Senatskanzlei

Koalitionsvertrag Wissenschaft und Forschung

Wissenschaft und Forschung

Wissenschaft und Forschung sind die zentralen Faktoren für die Zukunftsfähigkeit moderner Metropolen. Sie sind Motor für Innovation und damit für die Wettbewerbsfähigkeit Hamburgs. Zugleich sind Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen Orte gesellschaftlicher Reflexion, um Veränderungsprozesse im Hinblick auf ihre möglichen Chancen und Risiken analysieren zu können. Die Koalitionspartner wollen die Hamburger Hochschul- und Forschungslandschaft in ihrer Vielfalt und Qualität weiter stärken und Hamburg zur Wissenschaftsmetropole mit internationaler Anziehungskraft weiterentwickeln.

In Hamburg ist das akademische Leben ein wichtiger Bestandteil der Stadt. Hier studieren rund 97.000 Menschen an 19 staatlichen und staatlich anerkannten Hochschulen: allein über 41.000 an der ältesten Hamburger Universität, an der Technischen Universität Hamburg-Harburg sind es 7.000 und an der HafenCity Universität rund 2.500, an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) studieren über 16.000 und an den künstlerischen Hochschulen für bildende Kunst (HfbK) und für Musik und Theater (HfMT) über 2.000. Auch als Arbeitgeber haben die Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen mit über 22.500 Beschäftigten, darunter 13.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, insgesamt eine herausragende Bedeutung für die Stadt.

Die Entwicklung der Hamburger Hochschulen ist eine gemeinsame Verantwortung von Stadt und Hochschulen.

Die Koalitionspartner bekennen sich dazu, dass es eine der wichtigsten politischen Aufgaben ist, exzellente Rahmenbedingungen für Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen zu gewährleisten. Dies soll im intensiven Dialog mit den Hochschulen und den anderen Wissenschaftseinrichtungen geschehen.

Die Koalitionspartner erwarten und haben das Vertrauen, dass Hochschulen die ihnen gesellschaftlich zugeschriebene Rolle verantwortungsvoll ausfüllen, und unterstützen sie in ihrer Weiterentwicklung. Dabei respektieren die Koalitionspartner, dass die strategische Ausrichtung der Hochschulen in erster Linie von diesen eigenverantwortlich entwickelt wird.

Die Hochschulen benötigen neben dem gesetzlich zugestandenen Recht auf Selbstverwaltung Handlungsfreiheit, Flexibilität und Planungssicherheit und nehmen diese - gerade in gestalterischer und finanzieller Hinsicht - verantwortungsbewusst wahr. Den Hochschulen wird weiterhin auf der Grundlage von Hochschulvereinbarungen ein Globalbudget zur Verfügung gestellt. Überschüsse im Jahresabschluss können weiterhin übertragen und zur Bildung von Rücklagen verwendet werden.

Die Koalitionspartner wollen gemeinsam mit den Hochschulen auf den unterschiedlichen Handlungsfeldern folgende Entwicklungsziele verfolgen:

  • Hamburg bekräftigt den Anspruch der Hochschulen, in ausgewählten Bereichen exzellente Forschung und Lehre von internationalem Rang zu bieten.
  • Hamburg unterstützt die Hochschulen in ihrem Bestreben, jungen Leuten mit dem Studium eine berufliche Perspektive zu bieten, die den Anforderungen des Arbeitsmarktes gerecht wird. 43
  • Hamburg unterstützt die Hochschulen in ihrem Bestreben, die Stadtgesellschaft und ihre Wirtschaftstätigkeit für die Hochschulen als Forschungsfeld noch stärker zu erschließen.
  • Hamburg unterstützt die Nutzung der Potenziale durch die Ausweitung der Digitalisierung in Forschung und Lehre.

Stabile Finanzierungsgrundlagen

Um die Qualität in Forschung und Lehre zu verbessern, Bildungsgerechtigkeit sicherzustellen, die Internationalisierung voranzubringen, auf die zunehmende Diversität der Studierenden reagieren zu können und um das Berufsfeld Wissenschaft attraktiv gestalten zu können, ist eine ausreichende und verlässliche Grundfinanzierung der Hochschulen notwendig. Wir werden diese auf der Grundlage der abgeschlossenen Hochschulvereinbarungen fortentwickeln: Die Hochschulvereinbarungen gelten bis 2020. In 2015 erhalten die Hochschulen und die Staats- und Universitätsbibliothek (SUB) 642 Millionen Euro und im Jahr 2016 647 Millionen Euro. Hinzu kommen vollständig die Mittel des Hochschulpaktes III.

