Bosse live in Hamburg
Tanzt mit mir!
Sein Verein ist gerade aufgestiegen und er spielt zwei Mal in seiner Wahl-Heimat: Beste Voraussetzungen also für Bosse, um mit jeweils 1.500 Fans in der Großen Freiheit 36 das Tanzbein zu schwingen.
Es ist „the same procedure as every year“: Bosse kommt nach Hamburg und die Große Freiheit 36 ist zwei Abende in Folge ausverkauft. Etwas hat sich dann aber doch geändert. Mit seiner fünften Scheibe, 'Kraniche', ist Axel „Aki“ Bosse zum ersten Mal in die Top Ten der Charts vorgedrungen. „Schönste Zeit“ ist Dauergast in den Playlists verschiedener Radiosender und man könnte sagen, Bosse habe den Pop und damit der Mainstream Bosse entdeckt. Doch ganz so einfach ist es nicht. Denn was der Wahl-Hamburger und seine Band in der Großen Freiheit ablieferten, ist selten so faltenfrei wie glatt gebügelter Pop, sondern vor allem schweißtreibend.
Bosse ist mittendrin statt nur dabei
Seine Tochter schaue, so plaudert Axel Bosse, lieber „The Voice Kids“ statt das Konzert ihres Vaters zu besuchen. Und während dessen Verein, Eintracht Braunschweig, am Freitagabend erst in der Nachspielzeit den Aufstieg in die Bundesliga perfekt macht, ist „Aki“ von Anfang an voll da. Zwar eröffnet er das Heimspiel mit dem Titelstück seines neues Albums eher ruhig, doch unmittelbar danach beweist der sympathische Sänger, dass seine Vorfreude auf die Hamburg-Gigs nicht nur schnöde Lippenbekenntnisse sind. Wo andere Künstler nicht müde werden, den Namen der gerade bespielten Stadt zu erwähnen, zeigt Bosse bereits beim dritten Song „3 Millionen“ keine Berührungsängste, indem er einen Ausflug ins Publikum wagt. Es soll nicht der letzte bleiben.
Der tanzende Kumpeltyp
Die Bühne ist mit einfachen Lampen eines schwedischen Möbelkonzerns illuminiert, in die verschiedene Bilder projiziert werden. Das sieht liebevoll aus und mit der gleichen Leidenschaft und Hingabe schwitzen sich Band und vor allem „Aki“ Bosse durch den Abend. Selbst die Galerie belohnt den Körpereinsatz, indem sie bei „Schönste Zeit“ oder „Sommer lang“ kräftig mitsingt und es bei „Istanbul“ dem hüpfenden Innenraum gleichtut. Etwas überraschend ist der hohe Anteil der Männer in der Freiheit. Doch Axel Bosse verkörpert einerseits den heißen Typ mit Gitarre, andererseits den Kumpel im Stadion, und so tanzen, schmusen und schmachten alle miteinander. Ohne ein Fernsehverbot dürfte seine Tochter heute Abend so einiges verpassen.
Autor: Jens Prüwer







