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Denkmäler Hamburg-Mitte Poolstraße 11, 12, 13, 14: Ehemalige Synagoge mit Wohnhäusern

Poolstraße 11, 12, 13, 14: Ehemalige Synagoge mit Wohnhäusern

vergrößern Poolstr.12-13 mit Hofdurchfahrt; Foto: Ariane Gramelspacher (Bild: Ariane Gramelspacher) Im 19. Jahrhundert konzentrierte sich das jüdische Leben bis zur Aufhebung der Torsperre in der Neustadt von Hamburg. 1842 bis 1844 wurden auf der Ostseite der Poolstraße im Hof ein Tempel sowie straßenseitig vier Wohnhäuser errichtet. Die Pläne stammten von dem Architekten Johann Hinrich Klees-Wülbern (1800-1845).

Der bedeutende Rest des Tempels ist durch einen Gang in dem Doppelhaus Poolstraße 12/13 von der Straße her zu erreichen. Diese Lage wurde seinerzeit damit begründet, dass "es der Gottesverehrung ebensowenig würdig ist, das ihr gewidmete Haus den Blicken der Menge geflissentlich auszusetzen, als es ihr sorgsam zu entziehen ..." Trotz dieser Absicht war der Bau von der Straße her praktisch unsichtbar.

Der Tempel wurde als dreischiffiger Bau mit seitlichen Emporen über fast quadratischem Grundriss errichtet. Der östliche Anbau enthielt die Apsis mit dem heiligen Schrein. Eine mittige Arkade umgab das große Rundfenster, das den Davidstern als Grundform zeigte.

Nach der Toröffnung wurde 1931 der neue Tempel in der Oberstraße eingeweiht. Das Gebäude in der Poolstraße blieb zunächst im Besitz des Israelitischen Tempelverbandes. 1937 wurde es verkauft. Es sollte als Garage dienen, fiel jedoch im Juli 1944 dem Bombenkrieg zum Opfer.

vergrößern Ruine Synagoge Poolstrasse; Foto: Ariane Gramelspacher (Bild: Ariane Gramelspacher)

Erhalten sind heute nur noch ruinöse Reste: Der untere Teil der Fassade, einiges von den Umfassungsmauern sowie der Ostteil mit der Apsis-Nische. In diesem Gebäuderest befinden sich heute Gewerbebetriebe.

Bei den Vorderhäusern handelt es sich um Putzbauten von vier Geschossen. Nr. 11 und 14 erinnern unmittelbar an Klees-Wülberns bürgerliche Wohnhäuser am Glockengießer Wall/ Georgsplatz. Ihre Fassaden zeigen aufwändige Gliederungen der klassizistischen Tradition.

Recht einfach hingegen ist die Gestaltung des Doppelhauses 12/13 mit Rundbogenfenstern im Erdgeschoss und stichbogiger Durchfahrt. Es diente den Predigern und dem Küster des Tempels als Wohnhaus: 1850 verzeichnete das Adressbuch die Prediger Dr. Frankfurter und Dr. Jonas sowie den Oberküster Minden als Bewohner. Die historische Bedeutung der Überreste des Tempels erstreckt sich damit auch auf die Vorderhäuser.

In der weiteren Umgebung sind die Häuser 11-14 die ältesten erhaltenen neuzeitlichen Profanbauten. Sie dokumentieren den Ersatz der bis um 1800 in der Neustadt herkömmlichen Fachwerkbauten.

Unter den Werken Klees-Wülbern sind die Häuser seine letzten erhaltenen Wohnbauten. Klees-Wülbern war nach dem Brand von 1842 einer der meistbeschäftigten Privatarchitekten Hamburgs und Mitglied der technischen Kommission für den Wiederaufbau.

Das Ensemble Poolstraße 11, 12, 13, 14, (Stadtteil Neustadt, Bezirk Hamburg Mitte) mit dem Rest der ehemaligen Synagoge des Israelitischen Tempelverbandes sowie vier Wohnhäusern steht unter Denkmalschutz. Als Zeugnis der Geschichte der jüdischen Gemeinde in Hamburg besitzt das Ensemble eine besondere geschichtliche Bedeutung; sie wird ergänzt durch die architekturhistorische und künstlerische Bedeutung der Anlage im Zusammenhang der Hamburger Baugeschichte der Mitte des 19. Jahrhunderts und insbesondere im Rahmen des weitgehend verlorenen Werkes des Architekten Johann Hinrich Klees-Wülbern.