Leichte Sprache
Gebärden­sprache
Ich wünsche eine Übersetzung in:

Grundstücksentwässerung FAQ: Einleitung von Baugrubenwasser in oberirdische Gewässer

Leichte Sprache
Gebärden­sprache
Ich wünsche eine Übersetzung in:

Auf dieser Seite stellen wir Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Thema "Einleitung von Baugrubenwasser in oberirdische Gewässer" zur Verfügung.

Bild einer Baustelle

Einleitung von Baugrubenwasser in oberirdische Gewässer - Antworten auf häufig gestellte Fragen.


Kapitelübersicht

Was ist bei der Einleitung von Grundwasser zu beachten?

Um Bauverzögerungen zu vermeiden, sollten die entsprechenden Anträge unbedingt frühzeitig, möglichst zum Zeitpunkt des Bauantrags, eingereicht werden. Bereits im Stadium der Bauplanung ist es sinnvoll, bestimmte Vorarbeiten durchzuführen. So sollte im Rahmen des Baugrundgutachtens das Grundwasser, das während der Bauphase abgesenkt und eingeleitet werden soll, beprobt und auf die maßgeblichen Parameter (Parameterliste) hin untersucht werden. Informationen über die vorhergehende Nutzung des Baugrundstückes sowie über Schadensfälle und Altlasten (Boden- oder Grundwasserverunreinigung) sind bei der Antragstellung zu nennen und bei dem Parameterumfang der chemischen Analyse zu berücksichtigen.

Bei Wasserhaltungsmaßnahmen ist vor der Einleitung mindestens eine Behandlung in Form einer Sedimentation (Sandfang) erforderlich. Ist die Schadstoffbelastung zu hoch, muss das Baugrubenwasser zusätzlich behandelt werden. Das vorgesehene Behandlungsverfahren ist im Antrag darzustellen und einschließlich der Bemessung und Betriebsweise der Behandlungsanlage mit der zuständigen Dienststelle abzustimmen. Bei höheren Gehalten von Stoffen, die durch eine biologische Behandlung reduziert werden können (z. B. Ammoniumstickstoff, CSB), sollte bevorzugt der Weg einer Sieleinleitung (Misch- oder Schmutzwassersiel) geprüft werden, da eine Behandlung unter Baustellenbedingungen aufwendig ist (Baugrubenwasser Indirekteinleitung).

Die voraussichtliche Dauer der Einleitung des Baugrubenwassers, die geplante maximale Einleitungsmenge (m³/h) sowie die erwartete Gesamtmenge (m3) sind im Antrag anzugeben. Sie werden im Rahmen des wasserrechtlichen Erlaubnisverfahrens geprüft und im Erlaubnisbescheid festgelegt.

Nach Ende der befristeten Einleitung ist die Entwässerungsanlage für die Entnahme und das Einleiten des Baugrubenwassers zurück zu bauen.

Kapitelübersicht

Wie sind Sandfang und Wasserzähler zu installieren und zu betreiben?

Bei der Einleitung von Baugrubenwasser sind immer ein Sandfang und ein Wasserzähler zu installieren und zu betreiben.

Der Sandfang dient zur Abscheidung von Feststoffen und damit der Vermeidung einer Versandung des Siels. Es bestehen folgende Anforderungen an die Dimensionierung des Sandfangs:

  • die Aufenthaltszeit sollte bei max. Zuflluss mindestens 0,5 h betragen
  • die Flächenbeschickung solle bei max. Zufluss 2,4 m/h nicht überschreiten
  • die effektive Länge sollte doppelt so groß sein wie die Breite des Sandfangs und der Wasserstand sollte mindestens 1,2 m betragen (s. Bild unten)
Sandfang zur Behandlung von Baugrubenwasser


Es ist ein kalibrierter und für den Volumenstrom geeigneter Wasserzähler zu verwenden, der in Fließrichtung hinter dem Sandfang zu installieren ist.

Kapitelübersicht

Was ist bei der Entnahme von Grundwasser zu beachten?

Für die Entnahme von Grundwasser ist in der Regel eine wasserrechtliche Erlaubnis erforderlich, die zusätzlich und unabhängig zur Einleitungserlaubnis zu beantragen ist. Weitere Informationen zur Entnahme von Grundwasser finden Sie unter: Vorübergehende Grundwasserabsenkung.

