Sonderveröffentlichung

Hamburger Kunsthalle Thomas Gainsborough - Die moderne Landschaft

Die Zeit um 1800 war in Europa von wirtschaftlichen Umbrüchen und politischen Veränderungen gekennzeichnet: Industrialisierung, Revolutionsenthusiasmus und der Übergang von der Aufklärung in die Romantik. Geprägt von der Landschaft Englands, dem sozialen und technischen Wandel seiner Zeit, experimentierte der Maler mit der Darstellung von Landschaft und wurde zum Wegbreiter der modernen Landschaftsmalerei. 

Ausstellung "Thomas Gainsborough - Die moderne Landschaft"

Kunsthalle

Adresse
Glockengießerwall 5, 20095 Hamburg
Telefon
+49 40 428131200
E-Mail
info@hamburger-kunsthalle.de
Termin/e
2. März bis 27. Mai 2018
Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag: 10 bis 18 Uhr
Donnerstag: 10 bis 21 Uhr
Montag: geschlossen
Donnerstag an/vor Feiertagen: 10 bis 18 Uhr
Eintritt
Regulär: 14 Euro | ermäßigt: 8 Euro |
Donnerstag 17:30 bis 21 Uhr: 8 Euro | ermäßigt: 5 Euro
Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre: frei
Weitere Ermäßigungen finden Sie auf der Homepage der Kunsthalle
Weitere Infos
Hamburger Kunsthalle

Ikonen der britischen Malerei

Erstmals in Deutschland widmet sich die Hamburger Kunsthalle in einer umfassenden monographischen Ausstellung dem englischen Maler Thomas Gainsborough (1727-1788). Rund 80 Werke werden in der Schau präsentiert, die vom Direktor der Hamburger Kunsthalle, Prof. Dr. Christoph Martin Vogtherr, kuratiert wird und den Briten als Wegbereiter der 'modernen' Landschaftsmalerei zeigt. Mr. and Mrs. Andrews und Die Tränke zählen zu den bekanntesten Gemälden im englischsprachigen Raum und gelten als Ikonen der britischen Malerei. Unter den 50 Gemälden und 30 Arbeiten auf Papier befinden sich Leihgaben aus den wichtigsten britischen Sammlungen wie der National Gallery, der Tate Gallery und dem Victoria and Albert Museum in London, aus dem Barber Institute in Birmingham, sowie aus den Staatlichen Museen zu Berlin, den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen München und aus Privatsammlungen in Deutschland und Großbritannien.  

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Moderne Landschaftsmalerei in drei Teilen

Die Ausstellung "Thomas Gainsborough - Die moderne Landschaft" präsentiert die Werke des britischen Malers in drei Kapiteln. Frühere Werke Gainsboroughs, wozu u.a. Holywells Park gehört, werden unter dem Thema Der Zugriff auf die Realität mit Landschaften niederländischer Künstler aus der Sammlung der Hamburger Kunsthalle verglichen. Mithilfe der erlernten Techniken in der Komposition, Perspektive und der atmosphärischen Darstellung entwickelte Thomas Gainsborough die Bedeutung der Landschaft als Stimmungsträger zu einem der wichtigsten Elemente seiner Werke. Doch besonders faszinierte ihn das Verhältnis zwischen Mensch und Landschaft, die Verbindung und Einfühlung mit und in die Natur, die im Begriff der Empfindsamkeit ("sensibility") ihren Ausdruck fand. Wie es im frühen 18. Jahrhundert typisch war, knüpfte Gainsborough eng an die europäische Tradition an und entwickelte auf dieser Grundlage eine eigen- und neuartige Kunst.   

