Bezirk Wandsbek

Interessenbekundungsverfahren Quartiersmanagement Hummelsbüttel

Quartiersmanagement Hummelsbüttel


Interessenbekundungsverfahren zur Vergabe einer Zuwendung für das Quartiersmanagement
am Rehagen (Hummelsbüttel 28)/ Unterkunft mit der Perspektive Wohnen (UPW) 

1.    Anlass und Ziele des Interessenbekundungsverfahrens 
Das Bezirksamt Wandsbek führt ein Interessenbekundungsverfahren nach § 7 der Landeshaushaltsordnung durch. Ziel ist es, ein Büro zu beauftragen, das über die Kompetenzen verfügt, die nachfolgend beschriebene Aufgabe fachlich umzusetzen. Durch das Interessenbekundungsverfahrens soll ein Quartiersmanager gefunden werden, der nachweislich über die Fähigkeiten verfügt, ein sozialräumliches Entwicklungskonzept zu erstellen und umzusetzen. Dem zukünftigen Quartiersmanager kommt die Aufgabe zu, die soziale Infrastruktur im Sozialraum zu stärken und eine Willkommenskultur rund um die Unterkunft Rehagen zu fördern.
Dieses Interessenbekundungsverfahren ist lediglich eine öffentliche, für die FHH unverbindliche Aufforderung zur Abgabe eines Gebotes. Der Bezirk behält sich vor, Teilnehmer*innen zu Nachgeboten aufzufordern.
Bei diesem Auswahlverfahren handelt es sich nicht um eine Ausschreibung nach den Regeln des für öffentliche Vergabeaufträge anwendbaren Vergaberechts. Aus der Teilnahme an dem Verfahren lassen sich keine Verpflichtungen des Bezirksamtes herleiten.
Ansprüche gegen das Bezirksamt sind, insbesondere bei Nichtberücksichtigung von Bewerbungen und Angeboten sowie Änderung bzw. Beendigung des Verfahrens, ausgeschlossen.


2.    Ausgangslage und Ist–Stand
Im Stadtteil Hummelsbüttel entsteht im Rahmen der öffentlich rechtlichen Unterbringung und gemäß der Bürgerschaftsdrucksache 21/1838 eine „Unterkunft für Geflüchtete mit der Perspektive Wohnen (UPW)“. Östlich der Straße Rehagen und nördliche des Poppenbütteler Wegs werden insgesamt 8 Wohnhäuser sowie ein Gebäude für die Gemeinbedarfsnutzung errichtet.
Insgesamt werden an diesem Standort 364 Wohnungen für etwa 1100 Bewohner entstehen. Im Rahmen der öffentlich rechtlichen Unterbringung werden diesen Wohnungen bis zu 300 Geflüchtete zugewiesen. Des Weiteren können 50 Wohnungen, die als Sozialwohnung ausgewiesen sind, von Geflüchteten bezogen werden, die eine Wohnberechtigungsbescheinigung haben. Die übrigen Wohnungen gehen in die freie Vermietung.    
In dem Gebäude für die Gemeinbedarfsnutzung entsteht eine Kita mit 100 Betreuungsplätzen für den Krippen- und Elementarbereich. Darüber hinaus werden sich in diesem Gebäude Büros und Gemeinschaftsräume befinden, die auch vom Stadtteil genutzt werden können.
Der Betreiber der Unterkunft ist das städtische Unternehmen f&w (fördern & wohnen), das neben der Betriebsverantwortung auch zuständig ist für das Sozialmanagement der Unterkunft und auch als Vermieter für die frei finanzierten Wohnungen fungiert. Der Betreiber fungiert bei den freifinanzierten Wohnungen auch als Vermieter.
Für das UPW - Gebiet Rehagen (Hummelsbüttel 28) wurde – anders als in anderen Unterkünften - bisher kein Bürgervertrag geschlossen. Die Grundlage des Verwaltungshandelns bildet eine `Politische Selbstverpflichtungserklärung´ des Senats (Drs. 21/5231). Diese ist auch für den zukünftigen Quartiersmanager Grundlage seiner Tätigkeit.
Das Quartiersmanagement am Rehagen soll nach Möglichkeit noch vor Erstbezug der Unterkunft implementiert werden. Aktuellen Planungen zufolge werden die ersten Geflüchteten im April 2018 die Unterkunft beziehen. 

