Hafengeburtstag: Schiffe zu Mitsegeln Freya

Vom Inselversorger zur königlichen Yacht, dann zum fahrenden Tankschiff und schließlich zur stationären Dieselhulk und wieder zum üppig ausgestatteten Fahrgastschiff – das waren bisher die Stationen auf dem Weg dieses bemerkenswerten Schiffes.

Freya

Freya: Technische Daten

Typ: Seitenrad - Dampfer
Nation: Deutschland
Indienststellung: 12. September 1905
Länge ü.A.: 51,60 m
Breite: 11,50 m
Tiefgang: 2,29 m
Eigner: Reederei Adler-Schiffe GmbH & Co. KG
Heimathafen: Kiel

Kurzbeschreibung

Vor mehr als 100 Jahren lief der Raddampfer als Westerschelde bei der heute noch bestehenden Werft der Gebr. Jan & Kees Smit am Kinderdijk in der Nähe Rotterdams unter der Nummer 514 vom Stapel. Auftraggeber war die Reederei Provinciale Stoomboot Diensten (PSD). Sie setzte das elegante Fahrgastschiff mit seinem schwarz–goldenen Rumpf überwiegend auf der Ooster – und Westerschelde ein, gelegentlich auch zur Versorgung  der Insel Zeeland. Die ersten beiden Jahre verliefen ohne Zwischenfälle, vom 2. Mai 1907 jedoch berichten die Chroniken, dass der Raddampfer im dichten Nebel an der Mittelplate der Westerschelde aufsaß.

Vier Tage mussten die Passagiere und Pferde warten, bis es gelang den Dampfer unbeschädigt von der Sandbank zu ziehen. Der Unfall hatte dem Schiff offensichtlich nicht geschadet, denn wenige Monate später vertraute Königin Wilhelmina dem Raddampfer bei ihrem Besuch auf der Insel Zeeland am 13. September 1907.

Der nächste Havariebericht stammt aus dem Jahr 1930, als beim Umsteuern der Dampfmaschine das gesamte Heck eingedrückt wurde. Dies scheint den Entschluss der Reederei bestätigt zu haben, dass die Zeit der Raddampfer auf der Schelde vorüber sei, denn 1933 wurde das Schiff an die Werft De Clerk in Terneuzen verkauft. Dort hatte man anscheinend doch keine Verwendung oder baute die Westerschelde bereits zum Bunkerschiff um, genaueres ist nicht bekannt. Unter dem neuen Namen De Zwaan  nutzte sie jedenfalls P.J. Zwaan 1935 als schwimmende Tankstelle auf den niederländischen Kanälen für die schnell wachsende Flotte dieselgetriebener Binnenfrachter. Erst 1965 wurde aus der fahrenden eine feste Dieseltankstelle, die nun die Gebrüder Sles betrieben. Clemens Key aus Rotterdam erkannte, welches maritime Kleinod sich hinter der unansehnlichen Tankstelle verbarg und erwarb 1988 den Rumpf. Mit viel Enthusiasmus und Fachwissen entstand in den beiden nächsten Jahre der exklusive Salondampfer De Nederlander, dessen nostalgischer, messingverbrämter Charme in den Niederlanden bald legendär wurde, nicht zuletzt wegen der historischen Dampfmaschine aus dem Jahr 1920 mit ihrem schottischen Einflammrohr – Kessel.  Zusätzlich sorgt allerdings moderner Klöcknerdiesel für die nötige Sicherheit und Wendigkeit bei schnellen Manövern im Schiffsgewühl vieler Hafenfeste. Als 1999 der Sylter Reeder Sven Paulsen (Adler Schiffe) die alte Lady erwarb und nach einer gründlichen Überholung unter dem Namen Freya in Dienst stellte, knüpfte er damit an die Tradition der beiden bauähnlichen Schiffe Freya und Frisia an. Sie verbanden bis 1927 Sylt mit dem Festland. 2005 feierte die Reederei mit einer Reihe von Veranstaltungen den 100. Geburtstag der Freya und verlegte im gleichen Jahr den Heimathafen von List nach Kiel.

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