Hamburgisches Platt Die Hamburger Snut

Hamburger Hafenarbeiter nahmen Kaffeeteng und Brotbüddel mit zur Arbeit, erzählten in der Kneipe ihre Döntjes beim Lütt un Lütt. Plattdeutsche Begriffe wie diese füllen dicke Wörterbücher. Einst war es Amtssprache, heute snacken noch 100.000 Hamburger im Alltag platt.

1 / 1

Das Hamburgische Plattdeutsch

1. Hamborger Plattdüütsch Dag

Um die plattdeutsche Sprache zu erhalten, wurde am 23. April 2016 erstmalig der 1. Hamborger Plattdüütsch Dag veranstaltet. Unter der Schirmherrschaft von Hamburgs Zweiter Bürgermeisterin, Katharina Fegebank, fanden mehr als 30 Führungen, Lesungen, Andachten, Vorträge, Workshops und Kurse an unterschiedlichen Orten in Hamburg statt. Dazu zählten unter anderem spannende Stätten wie das Freilichtmuseum Kiekeberg, das Altonaer Museum, Bibliotheken, das Ohnsorg Theater, die St. Petri Kirche und die Flusschifferkirche. Das ganztägige Programm richtete sich dabei nicht nur an Erwachsene, sondern auch an Jugendliche und Kinder. Wie wäre es mit Pippi Langstrumpf in den Hamburger Öffentlichen Bücherhallen am Hühnerposten? Oder mit dem Mitmachprogramm "för groote und lütte Plattsnacker" in der Grundschule Ochsenwerder? Das Ohnsorg Theater zeigt zudem das Stück "Snick un Waal". 

Sobald es Informationen zum 2. Hamburger Plattdüütsch Dag gibt, berichten wir an dieser Stelle darüber. 

Das ausführliche Programm des 1. Hamborger Plattdüütsch Dag

Hamburgische Schnauze

Beides, Kaffeeteng und Brotbüddel, hingen an einem Riemen um die Schulter des Arbeiters. Der Kaffeeteng war ein Trinkbehälter aus Blech, der mit einem Korken verschlossen wurde – für den Kaffee zwischendurch. Der Brotbeutel enthielt die tägliche Verpflegung. Plattdeutsch war Amtsspache in Hamburg, und prägte über viele Jahrhunderte die Kultur der Stadt.

Hier und da begegnet man der hamburgischen Mundart noch heute, wenn man Straßennamen wie "Kattensteert" und "In de Bost" liest oder eine der zahlreichen niederdeutschen Theaterbühnen besucht. Die Bürger Finkenwerders – stolz auf ihr Finkenwerder Platt – tragen den niederdeutschen Ortsnamen auch an ihrem Ortsschild.

Eine lebendige Sprache

Niederdeutsch, umgangssprachlich "plattdeutsch", ist eine westgermanische Sprache und spaltet sich in viele Dialekte. In acht Bundesländern sprechen insgesamt 6 Millionen Menschen Plattdeutsch, rechnet man die mäßig guten Sprecher dazu, sind es 11 Millionen.

Jede Region spricht ihr eigenes Platt: In Hamburg unterscheidet sich das Finkenwerder Platt vom Harburger Platt oder dem Hafenplatt. Die Seeleute brachten mit ihren Schiffen auch englische und niederländische Begriffe mit. So entwickelte sich der Begriff Kaffeeteng vom englischen "tank" und die Hafenarbeiter formierten sich in sogenannten Gengs, engl. "Gang".

Warum "Platt"?

Erstmals tauchte der Begriff "Platt" in den Niederlanden des 16. Jahrhunderts auf. Die oberste Gesellschaftsschicht sprach Latein – für die Mehrheit der Bevölkerung unverständlich. Deshalb bezeichneten sie ihre eigene Sprache als "plat", zu deutsch "verständlich" und "vertraut". Hundert Jahre später kam der Begriff auch in Norddeutschland an und bezeichnete hier die vielen Regionalsprachen.