Die Hochschulvereinbarungen, deren Steigerungsvolumen sich auf das gesamte Globalbudget bezieht, enthalten folgende Revisionsklausel: „Im Fall eines längerfristigen Anstiegs der Geldentwertungsrate über das in den letzten Jahren gewohnte, mit dem Zielkorridor der Europäischen Zentralbank (zwei Prozent) kompatible Niveau hinaus werden Nachverhandlungen über eine Zuschusserhöhung geführt. Gleiches gilt, wenn die Tarifabschlüsse deutlich über dieser Rate liegen.“ Der Senat wird nach dem Tarifabschluss im Frühjahr 2015 im Dialog mit den Hochschulen bewerten, ob eine Revision erforderlich ist.

Über die Grundfinanzierung hinaus unterstützt der Senat die Hochschulen bei der Verfolgung ihrer Forschungsziele. Darauf zielt insbesondere die Landesforschungsförderung. Hier sollen insbesondere solche Forschungsprojekte gefördert werden, die einen Anschub benötigen, um bei der Drittmitteleinwerbung auf Bundes- und EU-Ebene erfolgreich zu sein. Das Instrument der Landesforschungsförderung soll gestärkt werden.

Die Koalitionspartner werden auch zukünftig die Etablierung von leistungsstarken Forschungseinrichtungen in Hamburg unterstützen und vorhandene ausbauen. Denn sie sind überzeugt, dass vom Ausbau der außeruniversitären Forschungseinrichtungen die Hamburger Hochschulen, die Wissenschaft und die Stadt als Ganzes profitieren. Hamburg steigert die Ausgaben für außeruniversitäre Forschungseinrichtungen (wie das DESY) in 2015 und 2016 um 6,3 Prozent. Die Zusammenarbeit beider Säulen des Wissenschaftssystems soll weiter gestärkt werden. Dazu ist es insbesondere notwendig, Verbünde von Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und bei Bedarf anderen Einrichtungen zu entwickeln. Durch die Berufung international anerkannter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stärken die Hochschulen ihre strategische Schwerpunktsetzung.

Exzellenz in Forschung

Die deutsche Forschungslandschaft hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert und wird sich auch weiter ausdifferenzieren. Die Koalitionspartner sind sich darin einig, den Anspruch von Hamburgs Hochschulen und Forschungseinrichtungen zu unterstützen, in ausgewählten Fachdisziplinen und Forschungsfeldern eine national und international führende Rolle zu spielen und diese auszubauen. Derzeit bieten die Erforschung von Struktur und Dynamik der Materie sowie die Klimaforschung dieses Potenzial. Wir wollen die Hochschulen auch dabei unterstützen, weitere Bereiche mit ähnlich guten Entwicklungschancen zu fördern; dazu gehören u.a. in den Geisteswissenschaften die Manuskriptforschung, des Weiteren die Infektionsforschung, die Materialwissenschaften und die Neurowissenschaften. Dabei werden die zu erwartenden Ergebnisse der Begutachtung des Hamburger MINT-Bereichs der Universität Hamburg, der Technische Universität Hamburg-Harburg (TUHH), der HafenCity Universität (HCU) und der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) durch den Wissenschaftsrat wichtige Impulse geben.

Im Jahr 2017 wird der X-FEL in Betrieb genommen. Er wird zu diesem Zeitpunkt der weltbeste Röntgenlaser sein, der eine bis dahin nicht bekannte Beobachtung und Erforschung der Materie auf molekularer Ebene ermöglicht. Die im Aufbau befindlichen Einrichtungen wie das Zentrum für strukturelle Systembiologie (CSSB) und das Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) sind Beispiele für leistungsstarke Forschungseinrichtungen. Mit dem Center for Ultrafast Imaging hat Hamburg einen Exzellenzcluster zur Erforschung grundlegender physikalischer und chemischer Prozesse im Bereich der Photonen- und der Nanowissenschaften. Das in Europa führende Grundlagenforschungsinstitut in den Lebenswissenschaften, das Europäische Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL), hat eine von mehreren Außenstellen in Hamburg auf dem Forschungscampus Bahrenfeld.

