Zentraler Koordinierungsstab Flüchtlinge

Menschen Ein kleiner Garten wird zur neuen Heimat

Abir Doufash (35) und ihr Ehemann Eid Sunbol (48) sitzen im Vereinshaus des Kleingartenvereins (KGV) 458 „Heimat Höpen“ und erzählen ihre Geschichte. Wie sie sich im Sommer 2015 auf den Weg machten und ihre syrische Heimat, vom Krieg zerschunden, verließen und nur mit den Sachen die sie am Körper trugen ca. 4.000 Kilometer über die Türkei via Österreich nach Deutschland flüchteten und schlussendlich in Hamburg in einer Erstaufnahme im Bezirk Harburg unterkamen.

Ein kleiner Garten wird zur neuen Heimat

21.02.2017 - Nach einiger Zeit zwischen Hoffen und Bangen folgten die Genehmigung ihres Asylantrags und die Verlegung in eine Langenhorner Folgeunterkunft am Lademannbogen. „Von Anfang an wurden wir freundlich in Deutschland aufgenommen“, sagt Abir mit einem Lächeln im Gesicht, und erzählt weiter, wie glücklich und dankbar sie darüber ist, „dass Deutschland so vielen Kriegsflüchtlingen Asyl gegeben hat“.

Parallel zum Umzug in die Folgeunterkunft halfen Mitglieder der lokalen Initiative „Hummelsbüttel hilft“ den beiden Geflüchteten bei ihren ersten Schritten in der neuen Umgebung und vermittelten einen Kontakt zum nahegelegenen KGV „Heimat Höpen“. Dort zeigte man sich nach einigen Diskussionen interessiert, Flüchtlingen die Möglichkeit zu geben einen Kleingarten zu übernehmen und selbständig zu kultivieren. Da Abir und Eid bereits in Syrien erfolgreich einen Garten bewirtschaftet hatten und sie außerdem großes Interesse mitbrachten, bot man ihnen im Mai 2016 eine eigene Parzelle an.

Als die beiden den verwilderten Garten zum ersten Mal sahen, wurde sogleich ihr Ehrgeiz geweckt: „Dieses schöne Stückchen Erde wollten wir wieder mit Leben füllen und ein kleines Paradies daraus schaffen“, sagt Eid. „Ich wünsche mir, dass sich auch die Nachbarn freuen, wenn sie unseren Garten sehen“, ergänzt Abir. Mit viel Energie und wenig Mitteln gelang es den beiden Neupächtern mit tatkräftiger Unterstützung von Gartenfreunden innerhalb kurzer Zeit das Grundstück aus dem Dornröschenschlaf zu befreien: Wege wurden wieder sichtbar, Beete bepflanzt, ein kleiner Teich zu neuem Leben erweckt und die marode Gartenlaube renoviert. Zusätzlich spendeten Nachbarn Geschirr und andere Dinge des täglichen Bedarfs.

„Dieser Garten und diese Stadt sind unsere neue Heimat geworden. Wir möchten uns hier unsere Zukunft aufbauen, bald eine Arbeit und eine schöne Wohnung in der Umgebung finden“, sagt Abir hoffnungsvoll. Beide lebten und arbeiteten vor dem schrecklichen Krieg in Damaskus und waren selbständige Maler. Wobei sie nicht nur Wände mit frischer Farbe bemalten, sondern auch richtige Kunstwerke, z.B. Landschaften und Stilleben, in die Wohnzimmer ihrer Auftraggeber zauberten.

Holger Petersen (56), auch Kleingärtner in der „Heimat Höpen“ und Freund von Abir und Eid, sitzt zusammen mit Volker Gehrmann (73), Vorsitzender des KGV, ebenfalls am Tisch und nickt zustimmend. Er ist begeistert von der Freundlichkeit und dem Fleiß der zwei Syrer und unterstützt diese mit Rat und Tat. „Nach der langen Flucht brauchen die beiden einen beständigen Ort an dem sie zur Ruhe kommen können“, so Petersen. Deshalb ist der Online-Marketing-Fachmann aktuell auf der Suche nach Spendern für die bald fällige Garten-Jahrespacht, am besten auch gleich für das kommende Jahr. „Anfängliche hitzige Gespräche über die Aufnahme von Flüchtlingen in unseren Kleingartenverein verstummten schnell“, betont Volker Gehrmann. „Durch ihren Charme und Geschick konnten sie Kritiker schnell umstimmen und für sich gewinnen“.

Abir und Eid freuen sich bereits auf den Hamburger Sommer, obwohl sie deutlich längere und wärmere Sommer gewohnt sind. Eid möchte gerne Kartoffeln und Spinat anbauen und träumt von eigenen Auberginen. Auch wenn die syrischen Auberginen deutlich intensiver schmecken und viel kleiner sind. „Aber alles nur Gewohnheit, die deutsche Aubergine kann man dafür besser grillen“, führt Eid aus. Und bald kommt hoffentlich auch Abir’s Sohn Laith nach Hamburg. Der Dreizehnjährige ist auf der Flucht bei Verwandten in der Türkei untergekommen und wartet noch auf seine Einreiseerlaubnis. „Laith wird große Augen machen, wenn er unseren schönen neuen Garten sieht“, glaubt Abir. „Und wenn wir dann gemeinsamen am Lagerfeuer sitzen, sind wir endlich wieder eine richtige Familie.“

Holger Petersen hat für die Familie eine E-Mail-Adresse (neueheimathoepen@gmail.com) eingerichtet, unter der sich potentielle Spender melden können, um sich an der Jahrespacht zu beteiligen oder diese ganz zu übernehmen. Außerdem wünschen sich Abir Doufash und Eid Sunbol für das Frühjahr ein paar heimische Samen, Blumen oder Gräser.