3.    Das Gebiet rund um den Rehagen 
Die UPW Rehagen liegt im Osten des Stadtteils Hummelsbüttel an der Grenze zu Poppenbüttel. Das nähere Einzugsgebiet ist sehr heterogen. Sowohl die Sozialstruktur der Bewohner als auch die städtebaulichen Gegebenheiten weisen große Unterschiede auf. Einen guten Überblick über den Sozialraum liefert die Machbarkeitsstudie der BIG Städtebau und des GEWOS Institutes (siehe Anlagen zu diesem IBV). Diese Studie wurde im Herbst 2017 fertiggestellt und steht im Zusammenhang des Erweiterungsbaus des Hauses der Jugend Tegelsbarg. Sie enthält damit sehr aktuelle sozialräumliche Daten.      

4.    Aufgaben des Quartiersmanagements
Zu der Gesamtheit des Quartiersmanagements gehören:
•    Ein Quartiersmanager, der als Ansprechperson für Bewohner und Akteure im Sozialraum fungiert und für die Steuerung und Umsetzung der Aufgaben zuständig ist.  Der Quartiersmanager initiiert und begleitet die Gründung eines Quartiersbeirates. Nach dessen Konstitution hat sich der Quartiersmanager in seiner Arbeit eng mit dem Quartiersbeirat abzusprechen.  
•    Ein Quartiers- bzw. Stadtteilbüro, in dem der Quartiersmanager regelhaft tätig ist und das den Einwohner*innen als Anlaufstelle und Veranstaltungsort dient. Nach derzeitigen Planungen soll sich das Büro zunächst direkt in Räumlichkeiten der Unterkunft befinden. Für die Zukunft gib es Überlegungen, das Büro stärker in das Quartier Tegelsbarg  zu verlagern – in Räumlichkeiten des sich dort befindenden Hauses der Jugend. 
•    Ein Verfügungsfonds, der als `Fördertopf´ zur Finanzierung niedrigschwelliger Maßnahmen zur Verfügung steht.  
•    Ein Quartiersbeirat, der als Entscheidungsgremium für die Mittelvergabe des Verfügungsfonds zuständig ist.  Die Zusammensetzung des Beirates wird in der Drs. 21/5231 geregelt. 
Folgende Aufgaben  sollen umgesetzt werden. Der Quartiersmanager: 
•    unterstützt aktiv eine Quartiersentwicklung
•    fördert aktiv die Akzeptanz gegenüber Menschen mit Fluchterfahrungen 
•    fördert aktiv das nachbarschaftliche Zusammenleben und initiiert nachbarschaftliche Projekte,
•    ermittelt die Unterstützungsbedarfe von Geflüchteten und kommuniziert diese im Stadtteil 
•    sorgt für eine Übersicht der Entwicklungen, Anforderungen und Veränderungen im Stadtteil 
•    sorgt für einen Überblick der bestehenden Angebotsstruktur, koordiniert diese mit den unterschiedlichen Akteuren und trägt somit  zur Angebotsentwicklung bei 
•    sorgt für einen Überblick der Stadtteilfinanzen 
•    erörtert sicherheitsrelevante Themen unter Hinzuziehung der Polizei
•    nimmt an der Entwicklung und Gestaltung eines Orientierungssystems teil und trägt somit zu einer Verbesserung der Bewohner-Orientierung im Stadtteil bei (z.B. durch Aufstellen von Schildern und Hinweisen sowie sprachunabhängigen Plänen).

Der zukünftige Quartiersmanager kann bereits vor Erstbezug der Unterkunft durch Geflüchtete tätig werden, indem er Kontakt herstellt zu lokalen Akteuren, zu den zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohnern und zu der Bezirksverwaltung.