Plattdeutsch und Missingsch

In der Hanse als wichtige und vornehme Verkehrssprache gesprochen, wurde nach ihrem Niedergang Plattdeutsch von gehobenen Gesellschaftsschichten gemieden. Doch die Mehrheit des Volkes sprach weiterhin Platt.

Für echte Plattschnacker war es schwierig, Hochdeutsch zu sprechen. Meistens mischten sie beide Sprachen miteinander, daraus wurde das sogenannte Missingsch. Den Vorgang beschreibt Kurt Tucholsky treffend wie humorvoll in seiner Erzählung "Schloß Gripsholm": "Er (der Plattsprecher) klettert auf der glatt gebohnerten Treppe der deutschen Grammatik empor und rutscht alle Nase lang wieder in sein geliebtes Platt zurück."

Plattdeutsch auf dem Vormarsch

Obwohl sich Sprachwissenschaftler noch uneinig sind, ob Plattdeutsch Sprache oder Dialekt ist, zählt es seit der Aufnahme in die Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen offiziell als Sprache. Deutschland verpflichtete sich mit der Unterzeichnung, Nicht-Amtssprachen wie das Niederdeutsche zu fördern – zum Beispiel durch Plattdeutsch als Unterrichtsfach. Da ist Hamburg Vorreiter: Als erstes der acht Bundesländer steht Plattdeutsch auf dem Stundenplan von Grundschülern in Finkenwerder, Neuenfelde, Vier- und Marschlande.

Ärzte sprechen platt

Die Asklepios Klinik Wandsbek reagiert auf die vielen plattdeutsch sprechenden Patienten: Seit Januar 2013 sprechen in der Abteilung für Altersmedizin mehr als ein Dutzend Mitarbeiter plattdeutsch – an ihrem Kittel hängt der Button „Wi snackt ok Platt“. Auch in der Patientenbücherei stehen viele niederdeutsche Bücher. Damit reagiert die Klinik auf die älteren Patienten, die lieber plattdeutsch als hochdeutsch sprechen.

Hamburgisches Wörterbuch

Viele original hamburgische Begriffe sind plattdeutsch, viele missingsch. An der Universität Hamburg entstand über mehrere Jahrzehnte ein Hamburgisches Wörterbuch mit fünf Bänden und mehr als 40.000 Stichwörtern. Die kompakte Ausgabe "Kleines Hamburgisches Wörterbuch" umfasst 6.500. Darin Begriffe, die in Hamburger Plattdialekten vom 13. bis 20. Jahrhundert verwendet wurden.

Ein kleiner Imbiss nennt sich "Happenpappen", der Schiffer trägt eine blaue oder weiße "Schippermütz" und die Kinder spielen ihren "Rummelpott". Das Wörterbuch liefert auch die Erklärung zum Stichwort: Der Rummelpott ist ein Lärminstrument, mit dem verkleidete Kinder an Festtagen singend von Haus zu Haus zogen, um Süßigkeiten zu bekommen. Seit 1656 ist das "Rummelpott lopen" zum Osterfeuer verboten. Für die Begriffserklärungen nutzten die Mitarbeiter historische Quellen und Interviews mit Plattsprechern. So übermittelt die Sprache auch einiges zum Leben und Kultur in der Hansestadt – über acht Jahrhunderte.

Mehr zur plattdeutschen Kultur: Kultur op Platt

Autor:

Die Hamburger Snut
Hamburger Hafenarbeiter nahmen Kaffeeteng und Brotbüddel mit zur Arbeit, erzählten in der Kneipe ihre Döntjes beim Lütt un Lütt. Plattdeutsche Begriffe wie diese füllen dicke Wörterbücher. Einst war es Amtssprache, heute snacken noch 100.000 Hamburger im Alltag platt.
http://www.hamburg.de/image/4451670/1x1/150/150/733710cd74b2d6941eb6ee974f3db73d/Ea/nordeutsch-verliebte--1-.jpg
20160425 11:34:43