Neil Young live in Hamburg
Auf dem schmalen Grat
Zum ersten Mal seit zwölf Jahren ließen sich Neil Young und seine ewigen Wegbegleiter Crazy Horse am Montagabend in Hamburg blicken. In der o2 World gab der legendäre Rocker ein zweistündiges Konzert, dem es an Abwechslung, aber nicht an Spielfreude mangelte.
Auf den ersten Blick waren es alte Männer mit dicken Bäuchen, die am Montagabend in der o2 World vor dicken Verstärker-Attrappen dicke Gitarre spielten. Verhören konnte sich indes niemand der rund 7.000 Zuschauer, dass es sich beim Hutträger des Quartetts um Neil Young handelte, der mit seiner ewigen Begleitband Crazy Horse zum ersten Mal seit zwölf Jahren wieder durch Deutschland rockt. Getreu dem Motto seines '79er Live-Albums 'Rust Never Sleeps' lieferte er sich mit seinem Rhythmusgitarristen Frank „Poncho“ Sampedro zahllose Gitarrenduelle, bei dem die Körper rasteten, doch kein Finger rostete.
Young spielt Cowboy und Indianer
Den weitesten Weg wird Neil Young an diesem Abend zum Klavier auf der linken Seite der Bühne gehen, an dem er im Akustik-Set den Country-Klassiker„Singer Without A Song“ anstimmt. Es soll nach „Heart Of Gold“ und Bob Dylans „Blowin' In The Wind“ nur ein kurzer Trip in die Hippie-Zeit bleiben, ehe sich Bassist Billy Talbot, Sampedro und Young wieder um das überdimensionale Mikrofon versammeln. Dort bilden sie eine verschworene Gemeinschaft, die ihre Songs zelebriert wie einst Indianer-Häuptling Crazy Horse den Tanz ums Feuer: Häufig laut, stets zwischen Belanglosigkeit und Begeisterung.
Lehrbuch der Rockgitarre
Viel zu selten schöpft der 67-jährige allerdings aus den über vier Jahrzehnten Musikgeschichte, die er miterlebt und als Singer/Songwriter und „Godfather of Grunge“ maßgeblich geprägt hat. Stattdessen führt er ein Lehrbuch der Rockgitarre auf, wobei das Kapitel „Dynamik“ weitgehend ausgelassen wird. Die zehnminütigen Songs folgen dem immer gleichen Schema, in dem jeder Strophe ein Solo oder ein meisterhaft kontrolliertes Feedback folgt. „It's better to burn out than to fade away“ singt er zum Abschluss in seiner Hymne „Hey Hey (My My)“: Neil Young wandert auf dem schmalen Grat dazwischen.
Autor: Jens Prüwer