Im Einzelnen hat der zukünftige Quartiersmanager folgende Kompetenzen und Leistungen zu erbringen: 

A. Netzwerkbildung der im Stadtteil ansässigen Einrichtungen:
•    Gebietsbezogene Koordination von Akteuren, Themen, Ideen und Ressourcen zur Entwicklung und Gestaltung lebendiger und unterstützender Nachbarschaften
•    Verbindliche Kooperation mit dem Sozialmanagement von f&w aufbauen
•    Verbindliche Kooperation und Abstimmung mit dem geplanten Integrationsmanager des Hauses der Jugend Tegelsbarg 
•    Verbindliche Kooperation und Abstimmung mit dem geplanten Integrationsmanager der AWO, der über das Deutsche Hilfswerk (DHW)  gefördert wird. 
•    Entwicklung und nachhaltige Absicherung einer Struktur zur Koordination des Ehrenamtes 
•    Informationstransfer zwischen Akteur/innen auf örtlicher, bezirksamtlicher, fachbehördlicher und politischer Ebene
•    Interessenvermittlung und Bündelung sowie Abstimmung von Interessen zwischen den genannten Ebenen
•    Förderung des Informationstransfers für Geflüchtete und Verbesserung der Angebotswahrnehmung durch Geflüchtete im Stadtteil 
•    Förderung von Treffpunkten / Begegnungsmöglichkeiten

B. Aktivierung und Einbeziehung der Bewohnerinnen:
•    Beteiligung und Aktivierung von Bewohner*innen im UPW-Gebiet
•    Förderung ehrenamtlicher Aktivitäten der Bewohner*innen im UPW-Gebiet
•    Förderung lokaler Selbstorganisation (z. B. Unterkunftsbeirat und Vertretung im Stadtteilbeirat)
•    Ermittlung und Beschaffung von Ressourcen im Stadtteil

C. Konfliktmanagement:
•    Fehlentwicklungen im Stadtteil entgegensteuern
•    Sicherheitsthemen aktiv aufgreifen und bearbeiten (ggf. in einem Gremium für Sicherheitsfragen)
•    (Konflikt-) Moderation und Vermittlung zwischen unterschiedlichen Interessen auf vertikaler und horizontaler Ebene
•    Herstellen von Transparenz über Unterschiedlichkeiten und Gemeinsamkeiten in Aushandlungsprozessen

D. Gremienarbeit:
•    Bildung eines Beirats für die Artikulation von Interessen und Positionsbestimmungen
•    Organisation und Moderation der Sozialraumkonferenz
•    Begleitung lokaler Gremien und Arbeitsgruppen 

E. Verwaltung und Abrechnung des Verfügungsfonds 
•    Beratung der Antragssteller 
•    Entwicklung von Förderkriterien
•    Beantragung und Abrechnung der Mittel beim Bezirksamt
•    Abrechnung der Mittel mit dem Antragssteller

F. Entwicklung der sozialen und integrierten Infrastruktur:
•    Förderung der sozialen Infrastruktur (z.B. Spiel- und Aufenthaltsmöglichkeiten, informelle Treffpunkte im Entwicklungsgebiet, Kulturveranstaltungen)
•    Mitwirkung an der Verbesserung der Wegeverbindungen von der Wohnunterkunft in den Stadtteil

G. Öffentlichkeitsarbeit
•    Prozessbegleitende und projektbezogene Medienarbeit in Abstimmung mit dem Bezirksamt
•    Organisation und Durchführung von anlassbezogene Veranstaltungen und Informationen des Sozialraums
•    Erstellen von Newslettern, Flyern und Broschüren 

H. Qualifizierung:
•    Anregen, Aufgreifen und Unterstützen von Qualifizierungsbedarfen bei Professionellen und bürgerschaftlich Engagierten

I. Verstetigung:
Die Arbeit des Stadtteilmanagements zielt frühzeitig auf eine Verstetigung bürgerschaftlichen Engagements ab, insbesondere auf:
•    Selbsttragende Strukturen ohne professionelle Unterstützung
•    Weitere Stabilisierung des Gebiets
•    Fortführung „gelernter“ Kommunikationswege
•    Einsatz ehrenamtlicher Akteure, die Verantwortung übernehmen
•    Fortsetzung des Verfügungsfonds
•    Akquise alternativer Finanzquellen

5.    Formale und fachliche Anforderungen 
Der zukünftige Quartiersmanager verfügt über umfassende Kenntnisse der sozialen Infrastruktur vor Ort. Dem Quartiersmanager liegen fundierte Kenntnisse über die derzeitige Situation und mögliche Herausforderungen vor, die sich aus der verstärkten Ansiedlung von Geflüchteten in Hummelsbüttel ergeben. 
Darüber hinaus verfügt der Quartiersmanager über Kompetenzen 
•    im Aufbau von Kooperationen und Netzwerkbildung,
•    in der Erschließung und Wahrnehmung von Ressourcen,
•    in der Entwicklung von Gebieten,
•    in der Aktivierung und Beteiligung,
•    über Interkulturelle und fremdsprachliche Kompetenzen.

