Eppendorf
von Birte Kaiser
Zweierlei Eppendorf
Es gibt aber auch das bescheidenere Eppendorf. Weniger mondäne Straßen werden gesäumt von Rotklinkerbauten der zwanziger und dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts und einfacheren Mietshäusern mit kleinen Wohnungen. Die Arbeiter-Terrassenhäuser am Schrammsweg zeigen, dass Eppendorf keineswegs immer und überall reich war und ist. Apropos Arbeiter, wer hätte schon gedacht, dass Ernst Thälmann aus Eppendorf kommt. In dem ehemaligen Mietshaus in der Tarpenbekstraße 66, wo die Thälmanns wohnten, ist eine Gedenkstätte untergebracht und damit Eppendorfs einziges Museum. Auch Wolfgang Borchert lebte in der Tarpenbekstraße: Eine Gedenktafel erinnert daran. Ansonsten gibt es nicht viel Kultur im Stadtteil. Immerhin Kabarett wird geboten, in Alma Hoppes Lustspielhaus. Der Eppendorfer hat viele Ausgehmöglichkeiten. Edle Restaurants und angesagte Bars findet man an jeder Ecke. Das Motto "Sehen und Gesehen werden" ist hier Ausdruck eines Lebensstils. Wer hier wohnt, ist erfolgreich oder tut zumindest so. Das präsentiert er gern in der Öffentlichkeit mit Designerklamotten oder auffälligen Cabrios. Yuppies haben hier die Oberhand, oft zum Missfallen derjenigen, die sich nicht dazu zählen. Der vornehme Eppendorfer würde das vielleicht gern verschweigen, aber auch das Gewerbegebiet Nedderfeld gehört zum Stadtteil. Einst als Automeile bekannt geworden, gibt es hier mittlerweile riesige Elektrofachgeschäfte und sogar ein kleines Einkaufszentrum.
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Eine große Fläche im Stadtteil nimmt das Universitätskrankenhaus Eppendorf (UKE) ein: wohl das bekannteste Krankenhaus Hamburgs und wohl einer der größten Arbeitgeber der Hansestadt mit 6000 Beschäftigten. An das UKE grenzt der Eppendorfer Park, und noch beliebter ist der Hayns Park im Norden Eppendorfs beim Eppendorfer Mühlenteich. Vor allem in den Sommermonaten bestimmt die nahe gelegene Alster das Freizeitleben. Sie ist ein idealer Ausgangspunkt für Bootstouren, an diversen Verleihstationen kann man Kanus oder Tretboote mieten. Wer zum Baden nicht in die Alster springen will, geht ins Holthusenbad. Das Außenschwimmbecken ist ganzjährig geöffnet, und es hat schon etwas für sich, im tiefsten Winter durch das blau erleuchtete und dampfende Wasser seine Bahnen zu ziehen. Auch für Nichtschwimmer ist dann der Blick auf das Becken, den man aus der U-Bahn erhaschen kann, verlockend.
Rund um den Eppendorfer Baum und die Eppendorfer Landstraße gibt es viele ausgefallene Geschäfte; vor allem Mode- und Schuhgeschäfte so viel das Herz begehrt. Allerdings ist der Spaß nicht gerade kostengünstig. Aber wer erwartet hier etwas anderes? Wer hier eine Altbauwohnung gefunden hat, zieht so schnell nicht wieder aus. Es ist für ihn undenkbar, in einem anderen Stadtteil Hamburgs zu wohnen. Darin sind sich wohl alle Eppendorfer einig.
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