Zentraler Koordinierungsstab Flüchtlinge

Portrait Die Doppelspitze der Erstaufnahme in Bad Segeberg, Hamburger Außenstelle in Schleswig-Holstein

Die Erstaufnahme (EA) auf dem Gelände der ehemaligen Lettow-Vorbeck-Kaserne in Bad Segeberg ist eine „Hamburger“ Besonderheit: Betrieben vom Landesamt für Ausländerangelegenheiten in Schleswig-Holstein werden dort Geflüchtete untergebracht, die der Freien und Hansestadt Hamburg zugewiesen wurden, deren Bearbeitung des Asylantrages jedoch nicht unmittelbar abgeschlossen werden kann. Die Kooperation beider Länder ist für zunächst zwei Jahre vereinbart, die Flüchtlinge sollen maximal ein halbes Jahr in Bad Segeberg bleiben bis der Asylbescheid in Hamburg ausgestellt wird.

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Die Doppelspitze der Erstaufnahme in Bad Segeberg, Hamburger Außenstelle in Schleswig Holstein

05.12.2016 - Einrichtungsleiter Andreas Moll (Foto: links), DRK Betreuungsdienste Segeberg gGmbH, und Stefan Scholle (rechts) vom Landesamt für Ausländerangelegenheiten sind die beiden Verantwortlichen vor Ort. Da Moll als ehemaliger Berufssoldat bei der Bundeswehr auch im Auslandseinsatz in Afghanistan tätig war, ist er mit den kulturellen Begebenheiten der meisten Flüchtlinge bestens vertraut. Durch sein freundliches Auftreten und seine Art mit den Geflüchteten stets in Augenhöhe umzugehen, respektieren ihn die Menschen sehr. Bei Stefan Scholle, Seiteneinsteiger im öffentlichen Dienst und staatlicher Leiter der Außenstelle, laufen hingegen alle Fäden zusammen. Er fungiert als Schnittstelle für die DRK Betreuungsdienste Segeberg, dem Land Schleswig Holstein und der Freien und Hansestadt Hamburg. Auch er wird von den Bewohnerinnen und Bewohnern sehr geschätzt, da die beiden ein eingespieltes Team sind und die Geflüchteten sich auch deswegen in der Unterkunft sehr wohl fühlen. Dies hat sich anscheinend bereits rumgesprochen: Viele Flüchtlinge, die neu in Hamburg eintreffen, fragen gleich nach ihrer Ankunft in der Zentralen Erstaufnahme nach der Möglichkeit in Bad Segeberg unterzukommen.

Nicht ohne Grund sind Moll und Scholle deshalb stolz auf „ihre“ Einrichtung, die sich teilweise stark von den anderen Erstaufnahmen auf Hamburger Stadtgebiet unterscheidet, was auch daran liegt, dass die Unterkunft nach schleswig-holsteinischen Konzepten betrieben wird. Auf dem Gelände gibt es z.B. eine eigene Polizeiwache, die täglich von 7-19 Uhr mit sechs Beamten besetzt ist, außerdem bereitet der Caterer jeden Mittwoch ein zumeist orientalisches Gericht zu, welches sich die Flüchtlinge zuvor selber gewünscht haben. Andreas Moll plant bereits für die Zukunft, zusammen mit dem DRK, ein interkulturelles Kochbuch daraus zu machen. Der Ärztliche Dienst in der Unterkunft, der ebenfalls täglich für die Bewohnerinnen und Bewohner erreichbar ist, wird mit Personal der „Notarzt-Börse“, einer privaten Vermittlungsagentur für Notärzte aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg, besetzt.

Auf dem weitläufigen Grundstück, heute Levo-Park genannt, stehen die ehemaligen Backsteingebäude der Bundeswehr, die umfangreich saniert wurden und teilweise noch werden. Auf den drei großen Freiflächen drumherum befinden sich rund 500 Wohncontainer, die zurzeit 145 Menschen beherbergen, da die Einrichtung noch in Belegung ist. Darunter sind momentan 26 Schulkinder und 18 im Kindergartenalter, die vor Ort beschult werden bzw. in der Kinderbetreuung untergebracht sind. Auch ein religionsübergreifender Gebetsraum, „Raum der Stille“ genannt, ein Waschcenter und eine gutsortierte Kleiderkammer befinden sich in der EA, die derzeit für die Aufnahme von 600 Menschen vorbereitet ist. Und sollten wider Erwarten die Flüchtlingszahlen nochmal ansteigen, so sagen Andreas Moll und Stefan Scholle wie aus einem Munde, könnten sie auch kurzfristig bis zu 1500 Menschen versorgen. Wie gesagt, die beiden sind ein eingespieltes Team in der Hamburger Außenstelle in Bad Segeberg.