Landesbetrieb Erziehung und Beratung

Stabilisierende Betreuung und strukturierter Alltag Jugendgerichtliche Unterbringung (JGU)

Das Jugendgerichtsgesetz sieht die Möglichkeit vor, Jugendliche zur Sicherung der Hauptverhandlung oder zur Abwendung von Untersuchungshaft in geeigneten Einrichtungen der Jugendhilfe unterzubringen. Mit der Jugendgerichtlichen Unterbringung (JGU) steht den Bezirksjugendgerichten ein spezialisiertes Angebot mit neun Plätzen zur Verfügung. Die Einrichtung bietet bis zur Hauptverhandlung eine stabilisierende Betreuung über Tag und Nacht, einen strukturierten Alltag und Vorbereitung auf ein selbstständiges Leben ohne Straftaten.

Jugendgerichtliche Unterbringung (JGU)

Abwendung von Untersuchungshaft

Die Jugendgerichtliche Unterbringung im Landesbetrieb Erziehung und Beratung bietet den Jugendrichtern eine Betreuungsform mit einer stabilisierenden Betreuung über Tag und Nacht für Jugendliche mit erheblichen dissozialen Auffälligkeiten zur Abwendung oder Verkürzung von Untersuchungshaft. Die - ausschließlich im Rahmen des Jugendgerichtsgesetzes aufgenommenen - Jugendlichen werden gemäß richterlicher Weisungen betreut. Bei groben Regelverstößen oder bei erneuten Straftaten kann der Richter die Betreuung aufheben; in dem Fall erfolgt eine Rückführung in Untersuchungshaft.

Der Landesbetrieb Erziehung und Beratung ist der einzige Träger in Hamburg, der eine besondere Einrichtung für die Erziehung von delinquenten jungen Menschen mit ausgeprägten Problemlagen vorhält.

Zielgruppe der Jugendgerichtlichen Unterbringung

Das Angebot der JGU richtet sich

- an Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren (§ 1 Abs. 2 JGG) im Rahmen einer Unterbringung nach dem Jugendgerichtsgesetz nach

- einer richterlichen Anordnung von stationärer Jugendhilfe als vorläufige Anordnung über die Erziehung (§ 71 Abs. 2 JGG),

oder

- einer entsprechenden Anordnung zur Vermeidung von Untersuchungshaft (§§ 72 Abs. 4 in Verbindung mit 71 Abs. 2 JGG),

sowie

- an Heranwachsende zwischen 18 und 21 Jahren im Rahmen der Aussetzung des Vollzugs der Untersuchungshaft (§ 116 StPO), und zwar auch dann, wenn die Straftat nach der Vollendung des 18. Lebensjahr begangen wurde; im Hinblick auf die Betreuung der Jugendlichen in der Einrichtung sollen jedoch im Regelfall nicht mehr als 3 Plätze an Heranwachsende vergeben werden,

und

- an Jugendliche und Heranwachsende, denen eine aufenthaltsbezogenen Weisung nach Vorbehalt der nachträglichen Entscheidung über die Aussetzung der Jugendstrafe (sog. „Vorbewährung", §§ 61 ff. JGG) erteilt worden ist.

Die Jugendgerichtliche Unterbringung ist eine Einrichtung, in der durch intensive einzel- und gruppenpädagogische Interventionen Betreuung geleistet wird. Für die Betreuungsarbeit ist es zwingend notwendig, dass die untergebrachten jungen Menschen sich mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verständigen können. Bei zu Betreuenden, die die deutsche Sprache weder verstehen noch sprechen, muss im Einzelfall geprüft werden, ob eine Unterbringung in der JGU im Sinne der geplanten Zielerreichung sinnvoll ist.

Die Einrichtung ist jedoch grundsätzlich nicht geeignet für Jugendliche oder Heranwachsende

- die einer psychiatrischen Behandlung bzw. stationären Therapie bedürfen, bei denen psychische Erkrankungen vorliegen, die akut Suizid gefährdet sind, oder aus diesen Gründen eine intensive Einzelbetreuung benötigen,

- bei denen der Drogenkonsum alltagsbestimmend ist und die eine Entgiftung benötigen,

- die wegen extremer Gewaltbereitschaft (z.B. durch Defizite in der Impulssteuerung) nicht betreuungsfähig sind.

Im Vordergrund der Betreuung steht ein Leben ohne Straftaten, um drohende U-Haft und weitere Schädigungen Dritter möglichst zu vermeiden. Die Jugendlichen sollen lernen, auch in angespannten oder angstbesetzten Situationen sozial angemessen und akzeptiert zu reagieren, eine Tagesstruktur einzuhalten und den Anforderungen gerecht zu werden. Sie sollen lernen, ihre Stärken zu erkennen und sie sollen dazu motiviert werden, diese zu entwickeln und auszubauen. Ferner sollen sie lernen, ihren Tagesablauf eigenverantwortlich zu planen und zu gestalten, ihr Verhalten, seine Wirkungen und Konsequenzen zu reflektieren und sich mit den Wirkungen und Folgen begangener Straftaten auseinander zu setzen. Es gilt für sie, eine eigene Lebensplanung zu entwickeln und Schritte zur Umsetzung zu unternehmen und ihre soziale, schulische und berufliche Integration - mit Unterstützung, aber eigenverantwortlich - weiter zu entwickeln.

Verbindliche Regeln geben Orientierung und Halt

Mit dieser bis zur Hauptverhandlung angelegten Lebensform schafft der Landesbetrieb Erziehung und Beratung einen Lebensort und Entfaltungsraum für Jugendliche. Enge Tagesstrukturen und ein klares und verbindliches Regelwerk sollen den Jugendlichen die notwendige Orientierung geben. Pädagogische Maßnahmen und Leistungen knüpfen an den individuellen Biographieverläufen der Jugendlichen an und werden lebensnah und alltagsorientiert gestaltet. Die jungen Menschen werden auf ein selbstständiges Leben vorbereitet und insbesondere in Fragen der Ausbildung und Beschäftigung sowie der allgemeinen Lebensführung beraten und unterstützt.

Zugang zur Hilfe

Die Jugendlichen werden auf der Grundlage eines richterlichen Aufnahmeersuchens in Verbindung mit einem Unterbringungsbefehl aufgenommen.

Kontakt

Jugendgerichtliche Unterbringung (Jugendhilfeabteilung West)