Behörde für Umwelt und Energie

Umweltwirtschaftsgipfel 2016 Ökologisches Wirtschaftswachstum

Was bedeutet Green Economy im besten Sinne, gibt es bereits jetzt gute Beispiele dafür und welche Faktoren sind entscheidend auf dem Weg dorthin? Die Gäste beim diesjährigen Umweltwirtschaftsgipfel am 2. Juni konnten sich dazu einen guten Einblick verschaffen. 

1 / 1

Ökologisches Wirtschaftswachstum

Mit rund 250 Gästen war der Umweltwirtschaftsgipfel im Festsaal des Rathauses auch 2016 gut besucht und die Zuhörer erwartete ein spannendes Thema, das letztlich über die Zukunftsfähigkeit der globalen Gesellschaft entscheidet. In Hamburg wurden bereits viele Schritte in Richtung einer grünen Ökonomie unternommen, wie Umweltsenator Jens Kerstan in seiner Begrüßung betonte. Gerade die UmweltPartnerschaft mit ihren mittlerweile knapp 1.050 Mitgliedern spielt eine wichtige Rolle dafür: Seit ihrer Gründung wurden weit über 2000 Einzelmaßnahmen für Energie-, Ressourcen- und nicht zuletzt Betriebskosteneinsparungen gefördert.

Und dass Hamburg hier weiter voran geht, so der Umweltsenator, zeigen nicht zuletzt das neu aufgelegte Programm zur „Energiewende in Unternehmen“ mit 24 Mio. Fördervolumen bis 2020, die laufenden Förder- und Beratungsangebote der UmweltPartnerschaft, die neue Beschaffungsrichtlinie der Stadt oder auch die Tatsache, dass Green Economy als eines der vier strategischen Cluster im Hamburger Klimaplan verankert ist. „Was auch immer wir unter „Green Economy“ verstehen", so der Umweltsenator, „letzten Endes müssen wir bei konkreten Maßnahmen ankommen.“

Globale Herausforderungen  

Ist Green Economy eine Frage der Grenzen des Wachstums? Ralf Fücks, der Gastreferent des Abends, verneint dies in seinem Vortrag konsequent. Der Vorstand der Heinrich-Böll Stiftung und Autor des Buches „Intelligent wachsen: die Grüne Revolution“ blickt in die globale Zukunft und stellt fest, dass eine Begrenzung des Wirtschaftswachstums keine Lösung ist. Das Wachstum der Weltbevölkerung und des globalen Mittelstandes mit gesteigerten Ansprüchen an die Lebensqualität und auch der weltweite Trend zur Verstädterung erzeugen eine wirtschaftliche Wachstumsdynamik, die voraussichtlich zur Verdoppelung der globalen Wirtschaftsleistung innerhalb der kommenden 20 Jahre führen werde.  

Green Economy als Lösungsweg

Folge dieses Wachstum dem bisherigen Muster, so Fücks, führe sie geradewegs ins ökologische Desaster. Die Lösung könne nur in einer Ökonomie liegen, „die die Entkoppelung der Wohlstandsproduktion vom Naturverbrauch schafft.“ Im Vordergrund stehe daher die Qualität von Produktion und Konsum, bei der Umweltaspekte künftig eine tragende Rolle spielen müssen. Es gehe um nichts weniger als um eine „grüne industrielle Revolution.“

Ralf Fücks nennt dafür drei entscheidende Kriterien:

  1. Eine Effizienzrevolution, die dafür sorgt, dass Energie und Ressourcen so sparsam wie möglich und mit maximalen Ergebnissen eingesetzt werden: „Aus weniger mehr machen.“
  2. Die Unabhängigkeit von fossiler Energie: Hier sind bereits Fortschritte erreicht worden. Beispielsweise wurde weltweit 2014 erstmals mehr in erneuerbare als in fossile Energien investiert.
  3. Der Übergang von linearen Produktionsketten zu einer echten Kreislaufökonomie, die auf Synergien basiert und bereits eingesetzte Materialien und Rohstoffe immer wieder neu verwendet.

