Katzenjammer in Hamburg Frauen-Quartett, das schnurrt und qualmt

Die norwegische Frauen-Popband Katzenjammer überzeugte durch viel Charme, Charisma und musikalisch sehr komplexer Musik. Es war eine gelungene Synthese aus anderthalb Stunden kurzweiliger Bühnenperformance, satten Songs und einem breiten Spektrum an Instrumenten. 

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Katzenjammer

Mit dem äußerst melodiösen und Folk-lastigen Stück „Rock-Paper-Scissors“ stieg das Quartett ein. Die rund 2.500, überwiegend weiblichen Zuschauer waren sofort aus dem Häuschen. Es wurde gewippt, geschunkelt, geklatscht, getanzt und mitgesungen. Die Band ist von unterschiedlichen Stilrichtungen inspiriert. Es klingt nach Montmartre in Paris, verqualmten Whiskey-Bars, Jazz, Rock, Folk, Country, natürlich Chansons. Die Bandmitglieder beherrschen mehrere Instrumente, die während Liveauftritten bei fast jedem Lied gewechselt werden. Wenn die Schlagzeugerin Akkordeon spielt, die Sängerin exaltiert den Stakkato-Rhythmus anheizt und die Drummerin daraufhin zur Trompete greift, ist man bei Katzenjammer.

Comics und Balladen

Die norwegische Gruppe, meist englisch singend, suchte sich den sehr deutsch anmutenden Namen aufgrund eines Comicstrips namens „The Katzenjammer Kids“ aus, wie Sängerin Anne Marit Bergheim aufklärte. „Es ist unser zehnjähriger Geburtstag“, heizte sie dem eh schon sehr enthusiastischen Publikum an diesem Dienstagabend ein, während, Akustik- und E-Gitarre, Akkordeon, Mandoline, Ukulele und Glockenspiel schwangen und klangen. Es war Balladiges dabei, eine skandinavisch kühle, dennoch sehr pointierte Lichtshow und alles in allem trotz einer rasanten musikalischen Fahrt sehr viel Wärme, die im unwirtlichen Dezember herüber strahlte. Bei „Lady Grey“, dem Tophit ihres gerade erschienenen dritten Albums „Rockland“, rockte die Hütte in Winterhude.

Skandinavien-Pop ohne Morgen

Sie hatten schon zwei Top-Ten-Alben in den deutschen Charts, wurden vom Talking-Heads-Frontmann David Byrne protegiert und sind auf internationalen Festivals einer der angesagten Acts. Aus Hamburger Sicht gilt der Auftritt in Ina Müllers trashigem Nacht-Programm im Schellfisch-Posten auf dem Kiez, wo sie bereits 2010 ihren Kracher „A Bar in Amsterdam“ zelebrierten, als ein Höhepunkt. Diesmal wackelten zwar keine Barhocker, aber der Hallenboden vibrierte mächtig. Es gab eine sehr beeindruckende Cover-Version des Kulthits von The Clash, „London Calling“, nordischen Shantys ließ Seefahrter-Romantik aufkommen. Bei „Land of Confusion“ und „Old de Spain“, am Ende des überzeugenden Gigs, war es, als gebe es kein Morgen.       

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Frauen-Quartett, das schnurrt und qualmt
Die norwegische Frauen-Popband Katzenjammer überzeugte durch viel Charme, Charisma und musikalisch sehr komplexer Musik. Es war eine gelungene Synthese aus anderthalb Stunden kurzweiliger Bühnenperformance, satten Songs und einem breiten Spektrum an Instrumenten. 
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