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410 Gäste Besuchsprogramm für ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter

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Ende des Jahres 2000 beschlossen die Hamburger Bürgerschaft und der Hamburger Senat, ein Besuchsprogramm für ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter einzurichten.

Besuchsprogramm für ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter

Grundlage für diesen Beschluss war die Überzeugung, "dass den Millionen Menschen, die während des zweiten Weltkrieges in Deutschland (...) Zwangsarbeit haben leisten müssen, schweres Unrecht zugefügt worden ist." (Drucksache 16/4945). Allein in Hamburg waren schätzungsweise 500.000 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter eingesetzt.

Mit der Organisation des Besuchsprogrammes wurde der Freundeskreis KZ-Gedenkstätte Neuengamme e.V. beauftragt, der bereits über eine mehrjährige Erfahrung mit Besuchsreisen ehemaliger Häftlinge des KZ Neuengamme, insbesondere aus der Ukraine, verfügte. Das Besuchsprogramm richtete sich an ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in Osteuropa, die ohne eine Einladung aus Deutschland aus materiellen und organisatorischen Gründen keine Möglichkeit haben, die Reise nach Hamburg zu realisieren. Von 2001 bis 2013 besuchten 26 Gruppen ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter mit rund 410 Gästen Hamburg. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen aus den Ländern Ukraine, Polen, Russland, Belarus, Lettland und Tschechien.

Die Kontakte zu den ehemaligen Zwangsarbeitern wurden anhand von Adressen aus dem Hamburger Staatsarchiv hergestellt oder kamen mit Hilfe der Nationalen Stiftungen in den jeweiligen Ländern zustande. Die Nationalen Stiftungen waren die Partnerorganisationen der deutschen Stiftung "Erinnerung, Verantwortung, Zukunft" und bearbeiteten in den Ländern die Anträge auf Entschädigung. Die ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter erhielten die Möglichkeit, die Orte ihres damaligen Leidens noch einmal aufzusuchen. Außerdem trafen sie mit Schulklassen und anderen Gruppen zusammen, denen sie über ihre Erfahrungen berichteten. Jede Besuchsgruppe wurde im Rathaus offiziell von einem Vertreter des Senats oder der Bürgerschaft willkommen geheißen. Darüber hinaus erhielten die Gäste humanitäre Hilfeleistungen (Brillen, Hörgeräte, Kleiderspenden). In Form von Videointerviews wurden die Erinnerungen der ehemaligen Zwangsarbeiterinnen festgehalten.

Die im Januar 2005 in der Rathausdiele gezeigte Ausstellung "In Hamburg habe ich meine Jugend gelassen" – Zwangsarbeit in Hamburg 1940 bis 1945 – basiert in weiten Teilen auf Erinnerungen, Fotos und Dokumenten von ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter, zu denen der Kontakt während des Besuchsprogrammes zustande kam.

Angeregt durch die Begegnungen mit ehemaligen Zwangsarbeitern erarbeiteten im Jahr 2007 Schülerinnen und Schüler der Max-Brauer-Schule eine Gedenktafel für das Lager "Moortwiete" in Bahrenfeld, und im Jahr 2009 wurde eine Gedenktafel für das Lager "Lederstraße" im S-Bahnhof Stellingen eingeweiht.

Der Freundeskreis KZ-Gedenkstätte Neuengamme hat von dem Filmemacher Jürgen Kinter vier Filme erstellen lassen, die Schicksale ehemaliger Zwangsarbeiterinnen sowie deren Begegnungen beim erneuten Besuch in Hamburg dokumentieren. Zusammen mit der Landeszentrale für Politische Bildung hat der Freundeskreis eine digitale Hamburg-Karte herausgegeben, in der alle bekannten Lagerstandorte verzeichnet sind.

Zitate

„Der Senat schließt sich der Beurteilung durch die Bürgerschaft an, dass den Millionen Menschen, die während des Zweiten Weltkrieges in Deutschland, aber auch in den während dieser Zeit besetzten Gebieten, Zwangsarbeit haben leisten müssen, schweres Unrecht zugefügt worden ist. [...] Die Senatskanzlei wird in Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis KZ-Gedenkstätte Neuengamme ein mehrjähriges Besuchsprogramm organisieren und durchführen.“

Stellungnahme des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg, 17.10.2000, Drucksache 16/4945

„Sie können sich nicht vorstellen, wie viel diese Reise für mich bedeutet hat! Lange Jahre hat mein krankes Gedächtnis immer nur die dunklen Bilder und die schweren Erinnerungen an die drei Jahre meiner fernen Jugend wiederholt. Und jetzt, nachdem ich alles wiedergesehen und vor allem ein ganz anderes Verhältnis der Deutschen uns Russen gegenüber gespürt habe, fangen viele spitze Kanten dieser Erinnerungen an, sich zu glätten. Es ist nur schade, dass das erst am Ende meines Lebens geschehen ist.“

Tamara Iwanowna Nassonowa aus Russland nach ihrem Besuch in Hamburg im Juni 2003. Brief, Juli 2003. Archiv KZ-Gedenkstätte Neuengamme, HH 3.5.7.1.1

 

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