Durch die konsequente Verfolgung dieser drei Stränge und die Investitionsbereitschaft in die entsprechenden Technologien kann sich, so Fücks, „eine Ökonomie in Kooperation mit der Natur entwickeln, die den bisherigen Gegensatz von Wirtschaftswachstum und Umweltschutz überwindet.“ 

Kreativität und Innovationskraft als Treiber

Dass hierfür in und um Hamburg bereits gute Ansätze vorhanden sind, zeigte die anschließende Podiumsdiskussion, moderiert von Dr. Delia Schindler. Neben Umweltsenator Jens Kerstan und Ralf Fücks nahmen daran auch Dr. Thomas Bünger, Generalbevollmächtigter Technik Primärkupfer der Aurubis AG und Manuel Pick, Geschäftsführer der Bohlsener Mühle GmbH & Co. KG teil. Die beiden Unternehmen stehen für beispielhaftes Engagement, wenn es um nachhaltiges Wirtschaften geht:

Kreislaufwirtschaft beim größten Kupferrecycler der Welt

Aurubis ist einer der größten Kupferproduzenten und der größte Kupferrecycler weltweit. Während der globale Kupferbedarf weiter wächst, spielt auch Recycling eine immer wichtigere Rolle. Das Hamburger Unternehmen verarbeitet im Jahr über 700.000 Tonnen Recyclingrohstoffe unterschiedlichster Beschaffenheit. „Kupfer steht für Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz, denn es ist ohne jeden Qualitätsverlust immer wieder recycelbar“, macht Dr. Bünger deutlich. Eine der größten Herausforderungen sei dabei die stoffliche Trennung der vielen unterschiedlichen Metalle aus dem Recyclingmaterial. Folgerichtig ist seine Forderung nach einem echten ökologischen Produktdesign gut nachvollziehbar, um die Wertstoffkreise für Kupfer und andere Metalle lückenlos zu schließen.
 
Der Konzern hat sich zum Ziel gesetzt, auch bei der Verarbeitung der primären Rohstoffe maximale Umwelteffizienz zu erreichen. Laut Dr. Bünger spielt Aurubis sowohl beim Umweltschutz als auch bei der Energieeffizienz bereits heute in der Weltspitze mit – und zwar sowohl im Recycling als auch bei der Verarbeitung primärer Rohstoffe. Letztere wird ein wichtiges Standbein von Aurubis bleiben, denn, so Dr. Bünger: „Selbst ein komplettes Recycling des gesamten verfügbaren Kupferschrotts könnte den derzeitigen globalen Kupferbedarf nur zu 30 % decken.“

Lückenlose Wertschöpfung an einem Ort: Bohlsener Mühle

Nachhaltigkeit gehört auch bei der Bohlsener Mühle zum Geschäftsmodell. Der Betrieb hat 2015 den deutschen Nachhaltigkeitspreis für KMU gewonnen und verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz: Das Getreide stammt hauptsächlich von Biobauern aus der Region, die Produktion läuft mit Ökostrom und energieeffiziente Backtechnologien sind selbstverständlich. Das besondere: in Bohlsen wird die gesamte Wertschöpfung rund um das Getreide an einem Ort realisiert.

Ihre Innovationskraft zeigt die Bohlsener Mühle auch an anderer Stelle: Unter anderem durch das eigens entwickelte Verfahren, mit dem die bei der Produktion anfallenden Dinkelspelzen zu Pellets verarbeitet und energetisch verwertet werden können. Damit könne, so Geschäftsführer Pick, der Betrieb und das gesamte Dorf Bohlsen mit Wärme versorgt werden. An der Umsetzung arbeitet das Unternehmen derzeit gemeinsam mit der Energiegenossenschaft des Dorfes Bohlsen.

Und wie schafft es das relativ kleine Mühlenunternehmen, im Wettbewerb erfolgreich zu sein? „Wir können keine Millionen in neue Anlagen oder Verfahren investieren“, so Manuel Pick, “unser Erfolg beruht zum größten Teil auf der Kreativität und Innovationskraft unserer Mitarbeiter.“

Der Geschäftsführer der Bohlsener Mühle hat damit den zentralen Faktor auf dem Weg zur Green Economy angesprochen, den auch Ralf Fücks unterstreicht: „Menschliche Kreativität ist die entscheidende Antwort auf die Grenzen des Wachstums.“

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion haben die geladenen Gäste des Gipfels die Möglichkeiten zum Netzwerken und direkten Austausch ausführlich genutzt.