Millerntor Stadion
von Fabian Pareigis
Es war über lange Jahre technisch veraltet, dauerhaft renovierungsbedürftig und erfüllte die Ansprüche moderner Fußballarenen bei weitem nicht. Trotzdem war und ist das Hamburger Millerntor weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt und bei den Hamburgern beliebt.
"Paadie" auf den Rängen
Grund dafür sind die alle zwei Wochen stattfindenden Fußballfeste, die der FC St. Pauli hier mit seinen Fans feiert. Nicht (nur) die sportlichen Leistungen sind es, die hier bis zu 20.000 zahlende Gäste zu Spielen der zweiten oder dritten Liga locken. Die Stimmung auf den zumeist proppevollen Rängen gilt als "legendär", "einmalig" oder auch "brasilianisch".
Standort mit Tradition
Seit Ende der achtziger Jahre eilt dem Millerntor dieser Ruf voraus und treibt gegnerischen Mannschaften den Angstschweiß auf die Stirn. Das Stadion ist natürlich wesentlich älter. Auf dem Heiligengeist wird schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts Fußball gespielt. Das erste Stadion des Vereins entstand an der Ecke Glacischaussee/Budapester Straße. Durch die Internationale Gartenbauausstellung 1961 war der Klub dann allerdings zum Umziehen gezwungen. Am heutigen Standort entstand das neue Millerntor Stadion, das 1963 eingeweiht wurde.
Namensstreit
Wechselvoll wie die gesamte Stadiongeschichte ist auch der Name. Bis Ende der sechziger Jahre hieß die Vereinsanlage "Millerntor Stadion". Dann wurde das Stadion nach dem ehemaligen Vereinspräsidenten Wilhelm Koch benannt, der kurz zuvor verstorben war. Knapp dreißig Jahre trug das Stadion nun Kochs Namen. Ende der neunziger Jahre wurde im Verein die NSDAP-Mitgliedschafts Kochs zum heftigen Streitgegenstand. Die Mitglieder entschieden sich schließlich für eine Rückumbenennung. Seit 1999 heißt das Stadion wieder schlicht Millerntor.
"Bruchbude" Millerntor
Nur mit Sondergenehmigungen konnte der FC St. Pauli seine letzten Bundesliga -Spielzeiten am Millerntor austragen. Fehlende Vip-Logen, mangelnde technische Infrastruktur und Spielerumkleiden mit dem Charme längst vergangener Tage, unterstreichen den grundlegenden Modernisierungsbedarf. Mehr als ein Jahrzehnt lang wurde der Stadionneubau geplant. Über die Jahre fehlte es allerdings stets an einer soliden Finanzierung des Multi-Millionen-Projektes.
Die Bagger rollen!
Im Sommer 2006 wurden schließlich die endgültigen Pläne für den Stadionneubau veröffentlicht. Schrittweise sollen bis 2013 die vier Tribünen des Stadions erneuert werden. Zunächst wurde die Südkurve seit Dezember 2006 neu gebaut. Hier sind neben den gewünschten Logen nun auch Umkleidekabinen und Geschäftsstelle untergebracht. Insgesamt 23.201 Fans können nach dem ersten Tribünenneubau die Darbietungen auf dem Rasen verfolgen. Nach der Fertigstellung aller geplanten Umbauten wird die Stadionkapazität bei knapp 30.000 Zuschauern liegen.
Der Fußball regiert
Neben den Heimspielen des FC St. Pauli finden am Millerntor nur wenige Veranstaltungen statt. Zeitweilig nutzten die Footballer der Blue Devils das Stadion. Mitte der neunziger Jahre standen sich hier Graciano Rocchigiani und Dariusz Michalczewski im Boxring gegenüber. Jedes Jahr im Sommer wird das Stadion zum Open-Air Kino und im Spätsommer zeigen beim "Tag der Legenden" Fußball-Stars vergangener Tage ihre Künste.
Daten und Fakten
Adresse:
Auf dem Heiligengeistfeld
20359 Hamburg
Baujahr:
1961 (Ausbau Tribüne Gegengerade 1988, Ausbau Südtribüne 2007)
Zuschauerkapazität (nach der ersten Umbauphase):
insgesamt 23.2001;
5.500 Sitzplätze (überdacht),
15.225 Stehplätze (unüberdacht)
Eintrittskarten
Kartencenter am Millerntor:
Tel: 040 / 31 78 74-50
Fax: 040 / 31 78 74-59
Öffnungszeiten:
Mo./Di./Mi./Fr.: 10:30 - 18:00 Uhr
Do.: 10:30 - 20:00 Uhr
Sa.: 10:30 - 16:00 Uhr
und bei Heimspielen drei Stunden vor Anpfiff
Umgebungskarte
Anfahrt:
U-Bahn U3 Haltestellen St. Pauli oder Feldstraße
Mit dem Auto: Auf dem Heiligengeistfeld stehen genügend Parkplätze zur Verfügung. Bei parallel stattfindendem Dom (Jahrmarkt) sollte auf eine Anreise per Auto verzichtet werden!
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