Behörde für Umwelt und Energie

4. UmweltPartner-Dialog: Mehrweg bringt Mehrwert "Die Verbraucher wollen ein vernünftiges Angebot"

„Coffee to go“ ist in aller Munde und mittlerweile für viele Menschen aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Das ist verständlich, bringt aber aufgrund der Ausgabe in Einwegbechern auch einen hohen Ressourcenbedarf und entsprechendes Abfallaufkommen mit sich. Der vierte UmweltPartner Dialog hat gezeigt, dass dies im Grunde völlig unnötig ist. Denn es gibt Alternativen.

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"Die Verbraucher wollen ein vernünftiges Angebot"

Trend mit Folgen

„Coffee to go“ ist in den letzten rund 15 Jahren zum festen Bestandteil des urbanen Lebensstils geworden. Eine Folge davon: Die stündlich in Deutschland ausgegebenen rund 320.000 Einwegbecher verursachen jährlich 40.000 Tonnen Müll, allein in Hamburg sind es 900 Tonnen - das hat die Deutsche Umwelthilfe DUH hochgerechnet. Der Müll ist im Grunde völlig unnötig, wie Senator Jens Kerstan in seinem Grußwort betonte und darauf hingewiesen hat, dass Mehrwegsysteme schließlich nichts Neues und in anderen Bereichen selbstverständlich seien.

Dass Hamburg bei der Vermeidung von Einwegartikeln mit Engagement dabei ist, zeigt unter anderem der seit 2016 gültige Umweltleitfaden der Freien und Hansestadt Hamburg, nach dem Artikel wie Einweggeschirr, Kaffeekapseln und anderes in den Behörden mit ihren ca. 80.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht mehr beschafft werden. Mit Verordnungen alleine können aber keine nachhaltigen Verhaltensänderungen bewirkt werden, denn letztlich, so Senator Kerstan, komme es darauf an, „den Verbrauchern vernünftige und attraktive Angebote zu machen, die auch gerne genutzt werden.“

Kehrwiederbecher, Becherhelden

Der Gastgeber des vierten UmweltPartner Dialogs ist hier mit gutem Beispiel vorangegangen: Die Kantine der Behörden für Umwelt und Energie sowie für Stadtentwicklung und Wohnen bietet für die Mitarbeiter seit November letzten Jahres Heißgetränke zum Mitnehmen ausschließlich im Mehrwegbecher mit Pfand an und hat damit gute Erfahrungen gemacht, wie Kerstin Bockhorn aus dem Grundsatzreferat der Behörde in ihrer Darstellung gezeigt hat. Sie präsentierte in diesem Zusammenhang auch das Projekt des „Kehrwieder Bechers“, mit dem das Ziel verfolgt wird, ein hamburgweites  Mehrwegsystem für „Coffee to go“ zu realisieren.

Die rund 60 Besucherinnen und Besucher, darunter viele Caterer und Kantinenbetreiber, konnten sich auch von weiteren guten Beispielen für Mehrwegbecher überzeugen, unter anderem bei Otto (GmbH & Co. KG) am Hauptsitz in Hamburg Bramfeld: Hier wird den rund 4.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Bistro ein eigener Becher zum subventionierten Kaufpreis von 3,50 € angeboten, der laut Benjamin Köhler, CSR-Manager bei Otto, hervorragend ankommt.

Mit den Mehrwegbechern seien die bisher in Bramfeld jährlich verbrauchten rund 100.000 Einwegbecher Geschichte – und zwar auf freiwilliger Basis. Gründe für die erfolgreiche Umsetzung seien unter anderem verschiedene Anreize wie eine kostenlose Erstbefüllung beim Kauf oder dauerhafte Vergünstigungen für Kaffee im eigenen Becher gewesen, aber auch die Möglichkeit, einen individuell gestaltbaren Becher zu erwerben.

Mehrwegbecher to go – worauf kommt es an?

Ein starker Verbündeter zur Nutzung von Mehrwegbechern to go ist die Deutsche Umwelthilfe (DUH) mit ihrer Kampagne „Sei ein Becherheld“, die Thomas Fischer von der DUH vorgestellt hat. Ein Schwerpunkt seiner Präsentation lag dabei auf der Frage, welche Eigenschaften Mehrwegbecher haben sollten, um möglichst nachhaltig zu wirken.

Hier würden zahlreiche Faktoren eine Rolle spielen, unter anderem Preis, Design, Gewicht, Material oder Spülmaschinenfestigkeit, aber auch Langlebigkeit, Bechergröße und -höhe, Isolierfähigkeit, Auslaufschutz, Stapelbarkeit und vieles mehr. Je nach Anwendungsbereich (auf der Straße im freien Verkauf, auf dem Betriebsgelände oder im Bürogebäude) lassen sich  verschiedene gute Lösungen mit unterschiedlichen Materialien finden.

Ein zentraler Aspekt ist dabei auch die Umweltbilanz der Mehrwegbecher, die je nach Material bereits ab 15 Nutzungen für positive Klimaeffekte sorgen kann. Deutlich wurde, dass sogenannte biologisch abbaubare Becher ein echtes Problem darstellen. Sie bestehen in der Regel zu maximal 40 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen und beinhalten gesundheitlich bedenkliche Füllstoffe wie Melaminharz. Zudem kommt ihre biologische Abbaubarkeit nicht zum Tragen, da sie in den Sortieranlagen der Entsorgungsbetriebe nicht von anderen Kunststoffen unterschieden werden können.

Spannende Fragen und reger Austausch

Die engagierte Beteiligung der Gäste brachte nach den Vorträgen zahlreiche Rückfragen mit sich, unter anderem nach Pfand- oder Kaufsystem, nach Hygienevorschriften oder Materialien, die von den anwesenden Experten gerne beantwortet wurden. Was die Hygienevorschriften betrifft, finden Sie im Downloadbereich einen Flyer zu hygienischen Standards für Heißgetränke.

Der intensive Austausch im Plenum sowie beim anschließenden Get-Together zeigte, dass das Thema nicht nur bei Unternehmen mit eigenen Kantinen oder Mitarbeiterbistros mit großem Interesse verfolgt wird, sondern auch bei „Coffee to go“ im freien Verkauf immer stärker auf die Agenda rückt.

Kein Wunder, schließlich beinhaltet der konsequente, flächendeckende Einsatz von „Coffee to go“ – Mehrwegbechern ein erhebliches Entlastungspotenzial: Neben der Müllvermeidung könnten auch 280 Mio Kilowaqttstunden Energie oder 1,2 Milliarden Liter Wasser eingespart werden.


Die Präsentationen des vierten UmweltPartner Dialogs und mehr finden Sie hier:

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