Mit dem Max-Planck-Institut für Meteorologie, dem Deutschen Klimarechenzentrum (DKRZ) und dem Helmholtz-Zentrum Geesthacht sowie den Gruppen der Universität Hamburg und ihrem Exzellenzcluster CliSAP hat Hamburg ein „Labor der Klimaforscher“, in dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Veränderungen des Klimasystems simulieren können.

Die Koalitionspartner sind sich einig, diese Beispiele herausragender Forschung weiter zu fördern.

Nach 2017 wird die Exzellenzinitiative von Bund und Ländern fortgesetzt. Hamburg ist bislang mit zwei Exzellenzclustern der Universität vertreten. Die Perspektive sollte sein, den Umfang der Teilhabe möglichst auszubauen.

Die Koalitionspartner wollen die Hochschulen dabei unterstützen, mindestens einen exzellenten Forschungsbereich in eine institutionelle Finanzierung von Bund und Ländern zu überführen. Dies wird möglich durch die Änderung von Artikel 91b GG. Diese erlaubt erstmals die Mitfinanzierung des Bundes von überregional bedeutsamen Forschungsbereichen unter Beteiligung von Hochschulen, wie sie bisher nur im Rahmen der außeruniversitären Forschungsorganisationen (Max-Planck-Gesellschaft, Helmholtz-Gemeinschaft, Leibniz-Gemeinschaft, Fraunhofer-Gesellschaft) außerhalb der Hochschulen möglich war. 

Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)

Die Koalitionspartner wollen das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf dabei unterstützen, sich als zentraler norddeutscher Standort in der Spitzenmedizin und medizinischen Spitzenforschung weiterzuentwickeln. Wir werden dafür Sorge tragen, dass sich das UKE an regionalen und überregionalen Forschungsprogrammen (Sonderforschungsbereiche, Cluster, Deutsche Zentren für Gesundheitsforschung) insbesondere der Europäischen Union, der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) erfolgreich beteiligen kann.

Die Koalitionspartner begrüßen die Fortführung der aktiven Beteiligung des UKE am Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF), am Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK), am Centre for Structural Systems Biology sowie an der epidemiologischen Langzeitstudie „Nationale Kohorte“. Die Koalitionspartner unterstützen den Ausbau der Zusammenarbeit mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen, in erster Linie mit dem Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin und dem Heinrich-Pette-Institut, Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie, insbesondere in den großen Forschungsschwerpunkten wie der international bedeutenden Infektionsforschung, den weltweit bedeutenden Armutserkrankungen und im Bereich der Technologieplattformen.

Die Neubauten der Kinderklinik am UKE und der Forschungstierhaltung werden in den kommenden Jahren realisiert. Danach wird zur Unterstützung der deutlich ausgeweiteten Forschung auch deren räumliche Unterbringung entwickelt werden. Um die herausragende Krankenversorgung am UKE, insbesondere am Universitären Herzzentrum, zu stärken, wird ein Neu- und Erweiterungsbau für integrative Herzmedizin auf den Weg gebracht.

Qualität von Studium und Lehre ausbauen

Die Verbesserung der Qualität von Bildung und Ausbildung der Studierenden hat für Hamburgs Hochschulen eine hohe Priorität. Wir unterstützen die Hochschulen darin, die Qualität der Lehre stetig zu verbessern, wie es z.B. derzeit erfolgreich an der HAW und an der TUHH geschieht.

Dabei verfolgt die TUHH, so wie das auch die anderen Hochschulen tun, das Ziel, die Zahl der Studienabbrecher zu reduzieren. Hohe Zahlen von Studienabbrecherinnen und -abbrechern zeigen, dass der Übergang Schule – Hochschule noch verbessert werden kann. Die Koalitionspartner unterstützen die Hochschulen bei der Entwicklung von Maßnahmen, z.B. in der Studieneingangsphase wie am Universitätskolleg der Universität Hamburg, um die Zahl der Studienabbrecherinnen und -abbrecher zu reduzieren und die bisher begonnenen Schritte weiter auszubauen. Dazu ist bereits ein Förderprogramm erarbeitet worden, das zusammen mit dem Bund umgesetzt wird.

