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Geschichte Altonas schwere Jahre ...

Altonas schwere Jahre ...

Nach diesen guten Jahrzehnten brachte die Franzosenzeit für Altona schwere Jahre. Das begann schon mit der Blockade durch die Engländer 1799 und der Stellung Altonas als südlichster Vorposten Dänemarks, das mit den Franzosen verbunden war. Im November 1806 verkündete Napoleon im Kampf gegen England die Kontinentalsperre, und damit waren Handel und Seefahrt sowohl für Altona wie für Hamburg über Jahre vernichtet. Nachdem Hamburg 1810 eine französische Stadt geworden war, fehlte nicht viel, dass Altona dasselbe Schicksal wie 1713 beim Schwedenbrand erlitten hätte. Zum Glück stand aber als Oberpräsident in dieser Zeit Graf Conrad von Blücher den Bürgern der Stadt bei, und seinem geschickten Verhalten gegenüber Franzosen und Russen ist die Rettung Altonas zu verdanken. Der französische Befehlshaber Davout hatte sich auch zu den Zeiten, als es mit Napoleon bereits bergab ging, in Hamburg festgesetzt, und einschneidend waren die Dezembertage 1813, als an die Hamburger Bürger der Befehl ergangen war, sich bis zum 1. Juli 1814 mit Lebensmitteln zu versorgen, andernfalls man die Stadt zu verlassen habe. Lange Elendszüge von abgehärmten Gestalten, Frauen mit kleinen Kindern, Alten und Kranken, machten sich über den Hamburger Berg auf den Weg nach Altona. Sie wurden dort, so gut es ging, untergebracht, aber Altona geriet daraufhin erst recht zwischen die Fronten von Russen einerseits und Franzosen andererseits. Im April 1814 kam es fast vor Altona zu einer Schlacht zwischen dänischen und englischen Kanonenbooten einerseits sowie dem französischen Festungskommandanten Davout, der drohte, Altona in Brand zu schießen. Erst die Niederlage Napoleons brachte auch Davout zur Aufgabe.

Dass diese Jahre für Altona so glimpflich abliefen, ist ohne Zweifel auch dem klugen und unerschrockenen Handeln des Oberpräsidenten von Blücher zu verdanken, der bis zu seinem Tod im Jahr 1845 in seiner Stellung blieb. Das Todesjahr Blüchers wiederum markiert einen Einschnitt, denn ein Jahr zuvor haben für Altona "moderne Zeiten" begonnen: Noch bis in die dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts hatte sich Altona im wesentlichen zwischen dem Grenzbach nach Hamburg und der Palmaille erstreckt, nach Norden bis zum Nobistor und etwas über die Königstraße hinaus. Zwischen Altona und Ottensen aber lagen freie Felder.

Die Entscheidung, die erste Eisenbahnlinie Schleswig-Holsteins nicht in der Stadt direkt, sondern an der westlichen Grenze Altonas auf freier Fläche ganz in der Nähe der Christianskirche in Ottensen enden zu lassen, führt zu einer möglichen Stadterweiterung, die Altonas Wachstum im 19. Jahrhundert ganz maßgeblich begünstigt. 1844 wird die Christian-VIII.-Ostseebahn eingeweiht.

Als Endpunkt dient das heutige neue Rathaus am Platz der Republik, damals Bahnhof und Tor nach Norden für den Warenumschlag von der Elbe zur Ostsee. Bürgermeister Behn entwirft in diesen Zeiten einen Stadterweiterungsplan, der schon das heutige Straßennetz zwischen Max-Brauer-Allee und der Holstenstraße klar aufweist, wenn auch die Bebauung zum Teil noch dreißig bis vierzig Jahre dauern wird. Die Lage des Bahnhofs direkt an der Geestkante zeigt aber auch, welchen Nachteil die geographische Lage Altonas im Verhältnis zu Hamburg bereit hält: Der Uferstreifen an der Elbe ist schmal, das Gewerbe kann sich nicht in die Breite, sondern nur in die Länge ausdehnen, und will man vom Hafen Waren weiter an Land transportieren, muss man eine "schiefe Ebene" überwinden, und das mit den technischen Möglichkeiten des 19. Jahrhunderts. Hamburg dagegen hat am Hafen Platz, ihm gehören die Elbinseln, und es kann von daher der stürmischen Entwicklung von Handel und Industrie Platz machen.

Hinzu kommt seit 1853 der Verlauf einer neuen Zollgrenze zwischen Ottensen und Altona, der dazu beiträgt, dass in Altona selbst eine nennenswerte Gewerbeerschließung oder Industrialisierung überhaupt nicht stattfindet, stattdessen aber Ottensen stürmisch auflebt, später auch Bahrenfeld nach dem Bau der Vorortsbahnstrecke von Altona nach Blankenese.

Mitte des 19. Jahrhunderts wird Altona wiederum in machtpolitische Auseinandersetzungen hineingezogen, die diesmal - und das erstmals seit mehreren hundert Jahren - die "nationale Frage" zum Gegenstand haben: 1848 hatten sich die Schleswig-Holsteiner gegen die dänische Herrschaft erhoben, nachdem zuvor Dänemark unverhohlen zumindest die Einverleibung des Landesteils Schleswig betrieben hatte. Die sogenannte "Schleswig-Holsteinische Erhebung" von 1848 bis 1850 endet bekanntlich mit einer Niederlage gegen die Dänen, nachdem unter anderen die Preußen aus Großmachtinteressen ihr Engagement für Schleswig-Holstein aufgeben.

Nach der Schaffung der oben beschriebenen Zollgrenze 1853 machen sich die dänischen Landesherren auch in Altona nicht beliebter, und 1863 wird zu einem konfliktträchtigen Jahr: Friedrich VII. schließt am 30. März Holstein und Lauenburg aus dem dänischen Gesamtstaat aus, trotz des seit 400 Jahren gültigen Vertrages von Riepen, wonach die Herzogtümer Schleswig und Holstein "up ewig ungedeelt" sein sollen. Nach dem Tod Friedrich VII. im Herbst 1863 geht die Personalunion zwischen dem dänischen Königtum und dem augustenburgischen Herzogtum Schleswig-Holstein zu Ende. Nachfolger Christian IX. unterzeichnet ein "Grundgesetz" für die gemeinschaftlichen Angelegenheiten Dänemarks und Schleswigs, womit er die Einverleibung des Landesteils Schleswig in den dänischen Gesamtstaat vollzieht. Dieses ist ein günstiger Vorwand für Bismarck, den preußischen Ministerpräsidenten, die Bundesexekution gegen Dänemark zu betreiben, und am 7. Dezember 1863 beschließt der Deutsche Bund, in Schleswig-Holstein einzugreifen. Oft ist beschrieben worden, wie am Heiligen Abend in Altona die Bundestruppen einziehen, lebhaft in einer antidänischen Stimmung begrüßt.