Herren- und Torhaus Wellingsbüttel Eindrucksvolle Baukunst im Norden Hamburgs

Im Norden Hamburgs liegt in dem unter Naturschutz stehenden Alstertal ein sehenswertes, denkmalgeschütztes Ensemble: das Torhaus und das Herrenhaus Wellingsbüttel.

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Herren- und Torhaus Wellingsbüttel Wellingsbüttel in Hamburg

Adresse
Wellingsbüttler Weg 75, 22391 Hamburg
Öffnungszeiten
Park: ganzjährig begehbar
Café im Herrenhaus: Mittwoch bis Sonntag 10 bis 18 Uhr
Alstertal-Museum im Torhaus: Sonnabend und Sonntag 11 bis 13 Uhr und 15 bis 17 Uhr (sowie nach Vereinbarung; Telefonnummer: 040 5366679)
Öffentliche Verkehrsmittel
S1 und S11 Haltestelle Wellingsbüttel
Buslinie 179 Haltestelle Emekesweg
Buslinien 27, 168, 368 Haltestelle S-Bahn Wellingsbüttel (HVV-Fahrplanauskunft)
Parkplätze
links und rechts des Zuwegs zum Gut und direkt vor dem Herrenhaus

Ehemaliges Rittergut von 1296

Eindrucksvoll liegen die Gebäude auf historisch bedeutsamen Boden, dort, wo sich einst das Gut Wellingsbüttel befand. Umschlossen werden sie von einer hübschen kleinen Parkanlage mit Voliere. Der idyllische Alsterwanderweg grenzt direkt an.

1296 wurde das reichsfreie Rittergut Wellingsbüttel erstmals urkundlich erwähnt. Das Gebäude des heutigen Herrenhauses ließ Theobald Joseph von Kurtzrock, Minister des Niedersächsischen Kreises und Oberpostmeister zu Hamburg, um 1750 errichten.

Welcher Baumeister das Herrenhaus errichtet hat, ist nicht überliefert. Der neunachsige Barockbau beeindruckt durch seinen Mittelrisalit, den mittig hervorspringenden Gebäudeteil. Dahinter befindet sich der zentrale Saal des Herrenhauses. Einen Umbau nahm 1888 der Architekt Martin Haller vor – er stockte das gesamte Gebäude um ein Geschoss auf.

1757 wurde das Torhaus als Fachwerkbau errichtet. Den Entwurf dazu lieferte Georg Greggenhofer. Das Torhaus wird dem Stil des Backsteinbarocks zugerechnet, trägt auf dem Dachfirst einen Dachreiter, außerdem eine Uhr.

Genießen wie ein Gutsherr

Das Café im Herrenhaus lockt mit stilvollen, stuckverzierten Räumen, einer Sonnenterrasse, Kaffeespezialitäten und saisonal wechselnder Karte, beispielsweise zum "Herrenhaus-Frühstück". Das exklusive, festliche Ambiente wird gern als Rahmen für Hochzeiten oder Taufen genutzt. Es stehen das eindrucksvolle Jagdzimmer oder der Gartensaal mit Blick auf den Park zur Verfügung.

Das dem Herrenhaus vorgelagerte Torhaus beherbergt das Alstertal-Museum. Die historische Alsterschifffahrt und die Geschichte des Alstertals werden dort beleuchtet. Das Gebäude war ursprünglich der Pferdestall des Gutes. Zudem füllt der Kulturkreis Torhaus des Bürgervereins Wellingsbüttel mit Leben. Der Verein kümmert sich um das Gebäude, nimmt anfallende Reparaturen in vor und arbeitet dabei eng mit dem Denkmalschutzamt zusammen. 

Zudem bietet der Kulturkreis pro Jahr rund 50 bis 60 Veranstaltungen an, die den ehemaligen Pferdestall mit Kultur erfüllen. So lassen sich in diesem einmaligen Umfeld Konzerte, Lesungen, Ausstellungen und Vorträge, außerdem einen Oster- und einen Weihnachtsmarkt erleben.

Adelige Lehnsherren prägten Gut Wellingsbüttel

Nachdem unter Theobald Joseph von Kurtzrock ab Mitte des 18. Jahrhunderts die heute noch erhaltenen Gebäude errichtet worden waren, wurde Wellingsbüttel 1810 unter Herzog Friedrich Carl Ludwig von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Beck, dem ehemaligen Königlich-Preußischen Generalleutnant, damals dänischem General, zum Kanzleigut erhoben. Für ein der Königlich-Dänischen Kanzlei in Kopenhagen direkt unterstelltes Kanzleigut galt, dass es der örtlichen Gerichtsbarkeit entzogen war und Hoheitsrechte gegenüber anderen Ortsbesitzungen innehatte.

1846 gelangte das Kanzleigut über eine Versteigerung in den Besitz der Familie Jauch. Sie waren Großbürger zu Hamburg, Betreiber der führenden Holzgroßhandlung und führten das Gut in seine Blütezeit. Auf der einen Seite standen die wohlhabenden Gutsherren, auf der anderen die armen Bewohner des Dorfes Wellingsbüttel. Die Finanzlage der Kleinbauern war derart schlecht, dass sie ihr Land an die Familie Jauch verkauften. In nur 30 Jahren vergrößerte die Familie so die Fläche ihrer Ländereien auf mehr als das Doppelte.

Doch Landwirtschaft zu betreiben, war nicht die Absicht der Gutsherren. Sie pachteten den landschaftlich reizvollen Duvenstedter Brook dazu und wandelten Wellingsbüttel in einen hanseatischen Landsitz mit Hirschpark und ausgesetzten Fasanen um. Er wurde Schauplatz ausgedehnter Jagden und gesellschaftlicher Ereignisse.

Gut Wellingsbüttel wandelte sich zu einem Villenvorort Hamburgs

1888 veräußerten die Erben der Familie Jauch das Gut, das Herrenhaus wurde umgebaut. 1910 gingen die Ländereien in die Alsterthal-Terrain-Gesellschaft ein. Ihr Ziel war die Aufsiedlung des Alstertals. Doch das Unternehmen scheiterte, nach dem Ersten Weltkrieg ging es Bankrott.

Ende der 1940er-Jahre verschwanden die letzten landwirtschaftlichen Flächen. Wellingsbüttel verstädterte und entwickelte sich zu einem Villenvorort Hamburgs. Das Herrenhaus gelangte in städtischen Besitz. Es beherbergte zuerst eine Grundschule und von 1964 bis 1996 einen Teil des berühmten, 1962 gegründeten Hansa-Kollegs. Das war die einzige Ganztagsschule Hamburgs, an der Erwachsene auf dem zweiten Bildungsweg Abitur machen konnten. Ein Wohnheim war angegliedert.

Heute wird das Torhaus als Museum und das Herrenhaus als Seniorenresidenz genutzt. Das öffentliche Café mit Gartenterrasse und eine Beauty- und Wellnessfarm schließen sich an.

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Eindrucksvolle Baukunst im Norden Hamburgs
Im Norden Hamburgs liegt in dem unter Naturschutz stehenden Alstertal ein sehenswertes, denkmalgeschütztes Ensemble: das Torhaus und das Herrenhaus Wellingsbüttel.
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