Die Koalitionspartner begrüßen den hohen Standard in der Lehre und wünschen sich, dass das Qualitätsmerkmal „gute Lehre“ deutlicher nach außen gezeigt wird. Die Studienbedingungen werden im „Qualitätsdialog Lehre“ mit den Hochschulen durch das Nachsteuern im Bachelor-Master-System verbessert. Der Senat wird die Hochschulen beim weiteren Vorantreiben der Reform des Bachelor-Master-Systems unterstützen.

Die Bachelor- und Masterkapazitäten sind so zu berechnen, dass für weiterstudierwillige Bachelor-Absolventinnen und -Absolventen rechnerisch eine entsprechende Anzahl an Master-Studienplätzen vorgehalten wird.

Den Koalitionspartnern sind die Schwierigkeiten bewusst, denen Hamburger Lehramtsstudierende nach dem Bachelorexamen ausgesetzt sind, wenn sie in Hamburg das Masterstudium aufnehmen wollen: Einerseits konkurrieren sie mit Bachelor-Absolventinnen und -Absolventen aus anderen Bundesländern, die sich in Hamburg um einen Studienplatz bewerben; andererseits können sie regelhaft nicht auf andere Länder ausweichen, da die Zulassungsvoraussetzungen für das Masterstudium landes- oder sogar hochschulspezifische Anforderungen stellen und hierdurch Bewerberinnen und Bewerbern aus Hamburg in vielen Fällen faktisch keine Chancen einräumen. Intensive Bemühungen, diesem Missstand auf Ebene der Kultusministerkonferenz (KMK) abzuhelfen, waren bisher nur teilweise erfolgreich.

Wir werden einstufige grundständige Masterstudiengänge in den Lehrämtern konzipieren und im Wege einer gesetzlichen Experimentierklausel einführen, sobald die bundesweite Akkreditierung der Studiengänge vorliegt und die bundesweite Akzeptanz der Absolventinnen und Absolventen zum Referendariat in allen Bundesländern (Mobilitätswahrung) gegeben ist.

Mit Blick auf den sich abzeichnenden Fachkräftemangel strebt der Senat an, insbesondere in denjenigen Fachrichtungen Studienplätze bereitzustellen, in denen auch langfristig gute Berufsaussichten bestehen. Dazu wird der Senat einen Akademikermonitor einführen. Damit soll in Hamburg in der Zukunft immer mindestens so viel ausgebildet werden, wie der Arbeitsmarkt in der Metropolregion braucht.

Die Koalitionspartner werden die Hochschulen, insbesondere die HAW, bei der Umsetzung des im Hochschulgesetz verankerten Auftrags für ein Duales Studium unterstützen.

Es bleibt dabei: In Hamburg werden an staatlichen Hochschulen keine Studiengebühren erhoben.

Digitalisierung in Lehre und Forschung

Die Digitalisierung eröffnet auch im Bereich der Lehre die Perspektive zu tiefgreifenden Veränderungen. Mit der Hamburg Open Online University sollen die vielfältigen Chancen, die der Einsatz digitaler Technologien im Bereich der Hochschulbildung für die Hochschulen selbst, für die Gesellschaft und letztlich damit auch für die Stadt Hamburg bietet, genutzt werden.

Wir wollen die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass die Ergebnisse aus öffentlich finanzierter Forschung frei zugänglich gemacht werden können. Dazu werden wir gemeinsam mit den Hochschulen, der Staats- und Universitätsbibliothek Carl von Ossietzky und der Deutschen Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften eine Open-Access-Strategie entwickeln. 

In Kooperation zwischen der HafenCity Universität Hamburg (HCU) und einer in diesem Feld ausgewiesenen internationalen Universität oder Forschungseinrichtung wie dem Media Lab des Massachusetts Institute of Technology (MIT) soll ein Digital City Science Lab eingerichtet werden. Dafür hat der Senat eine Anschubfinanzierung in Höhe von 1,19 Mio. Euro bis Ende 2018 vorgesehen.

Öffnung der Hochschulen und Internationalisierung

Auch wer nicht das Abitur hat, soll später studieren können. Deshalb kommt es entscheidend darauf an, die Regelungen des Hamburgischen Hochschulgesetzes umzusetzen, damit beruflich erworbene Qualifikationen auch als Studienleistungen angerechnet werden. Zur Steigerung des Anteils beruflich Qualifizierter soll eine gemeinsame Kampagne mit Hochschulen, Handelskammer und Handwerkskammer ins Leben gerufen werden. Andererseits sollen Studierenden, die einen Weg in den nicht-akademischen Arbeitsmarkt suchen, durch eine Kooperation mit Handels- und Handwerkskammer die Perspektive einer dualen Ausbildung eröffnet werden. Dazu tragen auch die dualen Studiengänge bei, die an der HAW eingerichtet werden.

