Plattdeutsche Kultur Kultur op Platt

Oma und Opa snacken platt, die jungen Leute sprechen Hochdeutsch. Das war mal so: In Hamburg unterrichten einige Schulen Plattdeutsch ab der 1. Klasse, Poetry Slammer texten op Platt. Das Platt wieder angesagt ist, beweisen die drei Bremer Jungs "De fofftig Penns", die zu elektronischer Musik auf plattdeutsch rappen. Dat löppt!

1 / 1

Die niederdeutsche Kultur Norddeutschlands, besonders Hamburgs

Plattdeutsche Kultwörter

Der Hamburger nennt seinen Partner gerne mal "Schietbüdel". Klingt nicht so, ist aber ein Kosewort. Schlecht hingegen ist es, wird man als "Gnatzbüdel" oder "Drönbüdel" bezeichnet: Im ersten Fall ist man Streitsuchender, im Zweiten ein Quatschkopf oder Langweiler. Plattdeutsche Begriffe wie "Dösbaddel" und das Grußwort "Moin" haben es in den Duden geschafft und in den Sprachgebrauch derjenigen, die kein plattdeutsch sprechen.

Plattdeutsch ist beliebt!

Niederdeutsch landet bei offiziellen Meinungsumfragen zusammen mit dem Bayrischen immer wieder auf den ersten Plätzen der beliebtesten Dialekte Deutschlands. Dabei zählt Plattdeutsch nicht zu den Dialekten – auch wenn Sprachwissenschaftler sich noch darum streiten – sondern ist durch die Aufnahme in die Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen international als Sprache anerkannt. Sicherlich keinen Zweifel daran haben die 11 Millionen Deutschen, die Plattdeutsch gut oder mäßig sprechen.

Hamburger Hymne op Platt

"An de Eck steiht 'n Jung mit'n Tüddelband" heißt die inoffizielle Hamburger Hymne – und das bekannteste plattdeutsche Hamburg-Lied. Früher erklang das Lied häufig auf den Straßen der Hansestadt, zum Beispiel der Refrain: "Klaun, Klaun | Appel wüllt wi klaun | ruck zuck övern Zaun | Ein jeden aber kann dat nich | denn er muss aus Hamborg sein." Die Hamburger Brüder Ludwig, Leopold und James Wolf haben das Lied 1911 gedichtet, die heutige Fassung setzt sich aber aus Strophen verschiedener Autoren zusammen.

Tief verwurzelt in der Kultur

Thomas Mann ließ einst seine Romanfigur Großvater Johann Buddenbrook plattdeutsch sprechen, gemischt mit französisch. Schon lange hört man plattdeutsch auch im Radio und Fernsehen. Zum Beispiel in der NDR Kultserie "Neues aus Büttenwarder": Da bestellt Jan Fedder alias Kurt Brackelmann im Dorfkrug "en mal Lütt un Lütt" und bekommt dafür Bier und Korn.

Niederdeutsche Bühnen spielen Theaterstücke auf Plattdeutsch - das Ohnsorg Theater schon seit 1902. NDR 1 Welle Nord sendet plattdeutsche Nachrichten, Kolumnen und Hörspiele. Der norddeutsche Radiosender veranstaltet auch das alljährliche Musikfest "Platt live!". Comedians wie "De Brotbüddels" erzählen witzige Döntjes - Geschichten op Platt - mit Musik und Gesang kombinieren. Die drei Männer von "De Brotbüddels" treten auf kleinen, aber gut besuchten Bühnen in Schleswig-Holstein auf.

Platt in der Jugendkultur

Aber auch in der Jungendszene ist Platt auf dem Vormarsch. Bereits 1995 landete die Hamburger Band Fettes Brot mit ihrem plattdeutschen Song "Nordish by Nature" einen Charthit. Die Bremer Jungs von "De Fofftig Penns" bringen Platt wieder zurück in die Jungendkultur. In Tanktop und Cappy auf dem Kopf rappen sie auf Platt: "Moin moin, allens kloor – löppt | Wat is loos, sünd ji dor? – löppt | Also mi geiht dat wunnerbor – löppt (…)." Ihr Debütalbum "Dialektro" beschreibt ihren Musikstil: Elektrobeats mit Dialekt – dem Bremer Platt.

Ob Rock, Pop, Indie oder Elektro: Seit 2011 singen niedersächsische Bands verschiedenster Musikrichtungen auf dem "Platt Sounds" Bandcontest auf plattdeutsch, und nicht wie üblich auf hochdeutsch oder englisch. Für den Bandcontest übersetzen sie einen ihrer Songs oder schreiben gleich einen neuen Song op Platt.

Dass regionale Sprachen "in" sind, zeigt auch das Pendant zum Eurovision Song Contest "Liet International": Englische Texte sind verboten, alle Bands müssen auf einer regionalen Sprache singen. Jedes Jahr erklingen auf dem Contest außergewöhnliche Stimmen und Sprachen wie keltisch, baskisch und auch plattdeutsch.

Mehr Infos zum Niederdeutschen in Hamburg: Die Hamburger Snut

Hamburgisches Platt erleben

Das "Plattbuero" gibt plattdeutsche Führungen durch den Michel und das Rathaus. Mehr Infos und Buchung: Plattbuero
Schiffsrundfahrten auf der Alster mit echten Hamburg-Kennern, die Informatives rund um die Alster "op Platt vertellen" bietet die Alstertouristik an. Mehr Infos zu Terminen und Buchung: Alstertouristik

Niederdeutsche Bühnen:
Ohnsorgtheater mit Poetry Slam op Platt: Ohnsorg Theater
Thalia Theater: Thalia
Theater Hüsung: Hüsung

Autor:

Kultur op Platt
Oma und Opa snacken platt, die jungen Leute sprechen Hochdeutsch. Das war mal so: In Hamburg unterrichten einige Schulen Plattdeutsch ab der 1. Klasse, Poetry Slammer texten op Platt. Das Platt wieder angesagt ist, beweisen die drei Bremer Jungs "De fofftig Penns", die zu elektronischer Musik auf plattdeutsch rappen. Dat löppt!
http://www.hamburg.de/image/4110834/1x1/150/150/ce75492376cc97fdd5ad87f397ea945e/xB/de-fofftig-penns.jpg
20140507 14:53:16