Infoline-Archiv 2009: Allgemeine Informationen zu § 16 Abs. 2 Nr. 4 SGB II

Informationsblatt - Kurzdefinition der Leistung Suchtberatung vom 20.10.2005 (Az.: G 3262/135.23-5-3)

Infoline-Archiv 2009: Allgemeine Informationen zu § 16 Abs. 2 Nr. 4 SGB II



1. Kommunale Suchtberatung

Die kommunale Leistung „Suchtberatung“ gemäß § 16 (2) Nr. 4 Sozialgesetzbuch ( SGB )  II umfasst alle von der Stadt Hamburg finanzierten ambulanten Beratungs-, Betreuungs- und Behandlungsangebote für Suchtkranke. Diese werden vor allem in über staatliche Zuwendungen finanzierten  Beratungsstellen angeboten.

Hamburg verfügt über ein umfassendes, differenziertes Beratungs- und Behandlungsangebot für Menschen mit Suchtproblemen.

In den Beratungsstellen werden suchtkranke Menschen beraten und wenn erforderlich, qualifiziert weitervermittelt in Entgiftung, Entzug und soziale Rehabilitation. Es gibt Beratungsstellen für Abhängige legaler Suchtmittel wie Alkohol und Medikamente, Beratungsstellen für Abhängige illegaler Suchtmittel wie Cannabis, Heroin,  Kokain sowie Beratungsstellen für stoffungebundene Süchte wie Glücksspielsucht, Essstörungen und Nikotin. Die meisten Beratungsstellen arbeiten jedoch suchtmittelübergreifend. D.h., dass dort sowohl Abhängige von legalen Suchtmitteln als auch Abhängige von illegalen Suchtmitteln sowie Personen die beide Formen zugleich konsumieren, betreut werden.

 

Die Hamburger Suchtberatungsstellen bieten verschiedene, teilweise aufeinander aufbauende   L e i s t u n g s e g m e n t e   an. Dies sind insbesondere:

  • Suchtberatung: intensive Beratungs- und Motivationsgespräche für Menschen mit Suchtmittelkonsum bzw. Abhängigkeitssymptomen, z.T. auch in Gruppenform.

  • Therapievorbereitung und Therapievermittlung: in der Regel aufbauend auf längerfristige Beratung. In Abgrenzung zur Beratung  beginnt dieses Segment, wenn Klient/ Klientin und Berater/ Beraterin überein gekommen sind, dass als Hilfeform die Therapie angemessen, notwendig und erwünscht ist. Sie endet mit dem Übertritt in die Maßnahme, dem Abbruch oder ggf Wechsel in eine andere Hilfeform.

  • Soziale Stabilisierung und Integration: Mit dem Ziel die Chronifizierung bzw. Verschlechterung des gesundheitlichen und psychosozialen Zustands des Klientel durch geeignete lebenspraktische Hilfen soweit als möglich zu verhüten.

2. Alternativen zur kommunalen Suchtberatung bei Beratungsstellen

Die Angebotspalette für Suchtkranke ist facettenreich, um den unterschiedlichen Bedürfnissen der Betroffenen gerecht zu werden. Suchtberatung und –ausstiegsunterstützung kann auch geleistet werden durch

  • AllgemeinmedizinerInnen oder FachärztInnen: Auch ÄrztInnen können über reine Diagnosestellung hinaus PatientInnen beraten und sie bei der Entwöhnung unterstützen.

  • Selbsthilfegruppen: für viele Menschen ist der Rückhalt in einer Selbsthilfegruppe die optimale Begleitung bei der Loslösung von der Sucht. Dies trifft insbesondere für Alkoholkranke zu, bei denen allein durch die Teilnahme an Selbsthilfegruppen große Erfolge im Hinblick auf die Lösung aus der Sucht und langfristige Abstinenz erreich werden.

3. Ergänzende Angebote anderer Kostenträger

Nicht in allen Fällen wird eine Suchtberatung im Rahmen der benannten Leistungssegmente ausreichen, um die Erwerbsfähigkeit zu verbessern oder wieder her zu stellen. Eine Beratung ist oftmals nur der erste Schritt eines längeren Entwöhnungsprozesses. Eine Vermittlung in die nachfolgend genannten Angebote erfolgt regelhaft über ÄrztInnen oder Beratungsstellen.

