Hamburg macht Druck beim Klimaschutz – auch online
Vom 1. bis 7. November hat die Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften zur Konferenz „Klima 2010“ eingeladen. Experten und Interessierte diskutierten miteinander Schwerpunkte und Ziele zu dem Thema „Ressource Wasser“ – und das alles online.
Die Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) hat sie veranstaltet: Hamburgs weltweite Online-Klimakonferenz. „Vom heimischen Sofa aus“ meint Franziska Mannke, die das Projekt betreut, konnten die Nutzer an der Konferenz teilnehmen. Online-Konferenzen haben einige positive Aspekte zu bieten: Weltweit kann man ohne Anreise teilnehmen, die Kosten sind mit herkömmlichen Konferenzen verglichen niedrig und sie schonen auch Klima und Umwelt. Beste Voraussetzungen also für eine Veranstaltung über Klima und Wasser.
Auf der für die Nutzer kostenlosen „Klima 2010“ wurde diskutiert, wie man in Zukunft mit den weltweiten Wasserreserven umgehen muss, um die Versorgung der Weltbevölkerung nachhaltig zu sichern. Aber auch, wie man den Klimawandel abbremsen und so einer weiteren Verschlechterung in den Entwicklungsländern entgegenwirken kann. In den Themenbereichen Gesellschaft, Politik und Natur wurde in Chats diskutiert und die Nutzer konnten Rezensionen über die wissenschaftlichen Artikel abgeben. Die Konferenz bot Nutzern weltweit die Möglichkeit zur Teilnahme.
Walter Leal, Initiator des Klimaprojektes an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, gab den Starschuss für Klima 2010 mit einem Online-Rundgang auf der Konferenz-Webseite.
(Julian Boy)
Doch wie sieht es eigentlich mit den Ergebnissen der Konferenz aus? Denn schließlich sind viele Worte auch nur heiße Luft, wenn diese keine Ergebnisse nach sich ziehen. Hauptziel der Konferenz, so Leal, war die Sensibilisierung der Bevölkerung für das Thema. Durch Informationsaustausch zwischen Wissenschaftlern und Interessierten konnte der derzeitige Wissensstand vermittelt werden. Darüber hinaus wurde bereits nach der ersten Konferenz 2007 ein Klima-Informationsnetz gegründet, das sogenannte „ICCIP“. Die Konferenz sei somit ein„Aushängeschild für den Wissenschaftsstandort Hamburg“, meint Rainer Scheppelmann von der Hamburger Leitstelle für Klimaschutz.
Rainer Scheppelmann von der Leitstelle für Klimaschutz Hamburg auf der Eröffnungsveranstaltung der Klimakonferenz.
(Julian Boy)
Wasser ohne Klima geht nicht
Der Klimawandel geht uns alle an. Viele der Probleme, die durch den hohen Kohlendioxid-Ausstoß in den Industrie- und Schwellenländern verursacht werden, sind weltweit bemerkbar. Vor allem in Entwicklungsländern zeigen sich die Folgen: Hitzewellen, Dürren oder auch Überschwemmungen treten immer häufiger auf. Allein bei der Flut in Pakistan im Sommer 2010 starben mehr als 1.600 Menschen, 20 Millionen wurden obdachlos.
Auf der anderen Seite fehlen in einigen Regionen schon seit Jahren die Niederschläge, so dass die Dürren auch Hungernöte nach sich ziehen. In Indien und China, also in direkter Nachbarschaft zu Pakistan, vollzieht sich momentan eine dieser Jahrhundert-Dürren. Deren Folgen machen sich für die Bevölkerung immer stärker bemerkbar: Missernten, Mangelernährung und Krankheiten häufen sich. Dabei wird China von seinen Nachbarn beschuldigt, durch Flusskraftwerke die Trockenheit noch weiter zu steigern.
Laut UN haben rund 900 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, jedes Jahr sterben mehr als zwei Millionen an den Folgeerkrankungen durch den Gebrauch unsauberen Wassers. Wenn sich durch den Klimawandel die Situation weiter verschärfen sollte, sind nach Expertensicht Konflikte und Kriege ums Wasser wahrscheinlich.
Klimaschutz – wichtig auch für Hamburg
Nicht nur in von uns weit entfernten Regionen der Welt haben die Menschen mit den Klimaänderungen zu kämpfen. Auch in Hamburg ändern sich Wetter und Wasserhaushalt. Starkregenfälle und Hitzeperioden im Sommer sowie Sturm und Fluten im Winter werden zukünftig häufiger die Elbmetropole treffen. Mehr Regen im Winter, weniger im Sommer, jedoch steigt die Zahl von Starkregenschauern in den Sommermonaten. Hamburg hat gerade im Oktober 2010 eine neue Richtlinie zur Regenwasserentsorgung verabschiedet, die sich nach der Größe der versiegelten Flächen richtet. So soll verhindert werden, dass weitere Flächen versiegelt werden und bei Starkregen Keller und Straßen unter Wasser stehen. Auch um höheren Fluten in der Elbe zukünftig gewappnet zu sein, investiert Hamburg 650 Millionen Euro in den Ausbau des Hochwasserschutzes. Doch nicht nur Schutzmaßnahmen wie höhere Flutwälle und Flächenentsiegelung sind notwendig.
Hamburg muss auch seinen Anteil gegen den Klimawandel leisten. Hafen und Industrie, Verkehr, Firmen sowie private Haushalte müssen in Zukunft klimaschädliche Gase deutlich reduzieren. 15 europäische Metropolregionen haben sich dafür unter Federführung der Metropolregion Hamburg zusammengeschlossen. Unter dem etwas sperrigen Namen „EUCO2 80/50“ möchten sie im Vergleich zu 1990 bis zum Jahr 2050 80 Prozent ihrer Kohlendioxid-Emissionen reduzieren. Ein ehrgeiziges Ziel, das besonders für die Metropolregion nicht einfach umzusetzen ist. Denn in der Hansestadt teilen sich die vier Bereiche die Emissionen zu fast je einem Viertel auf. „Das bedeutet, dass die Metropolregion Hamburg vier Schwerpunkte im Klimaschutz hat“, sagt Rainer Scheppelmann.
Dabei müssen wirtschaftliche und ökologische Interessen nicht unbedingt gegensätzlich sein. Wenn beispielsweise die Hamburger Hafenwirtschaft vom Schutz der Elbe profitieren kann, sitzt sie mit im Boot. Auch aus diesem Grund haben sich die Hamburger Unternehmen verpflichtet, fünfzig Prozent Kohlendioxid-Emissionen bis 2050 einzusparen. Um den Klimaschutz in Hamburg noch weiter voranzubringen, investiert Hamburg rund 25 Millionen Euro jährlich.
„Klima 2010“ hat Probleme, aber auch Lösungen rund um das Thema Wasser und Klima aufgezeigt. Wichtig wird sein, wie die politischen Entscheidungsträger auf die sich weltweit verändernden Umweltbedingungen reagieren. Ende November beginnt die 16. UN-Klimakonferenz in Cancún. Auf der soll über ein Folgeabkommen des Kyoto-Protokolls verhandelt werden. Rainer Scheppelmann erhofft sich von ihr „kleine Schritte“, denn das weltweite Verständnis für ökologische und klimatische Themen wächst seiner Ansicht nach nur langsam.
Es bleibt dabei zu hoffen, dass die kleinen Schritte schnell genug gegangen werden, um den Klimawandel deutlich abzubremsen.

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