Die Koalitionspartner sind sich einig in dem Bestreben, mehr Menschen mit Migrationshintergrund, mehr Kinder aus einkommensschwächeren Familien und mehr ausländische Studierende an die Hochschulen zu bringen. Der demografische Wandel und die sinkende Zahl von Fachkräften machen es für die Hochschulen unabdingbar, wenn sie im internationalen Vergleich bestehen wollen, bei der Rekrutierung des wissenschaftlichen Personals, aber auch bei der Gewinnung von Studierenden sich stärker als bisher auf die Heterogenität dieser Gruppen einzustellen. Die Hochschulen haben erkannt, dass es wichtig ist, auf die zunehmende Diversität der Studierenden im Curriculum einzugehen, wie dies z.B. am Universitätskolleg bereits geschieht. Das ist auch im Hinblick auf die Senkung der Quote der Studienabbrecherinnen und -abbrecher zielführend. Die Koalitionspartner unterstützen die Hochschulen auf diesem Weg.

Die wachsende Globalisierung erfordert eine stärkere Internationalisierung der Hochschulen. Um gezielt Hamburg als Studienort für ausländische Studierende attraktiver zu gestalten, begrüßen wir ausdrücklich den Bau eines Gästehauses zur Umsetzung der Internationalisierungsstrategie der Universität Hamburg. Wir unterstützen die Hochschulen bei ihren Bemühungen, das englischsprachige Angebot auszuweiten.

Kapazitätsrecht

Die Koalitionspartner sind sich einig, dass die angestrebte Qualitätssteigerung in Lehre und Studium der Absicherung durch ein zeitgemäßes Zulassungsrecht bedarf. Angesichts der aktuellen Zulassungsentscheidungen der Gerichte soll schnellstmöglich ein Interimsgesetz erlassen werden, das zur Sicherung der Funktionsfähigkeit der Hochschulen das alte Kapazitätsgesetz für einen befristeten Zeitraum wieder zur Geltung bringen soll. Die Koalitionspartner sind sich einig, dass die Zeit genutzt werden soll, die Entwicklung des Kapazitätsrechts in der höchstrichterlichen Rechtsprechung auf Grundlage der Verfassungsbeschwerden von Hochschulen und aufgrund von Hauptsacheverfahren zu begleiten und um mit den Hochschulen einen gangbaren Weg zu finden. 

Anwendungsorientierte Wissenschaft

Stadt und Wirtschaft sind auf die wissenschaftliche Expertise der Hamburger Hochschulen und der außeruniversitären Forschungseinrichtungen angewiesen. Umgekehrt bietet die Stadtgesellschaft der Hamburger Wissenschaft eine Vielzahl von innovativen Forschungsthemen.

Deshalb soll das Band zwischen Hochschulen und Stadtgesellschaft intensiviert werden. Wo es sinnvoll ist, sollen die Hamburger Hochschulen stärker in die Clusterinitiativen der Stadt eingebunden werden, aber auch die Zusammenarbeit mit anderen Vertreterinnen und Vertretern der Zivilgesellschaft gestärkt werden. Durch die Verbindung von anwendungsbezogener Forschung und wirtschaftlichen Entwicklungen kann auch die Forschungs- und Entwicklungs-Intensität und -Kompetenz in den Unternehmen gestärkt werden, die noch unbefriedigend ist.

Hamburg hat Stärken in den Gesellschaftswissenschaften. Mit dem Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien (GIGA) hat Hamburg ein international sichtbares Spitzeninstitut. Hervorragende Forschung findet darüber hinaus in den Landesinstituten Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg, Institut für die Geschichte der deutschen Juden und Institut für Sicherheitspolitik und Friedensforschung an der Universität Hamburg statt. Das Hans-Bredow-Institut für Medienforschung an der Universität Hamburg erforscht Entwicklungen im Medienbereich, seine Aufnahme in die Leibniz-Gemeinschaft werden wir unterstützen. Das Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht hat die größte Spezialbibliothek Europas zum ausländischen und internationalen Privatrecht. Die Akademie der Weltreligionen in Hamburg ist eine herausragende Einrichtung im Bereich der Religionswissenschaften. Mit dem im Jahr 1900 gegründeten Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin hat Hamburg das größte und älteste Tropeninstitut Deutschlands.

