Behörde für Umwelt und Energie

5. UmweltPartner-Dialog (Energie-) Flexible Unternehmen braucht das Land

Der Container Terminal Altenwerder (CTA) ist noch immer State of the art: Auch 15 Jahre nach seiner Eröffnung gehört  der weitgehend vollautomatische Containerumschlagplatz im Hamburger Hafen zu den weltweit modernsten. Nun macht die Betreiberin des CTA, die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA), die Anlage erneut zum Modellprojekt. Während des fünften UmweltPartner-Dialogs am 5. Oktober 2017 gab das Unternehmen Einblicke in die geplante Umrüstung seiner  Fahrzeugflotte für den Containertransport auf batterieelektrischen Antrieb.

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(Energie-) Flexible Unternehmen braucht das Land

Bis zu 35.000 Standardcontainer (TEU) stapeln sich in Spitzenzeiten auf der Terminalanlage  in Altenwerder. Jeweils bis zu fünf Container hoch, zehn Reihen nebeneinander, in 26 Blocklagern. Gleichmäßig ziehen die sogenannten Automated Guided Vehicles (AGV), führerlose Containertransportfahrzeuge, zwischen diesem Lager und den Containerbrücken an der Wasserseite ihre Bahnen – mit maximal 21 Kilometern pro Stunde, gesteuert von einer ausgeklügelten Software, erfahrenen Beschäftigten in einem  Leitstand  und 19.000 Transpondern in der Fahrfläche. So finden sie stets den idealen Weg zum gesuchten Container und fahren bei Bedarf selbstständig an die Tankstelle oder Batterie-Ladestation. Der CTA ist ein Musterbeispiel für Effizienz.

Mehr Effizienz durch Energieflexibilität

Diese Effizienz wird nun um einen neuen Aspekt erweitert: die Energieflexibilität.

Mit der sukzessiven Umrüstung auf schnellladefähige Lithium-Ionen-Batterien können die AGV nicht nur klimafreundlich mit Strom aus erneuerbaren Quellen versorgt werden. Während sie an der Stromtankstelle stehen, sollen sie dank der Schnellladung als flexible Stromspeicher dienen.

Senator Kerstan: Beitrag zur Energiewende wichtig

Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan betonte während des fünften UmweltPartner-Dialogs auf dem CTA-Gelände, dass dieses Projekt der HHLA deutlich zeige, was „klassische Unternehmen im Stande und Willens sind zu leisten“, wenn es um die Herausforderungen der Energiewende geht. „Die Energiewende ist an einem entscheidenden Punkt angelangt. Es geht jetzt um den strukturellen Umbau des gesamten Energiesystems“, sagte Kerstan.

Seine Behörde bereite beispielsweise eine Entscheidung vor, die den Ersatz der Kohle als Energieträger im Hamburger Fernwärmesystem, einem der größten Europas, vorsehe. Der grüne Senator machte deutlich, dass die Kohle nicht nur durch Erdgas ersetzt, sondern überwiegend vorhandene Wärmequellen, etwa aus der Industrie, genutzt werden sollten. „Es geht nicht um Old Economy gegen New Economy, sondern um eine umfassende ökologische Transformation der gesamten Wirtschaft. Auch, um weiterhin die weltweite Technologieführerschaft übernehmen zu können“, sagte Kerstan.

Dass ein Unternehmen wie die HHLA bereit ist, diesen Prozess mitzugestalten, unterstrich Vorstandsmitglied Jens Hansen. Er verwies unter anderem auf die erfolgreiche Reduktion des Kohlendioxid-Ausstoßes. Bis 2020 will die HHLA gegenüber dem Referenzjahr 2008 pro umgeschlagenem Container 30 Prozent des klimaschädigenden Gases reduzieren. Im Jahr 2016 lag die erreichte Quote bereits bei 27,3 Prozent.

HHLA setzt auf Nachhaltigkeit

Die HHLA setze bei der Realisierung der Nachhaltigkeitsgrundsätze konsequent in Hamburg und dem Hinterland an, erläuterte Jan Hendrik Pietsch, Nachhaltigkeitsbeauftragter der HHLA. Insgesamt ist die HHLA der zehntgrößte Stromverbraucher der Hansestadt. Was „technisch sinnvoll und wirtschaftlich vertretbar“ sei, werde dementsprechend eingeführt, um die Terminals energetisch zu optimieren, so Pietsch. Neben den batterieelektrischen AGV testet die HHLA beispielsweise zwei Lokomotiven mit Hybridantrieb im schweren Rangierbetrieb. Innerhalb von vier Jahren wurde zudem die Menge der via Bahn weiterverteilten Boxen erheblich gesteigert. Jede dritte Box verlässt die HHLA-Terminals mittlerweile per Bahn.

Seit 2009 testete die HHLA in verschiedenen, geförderten Projekten nachhaltige Technologien und Prozesse, wie beispielsweise den batterieelektrischen Antrieb ihrer AGV in Altenwerder und die Möglichkeit, die Batterien immer dann zu laden, wenn hohe Anteile an erneuerbarer Energie im Stromnetz vorhanden sind. Inzwischen profitiert das Unternehmen vom enormen technischen Fortschritt, der im Bereich der Batteriespeicher in den vergangenen Jahren gemacht wurde. Die ersten Versuche liefen noch mit Bleibatterien. Die 25 batterieelektrischen AGV, die nun im kommenden Jahr neu für den Terminalbetrieb angeschafft werden, sind hingegen mit Lithium-Ionen-Batterien ausgestattet. „2011 waren die noch unbezahlbar“, sagte Boris Wulff, Projektverantwortlicher am CTA.

Die vergleichsweise leichten Batterien sind schnellladefähig. Ein Prinzip, das auch die Hamburger Hochbahn für ihre Busse nutzt. Der aufwändige Lade- und Wechselprozess einer Bleibatterie entfällt. Damit können die AGV, die knapp 2.000 Stunden pro Jahr einfach nur stehen, während ihrer betriebsarmen Zeiten positive und negative Regelleistungen am Strommarkt erbringen. Stromnetzbetreiber könnten das Fahrzeug künftig direkt ansteuern und noch vorhandene Energie aus den Batterien ins Netz speisen oder es auffordern, in Spitzenzeiten Strom aufzunehmen. Damit das reibungslos funktioniert, müssen allerdings noch regulatorische Hemmnisse abgebaut, eine Infrastruktur aus mehreren vollautomatischen Stromtankstellen aufgebaut und eine intelligente Software programmiert werden. Denn, so Boris Wulff schmunzelnd, „die AGV sollen ja in erster Linie fahren und Container transportieren, und nur in zweiter Linie als flexible Stromspeicher dienen.“

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