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UNESCO-Antrag Speicherstadt und Kontorhausviertel mit Chilehaus

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Weltkulturerbe Speicherstadt und Kontorhausviertel mit Chilehaus

Im Februar 2014 hat die Bundesrepublik Deutschland den Hamburger Nominierungsantrag „Speicherstadt und Kontorhausviertel mit Chilehaus“ offiziell beim UNESCO Welterbezentrum in Paris eingereicht. In den umfangreichen Antragsunterlagen wird der außergewöhnliche universelle Wert der Hamburger Stätte deutlich gemacht. Dieser begründet sich aus den übergreifenden Kriterien der Einzigartigkeit, der Authentizität (historische Echtheit) und der Integrität (Unversehrtheit) in Verbindung mit einer Auswahl aus insgesamt zehn UNESCO-Kriterien

Hamburg war und ist eine dynamische Hafen- und Handelsmetropole, die sich in einem ständigen Veränderungsprozess befindet. Schon Ende des 19. Jahrhunderts wurde mit dem Bau der Speicherstadt ein Transformationsprozess eingeleitet, in dessen Folge Hamburg sich von einer Stadt mit durchmischten Wohn-, Kaufmanns- und Arbeitsquartieren zu einer modernen City mit Dienstleistungsvierteln entwickelte. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde dieser Prozess u. a. mit dem Bau des Kontorhausviertels fortgesetzt.

Die zwischen 1885 und 1927 in drei Bauabschnitten errichtete Hamburger Speicherstadt stellt bis heute das größte zusammenhängende, einheitlich geprägte Speicherensemble der Welt dar. Es vermittelt in einzigartiger Weise in Technik und Material die gleichzeitig ansehnliche und funktionsgerechte maritime Industriearchitektur des Historismus europäischer Prägung. Damit besitzt die Speicherstadt auch international eine hohe architekturgeschichtliche Bedeutung. Mit ihrer Komposition aus roten Backsteinbauten in neogotischen Architekturformen, ihren Straßen, Wasserstraßen und Brücken, die ihr das unvergleichliche Bild einer „Speicherstadt“ verleihen, ist dieser Teil Hamburgs prägender Bestandteil des gesamten Stadtbildes.

Eine vergleichbare Wirkung hat das gegenüberliegende Kontorhausviertel, insbesondere die Bauten seiner Kernzone, bestehend aus dem berühmten Chilehaus, dem Meßberghof, dem Sprinkenhof und dem Mohlenhof. Während die Bürohausarchitektur der 1920er und 1930er Jahre international noch durch den Beaux-Arts-Stil bzw. andere historisierende Formen geprägt wurde, wiesen die Bürohausbauten des Hamburger Kontorhausviertels bereits moderne Klinkerfassaden in expressionistischen und sachlichen Architekturformen auf. Insbesondere beim Chilehaus und beim Sprinkenhof erlangten diese Architekturformen eine kaum noch zu überbietende gestalterische und handwerkliche Virtuosität. Das Chilehaus von Fritz Höger gilt darüber hinaus mit seiner an einen Schiffsbug erinnernden Spitze und der charakteristischen Detaillierung seiner Fassaden als eine Ikone des Expressionismus in der Architektur. Dieses Hamburger Bauwerk dürfte in jedem Standardwerk über die Architektur des 20. Jahrhunderts abgebildet sein.

Um die Bedeutung der Hamburger Ensembles in einen internationalen Kontext zu stellen, haben ICOMOS Deutschland und die Kulturbehörde Hamburg/ Denkmalschutzamt in Zusammenarbeit mit der HafenCity Universität Hamburg und der Sutor-Stiftung im Oktober 2011 eine internationale Tagung mit dem Thema „Stadtentwicklung zur Moderne – Die Entstehung großstädtischer Hafen- und Kontorhausquartiere“ veranstaltet, in der internationale Vergleichsbeispiele für beide Themenbereiche, d.h. sowohl für die Architektur von Speicherhaus-Komplexen um 1900 als auch für die moderne Bürohaus-Architektur der 1920er/30er Jahre präsentiert und diskutiert wurden. Die Beiträge der Tagung sind in der Reihe ICOMOS – Hefte des Deutschen Nationalkomitees als Band LIV veröffentlicht worden und im Buchhandel erhältlich.

Ansprechpartnerin:

Dr. Agnes Seemann
agnes.seemann@kb.hamburg.de

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