Mit dem Energie-Campus (CC4E) der HAW in Bergedorf, dem InnovationsCampus for Green Technologies (ICGT) der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TUHH), dem Inkubator am Deutschen Elektronen-Synchrotron Forschungszentrum (DESY) und dem F+I-Park in Lurup sowie dem Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung (ZAL) hat Hamburg Technologiezentren, die genügend Wachstumspotenziale für junge Unternehmen, Innovation und Beschäftigung haben. Der Senat wird die Entwicklung der Zentren eng begleiten.

Die Hamburg Media School ermöglicht es, in einer Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft, passgenaue Aus- und Weiterbildungsangebote zu entwickeln und zugleich die betriebliche Weiterentwicklung praxisnah wissenschaftlich zu begleiten. Das werden wir weiter unterstützen.
Hamburg ist seit 2015 erstmals überhaupt Mitglied der Fraunhofer-Gesellschaft. Mit dem Fraunhofer-Center für Maritime Logistik und Dienstleistungen (CML) hat Hamburg erstmals eine Einrichtung der Fraunhofer-Gesellschaft in der Stadt angesiedelt. Der European ScreeningPort (ESP) ist seit 2014 in das Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Ökologie (IME) integriert. Um die Kompetenz in den Erneuerbaren Energien weiter auszubauen, wurde das Anwendungszentrum „Leistungselektronik für Regenerative Energiesysteme“ (ALR) an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW Hamburg) aufgebaut. Seit 2014 ist das ALR die Außenstelle des Fraunhofer-Instituts für Siliziumtechnologie (ISIT) in Schleswig Holstein.

Nachhaltige Wissenschaft

Dass Nachhaltigkeit in Lehre und Forschung eine größere Rolle spielen soll, wird von uns positiv begleitet. Wir unterstützen eine Wissenschaftskultur, die über die Grenzen der Fachdisziplin hinweg auch die großen Zukunftsprobleme im Austausch mit der Gesellschaft bearbeitet (transdisziplinäre Forschung). Zur wissenschaftlichen Anregung und Begleitung von Transformationsprozessen sollen durch die Wissenschaftseinrichtungen geeignete Formate identifiziert und geprüft werden und zum Einsatz kommen.

Die Koalitionspartner begleiten die Universität auf ihrem Weg zu einer Universität für eine nachhaltige Zukunft.

Mit der Akademie der Wissenschaften hat Hamburg bereits heute eine Einrichtung, die die Zusammenarbeit zwischen den Fächern, Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen intensiviert. Sie fördert zudem Forschungen zu relevanten gesellschaftlichen Fragen wie auch den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft.

Hochschul- und Forschungsbauten

Zu den unverzichtbaren Ressourcen einer Wissenschaftsmetropole gehört eine angemessene und den sich wandelnden Bedarfen angepasste bauliche Ausstattung der Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Hamburg hat hier viel geleistet, bewegt derzeit große Vorhaben und steht auch in der 21. Legislaturperiode vor großen Herausforderungen im Gebäudebestand und Neubau.

Zur Verbesserung der baulichen Infrastruktur an den Hamburger Hochschulen für Forschung und Lehre investiert Hamburg in den Hochschulbau. Fast 240 Millionen Euro für die Universität fließen in den Neubau am Geomatikum (177 Millionen Euro) und in den Physik-Forschungsbau Center for Hybrid Nanostructures (61 Millionen Euro).

Hinzu kommen der Mediencampus Finkenau und der Energiecampus Bergedorf für die Hochschule für angewandte Wissenschaften, die Kinderklinik am UKE und die Grundsanierung der Hochschule für Musik und Theater und die damit verbundene Schaffung neuer Überäume. Die Universität Hamburg wird ab 2017 rund 15 Mio. Euro für Sanierungen am Campus in Bahrenfeld und am Campus an der Bundesstraße erhalten. Diese zusätzlichen Mittel sind bereits jetzt eingeplant.

