Startschuss für European XFEL Tunnelbau
(European XFEL)
Mit der traditionellen Tunnel- und Bohrertaufe fiel heute der Startschuss für den Bau des Tunnelsystems für den europäischen Röntgenlaser European XFEL. Über 500 Gäste nahmen an der festlichen Zeremonie auf der Baustelle in Schenefeld (Kreis Pinneberg, Schleswig-Holstein), dem zukünftigen Forschungscampus der Röntgenlaseranlage, teil. Morgen startet die erste der beiden Tunnelbohrmaschinen – TULA (für „Tunnel für LAser“), 6,17 Meter im Durchmesser, 71 Meter lang, 550 Tonnen schwer und 18 Millionen Euro teuer – in Richtung DESY-Bahrenfeld (Hamburg), wo sie im Sommer 2011 ankommen wird.
Die neue Röntgenlaser-Forschungsanlage liegt in den beiden Bundesländern Hamburg und Schleswig-Holstein und ist 3,4 Kilometer lang. Ihr Tunnelsystem besteht aus einer 2,1 Kilometer langen Röhre für den Elektronenbeschleuniger und einem „Fächer“ von fünf Röhren, die in der unterirdischen Experimentierhalle enden und in denen die Röntgenblitze für die Forschung erzeugt werden. Insgesamt werden in den kommenden zwei Jahren 5, 8 Kilometer Tunnelröhre gebohrt. Zwei Schildvortriebsmaschinen sind dafür im Einsatz, von denen die größere jetzt startet und unter Hamburger Stadtgebiet arbeiten wird. Der Tunnelbau erfolgt von Juli 2010 bis Sommer 2012.
Die beiden Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein beteiligen sich an dem deutschen Anteil der Kosten für die Röntgenlaseranlage mit zusammen 90 Millionen Euro. Hamburgs Wissenschaftssenatorin Dr. Herlind Gundelach hält dies für eine gute Investition: „Der European XFEL ist eins der größten Bauvorhaben für die Wissenschaft und ein in seiner Art weltweit einzigartiges Forschungsgerät, von dem wir uns viele Impulse für den Forschungsstandort versprechen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt bereiten sich schon intensiv auf die Nutzung des Röntgenlasers vor und erwarten viele neue Erkenntnisse in ihren Disziplinen.“
Wie der Bergbau unterliegt auch der Tunnelbau für den European XFEL einer besonderen Tradition, die bis heute für Bergleute und Tunnelbauer eine wichtige Rolle spielt. Zentraler Programmpunkt des heutigen Tunnelfestes war deshalb die feierliche Taufe von Tunnelröhre und -bohrmaschine, die vor Beginn der Bauarbeiten im Rahmen einer ökumenischen Andacht erfolgt. Während der stilecht vom Bergmannschor Ruhrkohle-Chor aus Herne begleiteten Zeremonie wurde auch eine Holzstatue der heiligen Barbara gesegnet und anschließend in einem Schrein an der Tunnelwand aufgestellt. Die heilige Barbara ist die Schutzpatronin der Bergarbeiter und Tunnelbauer und soll diese vor den Gefahren bei der Arbeit bewahren.
Die Patenschaft für die ersten Tunnel hat Dr. Herlind Gundelach, Senatorin für Wissenschaft und Forschung der Freien und Hansestadt Hamburg, übernommen. Als Taufpatin wird sie von den Tunnelarbeitern während der Bauzeit als irdische Vertreterin der heiligen Barbara angesehen, und der Tunnel trägt traditionell ihren Vornamen (Herlind-Tunnel).
Auch die Tunnelbohrmaschine wurde vor ihrem ersten Einsatz getauft. Ihr Name – TULA, TUnnel für LAser – wurde in einem öffentlichen Wettbewerb einer großen Hamburger Lokalzeitung ermittelt und heute bei dem Taufakt bekannt gegeben.
Mit dem europäischen Röntgenlaser European XFEL (X steht für Röntgen, FEL für Freie-Elektronen-Laser) entsteht in Hamburg und Schleswig-Holstein eine einzigartige Forschungsanlage, die ab 2015 Naturwissenschaftlern und industriellen Anwendern aus aller Welt völlig neue Forschungsmöglichkeiten eröffnen wird. Als weltweit einzige Forschungsanlage dieser Art wird der European XFEL hochintensive ultrakurze Röntgenblitze mit den Eigenschaften von Laserlicht erzeugen, und zwar 27 000 Mal in der Sekunde. Den Naturwissenschaften bietet diese Lichtquelle der Superlative ungeahnte Forschungsperspektiven. Von den Ergebnissen profitieren die verschiedensten Disziplinen und auch industrielle Anwender – beispielsweise wenn es darum geht, neue Werkstoffe und Materialien im Nanobereich oder wirkungsvollere Medikamente zu entwickeln.
Als internationales Projekt wird der European XFEL von einer eigenständigen Forschungsorganisation betrieben, der gemeinnützigen European XFEL GmbH, die im Herbst 2009 gegründet wurde. An dem Projekt beteiligen sich zurzeit 12 Länder. Vertreter Deutschlands und Hauptgesellschafter mit einem Anteil von über 50 Prozent ist das Forschungszentrum DESY, bei dem die Idee für die Röntgenlaseranlage geboren und auf den Weg gebracht wurde.
Weitere Informationen zum European XFEL: www.xfel.eu/de
Kontakt:
European XFEL GmbH
Petra Folkerts, Pressesprecherin
Tel.: (040) 8998-4977/-4595
Fax: (040) 8998-2020
press@xfel.eu

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