6.    Qualitätssicherung, Dokumentation und Evaluation
•    Erstellung eines jährlichen Sachberichtes 
•    Erstellung eines Abschlussberichtes 
•    Anlassbezogene Präsentationen und Sachstandberichte in den bezirklichen Gremien 
7.    Finanzierung
Für  die Einrichtung eines Quartiersmanagement plant der Bezirk, Mittel für eine Stelle der Wertigkeit E 11 - zunächst befristet auf drei Jahre - zur Verfügung zu stellen. Zur Finanzierung der Stelle inklusive Arbeitsplatzpauschale ist vorgesehen, dass ab März 2018 jährlich Mittel i. H. v. ca. 50.000 € zur Verfügung stehen.


VI. Finanzierung
Für das Gebiet  wird von dem folgenden Finanzbedarf ausgegangen:

Jahr

Quartiers-manager

Verfügungs-fonds

Betriebs-kosten

Dolmetscher-leistungen

Öffentlichkeits-Arbeit

Summe

 2018

(anteilig ab März)

41.700 €

6.650 €

16.650 €

4.150 €

4.150 €

73.300 €

2019

50.000 €

8.000 €

20.000 €

5.000 €

5.000 €

88.000 €

2020

50.000 €

8.000 €

20.000 €

5.000 €

5.000 €

88.000 €

2021

8.300 €

1.350 €

3.350 €

1.850 €

1.850 €

14.700 €

Summe

146.700 €

25.200 €

65.000 €

14.250 €

14.250 €

265.450 €

Die Möglichkeit einer Verlängerung der Nachsorgephase über die 3 Jahre hinaus wird nicht ausgeschlossen.

8.    Bewerbungsvoraussetzungen 
Die Zuwendung kann ein Bewerber erhalten, wenn er 
•    eine detaillierte und aussagekräftige, in sich schlüssige Konzeption zur Umsetzung der formalen und fachlichen Anforderungen mit Aussagen zum Leistungsumfang, zu den Zielen der angebotenen Leistung, zur Qualitätssicherung, Dokumentation und Evaluation eingereicht hat,
•    Kenntnisse und Erfahrungen in der Quartiersentwicklung mit interkultureller Ausrichtung  nachweisen kann,
•    Kenntnisse und Erfahrungen mit ressourcenorientierten und aktivierenden Methoden nachweisen kann,
•    in der beschriebenen Region auf Netzwerkstrukturen zurückgreifen kann,
•    durch seinen Geschäftsbetrieb die fachliche Qualität und die gebotene Quantität seiner Leistungen gewährleistet und über eine hinreichende technische sowie organisatorische Ausstattung verfügt,
•    eine Eigenerklärung vorlegt, dass sich der Interessent weder in einem Konkurs- noch in einem Vergleichsverfahren  befindet,
•    eine Eigenerklärung zur Nichtanwendung der „Scientology“ Technologie nach L. Ron Hubbard vorlegt.

9.    Fristen
Der Antrag und die vollständigen Bewerbungsunterlagen sind bis spätestens 31.1.2018 bei folgender Dienststelle einzureichen: 

Bezirksamt Wandsbek
Fachamt Sozialraummanagement
Schloßstraße 60
22041 Hamburg

Maßgebend ist das Datum des Eingangsstempels des Bezirksamtes Wandsbek.

10.    Auskünfte
Nähere Auskünfte zum Interessenbekundungsverfahren erteilt:

Bezirksamt Wandsbek
Fachamt Sozialraummanagement
Herr Gönen und Herr Lindner
Telefon 42881- 4044 und 42881 - 2247.

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