Rugby in Hamburg Von Raufbolden und Gentlemen

Ein englisches Sprichwort besagt, dass Rugby eine Raufbold-Sportart ist, die von Gentlemen gespielt wird. Auch in Hamburg wird beim Rugby begeistert um jeden Meter auf dem Spielfeld gerungen.

1 / 1

Rugby

Geschichte des Rugby

Die Entstehung von Rugby ist eng mit der des Fußballs verknüpft. Bei einem gemeinsamen Vorgänger soll der Legende nach im Jahr 1823 der Engländer William Webb Ellis, nach dem heute der Rugby-WM-Pokal benannt ist, den Ball mit der Hand aufgenommen und ins gegnerische Tor getragen haben. Die Szenerie soll sich im englischen Städtchen Rugby, rund 50 Kilometer östlich von Birmingham, abgespielt haben. So entstand der Name des Spiels.

Im Januar 1871 wurde mit der Rugby Football Union (RFU) der erste Rugby Verband gegründet. Bereits im März desselben Jahres fand in Edinburgh zwischen Schottland und England das erste Länderspiel statt. Erst 1995 wurden jedoch im Rugby Union Profisportler zugelassen.

Rugby ist vor allem in Teilen des britischen Commonwealth bzw. Ländern der südlichen Hemisphäre äußerst populär. Führende Nationen sind Neuseeland, Australien, Südafrika und Argentinien in der südlichen Hemisphäre sowie Frankreich, England, Wales, Irland, Schottland und Italien in Europa.

Von 1900 bis 1924 war Rugby Union eine Disziplin der Olympischen Spiele, bei den Olympischen Spielen 2016 wird Rugby wieder mit aufgenommen.

Rugby in Hamburg

Die ersten Rugbyaktivitäten in Hamburg waren in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Der Hamburger SV (seit 1922) und die Sportvereinigung Polizei (1924 bis 2005) waren die ersten aktiven Vereine. 1935 wurde erstmals eine regionale Meisterschaft ausgetragen.
Hamburger Rekordmeister ist die 1933 gegründete Rugbymannschaft des FC St. Pauli mit insgesamt 33 Titeln in der Zeit von 1937 bis 1996.

Der Hamburger Rugby-Verband wurde 1952 gegründet. Bis dahin war Rugby als besondere Sparte des Hamburger Fußballverbandes organisiert. Heute ist der Hamburger Rugby-Verband einer der kleinsten Fachverbände im Hamburger Sportbund. Rund 1000 Mitglieder sind in den acht Mitgliedsvereinen FC St. Pauli (1. Bundesliga (Frauen), 2. Bundesliga, Regionalliga, Verbandsliga), Hamburger Rugby-Club (2. Bundesliga, Verbandsliga), Hamburg Exiles RFC (Regionalliga), Hamburg Old Boys (Freundschaftsspiele), HSV (Verbandsliga), VfL Jesteburg Wombats (Regionalliga) und SC Varel (Verbandsliga) und TSV Karlshöfen (Freundschaftsspiele) organisiert.

Mit der Einführung der Rugby-Bundesliga im Jahre 1971 begann eine Reihe von Strukturreformen im deutschen Rugby, in deren Verlauf das Hamburger Rugby seine Erstklassigkeit verloren hat. Nur kurzfristig konnten sich Hamburger Vereine in der ersten Liga behaupten: FC St. Pauli (1971 bis 1975 sowie 1988 bis 1990), SV Polizei (1972/73), HSV (1978/79). Nationale Titel konnten mit Ausnahme der Ligapokalgewinne des FC St. Pauli (1991 und 2002) nicht errungen werden.

Erfolgreicher hat sich dagegen das Hamburger Frauenrugby entwickelt. Die 1989 gegründete Frauenmannschaft des FC St. Pauli hat seit 1995 acht Meistertitel errungen. Mehr als 20 Nationalspielerinnen sind aus diesem Team hervorgegangen.

Die wichtigsten offiziellen Regeln

Ziel: ist es, den Ball am Gegner vorbei zu tragen oder zu kicken und dadurch Punkte zu erzielen. Dies kann auf verschiedene Arten geschehen.

Versuch: (engl. Try): Ein Versuch wird erzielt, wenn es gelingt, den Ball im gegnerischen Malfeld auf dem Boden abzulegen.

Erhöhung: Nach einem erfolgreichen Versuch hat die angreifende Mannschaft das Recht, den ruhenden Ball von einem beliebigen Punkt auf einer gedachten Linie parallel zur Seitenauslinie durch den Punkt, an dem der Versuch gelegt wurde, zwischen die H-förmigen Malstangen über die Querstange zu treten.

Dropkick: Ein Spieler tritt den Ball, der vorher den Boden berührt haben muss, aus dem laufenden Spiel heraus zwischen die Malstangen und über die Querstange.

Straftritt: Ein erfolgreicher Tritt auf die Malstangen von einem Punkt aus, an dem ein schwererer Regelverstoß der gegnerischen Mannschaft stattfand.

Der Ball darf mit der Hand nur nach hinten geworfen oder übergeben werden. Wenn der Ball jedoch nach vorne geworfen wird, muss ein angesetztes Gedränge ausgeführt werden. Das Gedränge beschreibt das gegenseitige Anbinden von den mit 1 bis 8 nummerierten Spielern, die dann „um den Ball schieben“. Man könnte es als eine Art Kräftemessen bezeichnen: Die Spieler stehen in gebückter Haltung mit geradem Rücken, mit dem Gegner ineinander verschachtelt, voreinander und versuchen durch gemeinsames Drücken den Gegner wegzuschieben und somit den Ball für das eigene Team freizugeben.

Treten des Balles ist in alle Richtungen erlaubt. Nur der balltragende Spieler darf angegriffen werden. Es ist erlaubt, diesen durch Umklammern und Tiefhalten (engl. tackle) unterhalb der Schulterlinie zu behindern und ihn nach Möglichkeit zu Fall zu bringen. Ein Spieler, welcher mit mehr Körperfläche als den Fußsohlen den Boden berührt, hat den Ball unmittelbar loszulassen und darf nicht mehr nach diesem greifen. Lässt er den Ball nicht los, bekommt die gegnerische Mannschaft den Ball. Wenn der Spieler auf dem Boden liegt, dürfen von beiden Teams andere Spieler nach dem Ball schieben und drücken. Schlagen und Beinstellen ist beim Tiefhalten streng verboten.

Typische Spielelemente beim Rugby sind angeordnete und offene Gedränge (engl. ruck), das Paket (engl. maul), die Gasse von der Seitenlinie (engl. lineout) und das Lauf- und Passspiel der sogenannten Dreiviertelreihe (engl. three quarters).

Von Raufbolden und Gentlemen
Ein englisches Sprichwort besagt, dass Rugby eine Raufbold-Sportart ist, die von Gentlemen gespielt wird. Auch in Hamburg wird beim Rugby begeistert um jeden Meter auf dem Spielfeld gerungen.
https://www.hamburg.de/image/3340338/1x1/150/150/374edee57f13af3cc99e1177210c4509/zJ/05-bg-pauli-rugby.jpg
20180507 15:13:09