Für Abhängige legaler Suchtmittel: 

  • Entgiftung / Akutbehandlung und Therapiemotivation: beginnt in der Regel mit dem körperlichen Entzug. Dieser erstreckt sicht über einen Zeitraum von drei bis 21 Tagen und wird wegen der zur erwartenden körperlichen Entzugserscheinungen häufig im Krankenhaus durchgeführt. Kostenträger: die jeweilige Krankenversicherung.

  • Stationäre Vorsorge als Eingliederungshilfe nach §§ 53 / 54 SGB XII: Vorbereitung auf eine Entwöhnungsbehandlung für alkoholabhängige Suchtkranke, falls gravierende soziale Probleme wie z.B.  Wohnungslosigkeit, Gewalterfahrung im häuslichen Umfeld die Suchterkrankung begleiten. Kostenträger und Bewilligung: Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz, G 3274.

  • Ambulante oder stationäre Entwöhnungsbehandlung:  dies ist der nächste Schritt mit dem Therapieziel der Abstinenz. Kostenträger und Bewilligung: Rentenversicherungsträger bzw. Krankenversicherungsträger als Reha-Maßnahme. 

    Die Therapie findet in unterschiedlichen Zeiträumen statt: Kurzzeittherapien von etwa vier Wochen; Regelbehandlungszeiten von 16 Wochen mit der Möglichkeit zur individuellen Verlängerung. Bei ambulanter Therapie in den Beratungsstellen gibt es Zeiten von etwa fünf bis 18 Monaten.

    Therapien finden statt:

    • in Behandlungs- und Beratungsstellen mit Anerkennung des Leistungsträgers,

    • Fachkliniken für Suchtkranke,

    • Psychiatrien mit speziellen Suchtabteilungen.

  • Ambulante Nachsorge: Das Ziel der Nachsorge ist die Verhinderung des Rückfalls. Sie findet in Selbsthilfegruppen und/ oder Beratungs- und Behandlungsstellen für Suchtkranke statt.

  • Adaption: Maßnahmen der beruflichen und sozialen Wiedereingliederung in teilstationärer Form. Kostenträger und Bewilligung: Rentenversicherungsträger.

  • Stationäre Nachsorge als Eingliederungshilfe nach §§ 53 / 54 SGB XII :  Nicht in allen Fällen ist eine ambulante Nachsorge nach einer Entwöhnungsbehandlung für alkoholabhängige Suchtkranke ausreichend zur Wiedereingliederung. In diesen Fällen kommt eine stationäre Nachsorge in Betracht. Kostenträger und Bewilligung: Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz, G 3274

          

Für Abhängige illegaler Suchtmittel:

  • So genannte Übergangseinrichtungen als Eingliederungshilfe nach §§ 53/ 54 SGB XII: Hierunter werden im Hamburger Suchthilfesystem stationäre Vor- und Nachsorge-, Übernachtungs- und sozialtherapeutische Einrichtungen für Abhängige von illegalen Suchtmittel verstanden. Kostenträger und Bewilligung: Behörde für Wissenschaft und Gesundheit, G 3274

  • Stationäre Drogentherapien als Maßnahme der Medizinische Rehabilitation mit einer regelhaften Dauer von 10 Monaten. Kostenträger und Bewilligung: Krankenkasse oder Rentenversicherungsträger.

Eine Darstellung des gesamten Hamburger Suchthilfesystems mit Leistungen, Kontaktadressen und Telefonnummern, regionaler Zuordnung finden Sie immer aktuell im „Kursbuch Sucht“ www.suchthh.de/kursbuch


4. Beendigung der Zuständigkeit der Suchtberatungsstellen

Die Zuständigkeit der Suchtberatungsstellen endet mit der Beratung ( im Hilfeplan festgelegte Leistungssegmente der Beratungsstelle ), ggf. der Weitervermittlung in eine der oben genannten Anschlussbetreuungen oder dem Abbruch der Maßnahme durch den Klienten oder ggf. durch die Beratungsstelle. Eine Fallverantwortung/ Fallführung oder - koordination  nach der Weitervermittlung der Klienten  in eine weitergehende Betreuung 

( Therapie, Übergangseinrichtungen etc. ) ist gemäß SGB II nicht vorgesehen und kann nicht übernommen werden.

5. Ansprechpartner

Frau Warlimont, G 3262, Tel: 428 37 - 2088

E-Mail: Ulrike.Warlimont@bsg.hamburg.de

 

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