chile-Reise in den Jahren 1912 und 1913 wurde die Peking im Ersten Weltkrieg in Valparaiso interniert und 1921 als Kompensation für Kriegsschäden an Italien übergeben. 1923 nutzte die Reederei F. Laeisz eine günstige Gelegenheit und kaufte die Peking zurück. Fortan ging es wieder auf die Reisen nach Chile. Getroffen von den Folgen der Weltwirtschaftskrise verkaufte F. Laeisz den Viermaster 1932 jedoch an die Shaftesbury Homes and Arethuse Training Ship, wo die Peking zum Schulschiff umgebaut und in Arethusa umbenannt wurde.

Im Jahr 1940 wurde die Peking von der britischen Royal Navi als Unterkunft eingezogen und wurde in HMS Peking umgetauft. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Bark zurück an ihren Vorbesitzer und erhielt auch den Namen Arethusa zurück. Im Jahr 1974 ersteigerte die J. Aron Charitable Foundation das Schiff für 70.000 Pfund und schleppte den Windjammer nach New York. Dort wurde die Peking originalgetreu wiederaufgeriggt und schmückte als eines von sechs Schiffen das South Street Seaport Museum.

Technische Daten der Peking

  • Jungfernfahrt: 16. Mai 1911 (nach Chile)
  • Schiffstyp: Viermast-Stahlbark
  • Vermessung: 3.100 BRT 
  • Länge: 115 Meter
  • Breite: 14,40 Meter
  • Tiefgang: max. 7,24 Meter
  • Masthöhe: 51 Meter (über Deck)
  • Höchstgeschwindigkeit: 17 Knoten
  • Besatzung: 31 (Frachtschiff) | 74 (Segelschulschiff)

„De Hamborger Veermaster“ kehrt zurück
Der Hamburger Hafen wird zukünftig um eine Schönheit reicher. Neben der Rickmer Rickmers, der Cap San Diego und der MS Bleichen soll das Segelschiff Peking als viertes großes Museumsschiff im Hafen festmachen. Die Peking kehrt damit nach über 70 Jahren in ihren Heimathafen zurück und soll zum Wahrzeichen des neuen Hafenmuseums werden.
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