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OZM HAMMERBROOKLYN Exponat Ein visionärer Ort für Urban Art, Digital Art, Graffiti

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Im Stadtteil Hammerbrook gibt es nicht viel zu sehen außer reichlich hässlichen Beton und einer S-Bahn-Trasse, die sich auf meterhohen Stelzen durch die grauen Häuserschluchten pflügt. Doch in der Spaldingstraße steht der Passant unvermittelt vor einem Gebäude, dessen Fassade in knalligem Blau, Gelb und Rot erstrahlt. 

Street Art Graffiti Galerie Hammerbrook

Visionärer, temporärer Ort für internationale Street Art

Tatsächlich beherbergt das große Haus eine Galerie für Street Art, das OZM Hammerbrooklyn Exponat. Über vier Stockwerke verteilt, kann sich der Besucher in der 3500 Quadratmeter großen Galerie aktuelle internationale Graffiti, Street Art und urbane Kunst ansehen. Ein Großteil der Exponate steht zum Verkauf. 

Der Eintritt ist kostenlos, jedoch ist eine Anmeldung erforderlich. Dann öffnet der Galerist Alex Heimkind die schwere Eisentür, die an die Luke eines Schiffschotts erinnert und man betritt das Gebäude. Auf Wunsch führt Heimkind Besuchergruppen persönlich durch die umfangreiche Sammlung. 

Mit der Galerie hat Heimkind während der Zeit der Pandemie einen visionären, temporären Ort für internationale Street Art geschaffen. Es ist der erste und einzige in Hamburg. Er hat ihn Hammerbrooklyn genannt, als Reminiszenz an New York City, der Wiege des Graffiti, wo er bis 1992 lebte. "Mein Wunsch war es, dass man sich hier begegnet, dass die Menschen, die hierherkommen, Teil des Kunstwerks werden", sagt Heimkind. "Dabei ist das Temporäre wichtig. Solche Orte machen gar keinen Sinn, wenn sie ewig sind. Street Art ist nicht auf Ewigkeit angelegt. Die Künstler sind es gewohnt, ihre Kunstwerke aufzugeben. Der besprühte Zug fährt weg, oder die Styles werden von der Stadtreinigung entfernt".

Die Künstler haben sich jede Nische des Gebäudes angeeignet

Die Führung beginnt im Keller, dann geht es Stockwerk für Stockwerk nach oben, durch ein schier endloses Labyrinth aus engen Gängen, dunklen Räumen, kleinen Kammern mit bunt verglasten Fenstern, aber auch großzügigen Hallen.

Die von Heimkind vertretenen Künstler oder Künstlergruppen haben sich jede Nische des Gebäudes angeeignet. Im Keller blinken die Versorgungsleitungen in bunten Farben, irgendwo starrt ein großes, leuchtendes Auge die Besucher an. Wasser tropft von künstlichen Stalagmiten und bildet Pfützen auf dem Boden, die in geheimnisvolles Licht getaucht sind. In den oberen Stockwerken hängen zahlreiche Werke an der Wand, ganz klassisch gerahmt. Aber es sind auch viele Wände bemalt, ebenso alle Türen. Ein enger Gang ist mit zackigen dreidimensionalen Objekten verkleidet. In einem kleinen Raum sitzt eine Puppe in einer mit Spraydosen gefüllten Badewanne, kleine Nischen im Gemäuer sind mit Spiegeln ausgekleidet. 

In einem Raum ohne Fenster steht "Fasten Your Seatbelt" in großen Buchstaben an der Decke.  Ein großes Flugzeugcockpit ist an eine Wand gemalt, davor befinden sich Flugzeugsitze. Der Besucher wird gebeten sich anzuschnallen. Dann geht das Licht aus und das Wandgemälde  fluoresziert in grüner Farbe. Es ist ein Werk des russischen Künstlers Alexej Mirnyi, genannt MIR. 

"Es geht darum, etwas zu schaffen, das so gut ist, dass es sich auf die Architektur, auf das Gebäude überträgt", erklärt Heimkind. 

Die großen Namen der Graffiti- Szene sind hier versammelt

Die Künstler, die das Gebäude bespielen sind keine Unbekannten. DAIM, Loomit und Darco sind wohl die bekanntesten.

DAIM, der eigentlich Mirko Reisser heißt, ist vor allem für seine großformatigen Graffitis im 3D-Stil bekannt. Technisch zählt er zu den besten Sprayern der Welt. DAIM bespielt nicht nur die obere Etage, einen großzügigen, hellen Raum mit schickem Laminatboden und großen Fenstern, er hat auch die gesamte Ostfassade des Gebäudes mit einem für ihn typischen Graffito versehen. 

Loomit, eigentlich Mathias Köhler, bemalte 1993 das Badezimmer des Münchner Oberbürgermeisters, Christian Ude. Der verlieh ihm 2002 sogar den Schwabinger Kunstpreis. Zusammen mit Darco, DAIM, Hesh und anderen erschuf Loomit im Dezember 1995 ein 300 Quadratmeter großes Graffito an einer Hochhaus-Fassade in Hamburg-Lohbrügge. Es ist das höchste der Welt.

Darco wurde 1989 als erster Sprüher in Frankreich wegen Sachbeschädigung verurteilt. Heute hängen seine Werke in großen Museen, wie das Centre Georges Pompidou.  Darco hat die bunte Nordfassade des Gebäudes gesprüht. Das Gemälde hat ein Schüler der benachbarten Brecht-Schule einmal als "Kornfeld im Sommerwind" bezeichnet. Viel mehr kann ein Künstler eigentlich nicht verlangen.

Auch OZ ist vertreten, der wohl bekannteste Graffitikünstler Deutschlands. OZ, der eigentlich Walter Josef Fischer heißt, starb 2014, als er beim Sprühen auf den Gleisen zwischen den Stationen Hauptbahnhof und Berliner Tor von einer S-Bahn erfasst wurde. Alex Heimkind war ein enger Vertraute von OZ und verwaltet heute seinen künstlerischen Nachlass. 

Weitere Künstler und Künstlerinnen der Galerie: FBI,  ArtOne, MIR, DCN, Anna Pokrywiec, GODLING, Lady Wave, Ace Tee,  Anek, Davis One, Dirk Vorndamme, Rene Falk Thomasius,  Paco Sanchez, Matten Shredconnection, reizflut, SIMO, Raumtaucher, YAMZO, HEIMKIND, OZMAI.

Das Gebäude soll abgerissen werden, doch Heimkind hat sich schon was ausgedacht

Ende des Jahres kommt für das OZM Hammerbrooklyn Exponat wahrscheinlich das Ende. Das Gebäude soll abgerissen werden. Da Heimkind von ewigen Orten ohnehin nicht viel hält, beunruhigt ihn das nicht weiter. Mit einem Beamer wirft er seine Zukunftsversion an die Wand. Man sieht einen Hubschrauber, der riesige Container nach und nach zu einem Gebäude stapelt. "Container sind für Menschen konzipiert, man kann hineingehen, sie mit Dingen befüllen und transportieren, und das gibt es auf allen Kontinenten", erklärt Heimkind. Zukünftig sollen die Künstler die Container mit ihren Werke befüllen und gestalten. Sie sollen ganz in der Nähe der heutigen Galerie aufgestellt werden.

Weitere Informationen: onezeromore.com

Virtueller Rundgang durch das  OZM Hammerbrooklyn Exponat.

Kontakt

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OZM HAMMERBROOKLYN Exponat

Eintrittspreise

kostenfreie Tickets per Anmeldung unter https://onezeromore.com/besuch/




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