Nach dem Center for Free Electron Laser Science (CFEL) und dem Zentrum für Optische Quantentechnologie (ZOQ) sind am Campus Bahrenfeld weitere Forschungsbauten geplant: Für den Exzellenzcluster der Universität „Centre for Ultrafast Imaging“ (CUI) soll der Forschungsbau Hamburg Advanced Research Center for Bio-Organic Chemistry (HARBOR) errichtet werden. Der Neubau für das Centre for Structural Systems Biology (CSSB) wird bereits umgesetzt. Zudem soll auf dem Campus Bahrenfeld durch den Neubau eines Innovationszentrums die Gründung von Unternehmen aus den dort angesiedelten Wissenschaftseinrichtungen gefördert werden.

Der Philosophenturm wird saniert. In dieser Legislaturperiode wird eine Entwicklungsperspektive für den gesamten Von-Melle-Park erarbeitet.

Über die jetzt eingeleiteten Sanierungen für die HAW am Berliner Tor hinaus ist es wichtig, die Entwicklungsplanung für den Campus Berliner Tor insgesamt umzusetzen und damit auch eine Ersatzlösung für das E-Hochhaus vorzusehen.

Gemeinsam mit den Hochschulen und allen anderen Beteiligten wird es dem Senat gelingen, in dieser Dekade (2011-2020) mehr als eine Milliarde Euro in die Sanierung und den Bau von Hochschul- und Wissenschaftseinrichtungen in Hamburg zu investieren. Das ist ein starkes Bekenntnis zur Wissenschaft in Hamburg. Der Senat wird dabei darauf achten, dass diese Baumaßnahmen kostenstabil erfolgen und mit dem Mieter-Vermieter-Modell durchgeführt werden. Die im Rahmen der Umsetzung von Projekten im Mieter-Vermieter-Modell notwendigen Mietzahlungen der Hochschulen werden diesen in der jeweils erforderlichen Höhe zusätzlich zur Verfügung gestellt.

Leben und Arbeiten in der Wissenschaftsmetropole

Ziel der Koalitionspartner ist es, Wissenschaft als Beruf attraktiver zu gestalten.

Gleichstellung und Familienfreundlichkeit zu verbessern, ist weiterhin eine Herausforderung für Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Frauen sind in der Professorinnen- und Professorenschaft unterrepräsentiert. Die Gleichstellungspolitik an den Hochschulen muss schneller erkennbar Fortschritte erzielen. Dafür sollen sämtliche Steuerungsinstrumente offensiv genutzt werden. Bei Stellenbesetzungen sollen aktuelle Gleichstellungsstandards zum Beispiel der Deutschen Forschungsgemeinschaft und Erkenntnisse des Wissenschaftsrats Beachtung finden. Damit sich Studium und wissenschaftliche Arbeit besser mit Familienpflichten vertragen, wird der Weg zur familiengerechten Hochschule unterstützt.
Hamburg hat eine führende Position bei der Verankerung fairer Arbeitsbedingungen im Wissenschaftssektor. Mit dem mit den Hochschulen vereinbarten Code of Conduct sind Verbesserungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs und für befristet Beschäftigte auf den Weg gebracht worden. Die weitere Umsetzung werden wir gemeinsam mit den Hochschulen, Verbänden und Gewerkschaften bewegen. Wir werden die zusätzlichen Aktivitäten des Bundes, zum Beispiel beim Wissenschaftszeitvertragsgesetz, auf diesem Gebiet aktiv unterstützen und begleiten.

Für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler soll das Programm der sogenannten Dual Career, also die Unterstützung von Partnerinnen und Partnern von Neuberufenen und Nachwuchskräften in Wissenschaft und Forschung bei der Jobsuche, in Form eines gemeinsamen Netzwerkes aller Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen gestärkt werden.

Der Ausbau des Angebots an studentischem Wohnraum wird weiter gefördert. Der Senat unterstützt die Sanierung und den Neubau von Wohnraum für Studierende. Dazu sollen auch mit Zustimmung des zuständigen Bezirks Grundstücke speziell für studentisches Wohnen ausgeschrieben werden. Dem Studierendenwerk werden durch Beschluss der Bürgerschaft bei Bedarf in geeigneten Einzelfällen Grundstücke aus dem Allgemeinen Grundvermögen zu Preisen unterhalb des Verkehrswertes verkauft, um das Studierendenwerk bei der Schaffung von preisgünstigem studentischen Wohnraums zu unterstützen.