Der zweite Teil wird unter dem Aspekt Die soziale Landschaft zusammengefasst und widmet sich den großen sozialen Umbrüchen der Zeit, die sich in Gainsboroughs Landschaftskunst ebenfalls wiederfinden. Die großflächige Verarmung der Landbevölkerung Englands trat als Folge der zunehmenden Privatisierung des Gemeindelandes ein. Während Bewohner der ländlichen Gebiete als billige Arbeitskräfte in die Städte abwanderten, wurde der private Landbesitz zum Statussymbol. In seinen Arbeiten zeigt der Künstler Menschen in der Landschaft zwischen Armut und Idylle und verleiht den Spannungsfeldern Ausdruck, für die es zu seiner Zeit noch keine eindeutige Bezeichnung gab. In dem Hauptwerk Erntewagen thematisiert der Maler die ländliche Migration ebenso wie in seinen späten Landschaften und nähert sich dieser Entwicklung von beiden Seiten - der der Besitzenden und der Verarmenden.

Die Weiterentwicklung der Dampfmaschine und die Erfindung des mechanischen Webstuhls schufen die technischen Voraussetzungen für die frühe Industrialisierung. Diesem Ideal der Innovation nahm sich auch die Künstlerszene an, wodurch die englische Malerei angetrieben wurde. Auch Gainsboroughs Landschaftskunst entsprang einer technischen und intellektuellen Arbeitsweise: Experimente mit Farben, den unterschiedlichsten Techniken wie Aquatinta und Weichgrundradierung ermöglichten dem Maler erst, in seinen Zeichnungen bestimmte Wirkungen zu erzielen, weshalb er auch vor der Verwendung von Magermilch oder Glas nicht zurückschreckte. Unter dem Titel Der kreative Prozess zeigt die Ausstellung, wie Thomas Gainsborough die Landschaftsmalerei für sich neu erfand und die Grenzen der Gattung immer wieder erweiterte. Das Werk Küstenlandschaft mit Segelschiffen wurde ursprünglich in einem von Gainsborough konstruierten Guckkasten präsentiert und findet sich nun in der Schau auf Glas ausgestellt und von hinten beleuchtet wieder. 

Europa im Umbruch

Mit "Thomas Gainsborough - Die moderne Landschaft" knüpft die Hamburger Kunsthalle an die lange Tradition an, immer wieder die Zeit des Umbruchs um 1800 als Beginn der Moderne in den Mittelpunkt zu rücken. Nach dem Zyklus Kunst um 1800 des ehemaligen Direktors Werner Hofmann, als Ergänzung zur Sammlung der deutschen Romantik und französischen Kunst dieser Zeit, verkörpert der britische Künstler ein weiteres Zentrum der europäischen Landschaftsmalerei: England.

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Experimente und Innovationen in Wirtschaft und Kunst

Neben William Hogarth und Joshua Reynolds gilt Thomas Gainsborough als bedeutendster Maler des 18. Jahrhunderts. Der in Sudbury geborene Sohn eines Stoffhändlers, welcher seinem Sohn bereits in jungen Jahren ein Kunststudium in London ermöglichte, ließ sich maßgeblich von der Landschaft seiner Heimat beeinflussen. In seinen Porträts sucht man gekünstelte und steinerne Repräsentationen vergeblich, da er stets eine feinfühlige Darstellung bevorzugte. Er bildete seine Figuren nicht in einem Atelier, sondern vor Landschaftshintergründen in freier Natur ab. Es zeichnete sich deutlich ab, dass Gainsborough selbst seine Landschaften den Porträts vorzog und sich hier künstlerisch ausleben konnte. Von französisch geprägten Künstlern und der niederländischen Landschaftsmalerei inspiriert, bildete sich seine Kunst vor einem weiten, europäischen Horizont heraus. Veränderungen Englands im 18. Jahrhunderts waren elementare Inhalte seiner Werke, in denen er sensibel als Akteur der experimentellen Kunst agierte und das Land auf diese Weise zur wirtschaftlich und politisch führenden Nation Europas und künstlerisches Zentrum werden ließ. 

Begleitend zur Ausstellung ist ein bebildeter wissenschaftlicher Katalog u.a. mit Beiträgen von Christoph Martin Vogtherr, Bettina Gockel, Rica Jones, Mark Hallet und Mark Bills in einer deutschsprachigen und einer englischsprachigen Ausgabe im Museumsshop oder online für 29 Euro erhältlich.

Weitere Informationen zur Ausstellung: Thomas Gainsborough - Die moderne Landschaft