Kapitelübersicht

Kann ich das Baugrubenwasser auch auf dem eigenen Grundstück versickern?

Die Versickerung des geförderten Baugrubenwassers an anderer Stelle in den Untergrund ist nur in wenigen Fällen und unter besonderen Voraussetzungen möglich. Vor Antragstellung wird daher eine Beratung durch die BUKEA, Abteilung Schutz und Bewirtschaftung des Grundwassers – Nutzung des Grundwassers dringend empfohlen. Informationen unter: Grundwassernutzungen.

Kapitelübersicht

Welche Wassermengen können in ein oberirdisches Gewässer eingeleitet werden?

Die zulässige maximale Einleitungsmenge (m³/h) ist abhängig vom Gewässer. Auskünfte hierzu erteilen die zuständigen Dienststellen (siehe Baugrubenwasser Direkteinleitung).

Kapitelübersicht

Was ist zu tun, wenn die wasserrechtliche Erlaubnis abgelaufen ist?

Eine Einleitung von Baugrubenwasser ohne gültige wasserrechtliche Erlaubnis ist verboten und kann rechtliche Konsequenzen (z.B. Ordnungswidrigkeitenverfahren) zur Folge haben. Wasserrechtliche Erlaubnisse können (gebührenpflichtig) verlängert werden. Wenden Sie sich dazu bitte rechtzeitig an die zuständige Dienststelle.

Kapitelübersicht

Was ist bei Altlastenflächen zu berücksichtigen?

Bei Vorliegen einer Altlastenfläche oder einem Verdacht auf Altlast ist eine umfangreiche Grundwasseranalyse zu erstellen und mit dem Antrag einzureichen. Der Analyseumfang ist vorab mit der für die Einleitung zuständigen Dienststelle abzustimmen. Auskunft über die zuständige Dienststelle finden Sie auf der Internetseite Baugrubenwasser Direkteinleitung.

Kapitelübersicht

Welche Grenzwerte gelten bei der Einleitung in oberirdische Gewässer?

Grenzwerte für die Einleitung von Baugrubenwasser in oberirdische Gewässer können nicht pauschal festgelegt werden. Sie sind abhängig von vielen Faktoren wie z.B. von dem aufnehmenden Gewässer, der einzuleitenden Menge sowie der Dauer der Einleitung und müssen daher einzelfallbezogen festgelegt werden.

Kapitelübersicht

Was ist, wenn die im Erlaubnisbescheid festgelegten Grenzwerte überschritten werden?

Bei einer Überschreitung der im Erlaubnisbescheid festgelegten Grenzwerte ist die zuständige Dienstelle unverzüglich zu informieren. Es sind geeignete Maßnahmen in Abstimmung mit der zuständigen Dienststelle schnellstmöglich zu veranlassen. Das kann z. B. eine vorübergehende Stilllegung der Einleitung, eine Ausweitung der Behandlung oder ein Umschluss auf Indirekteinleitung sein.

Kapitelübersicht

Welche für ein Gewässer kritischen Belastungen können im oberflächennahen Grundwasser auftreten?

Oberflächennahes Grundwasser ist in den meisten Fällen sauerstofffrei oder sauerstoffarm und oft mit Ammonium und reduziertem Eisen (Eisen (II)) belastet, so dass eine weitergehende Behandlung erforderlich werden kann.

Ferner können noch weitere Stoffe (z. B. organische Schadstoffe, Schwermetalle) im Baugrubenwasser enthalten sein. Deshalb können zusätzliche Analysen des Grundwassers auf bestimmte Parameter erforderlich werden.

Die Belastungen sind jeweils im Einzelfall zu prüfen!

Kapitelübersicht

Welche Auswirkungen haben Sauerstoffmangelsituationen in oberirdischen Gewässern?

Akut kritische Sauerstoffmangelsituationen (d. h. O2-Konzentrationen im Gewässer ≤ 4 mg/l) sind ein gravierendes ökologisches Problem, das zu massivem Fischsterben führen kann und bereits geführt hat.

Die Ursachen für die Sauerstoffmangelsituationen können vielfältig sein. Neben in Hamburg verursachten Beeinträchtigungen des Sauerstoffgehaltes durch Einleitung von sauerstoffzehrenden Stoffen sowie von Abwärme sind der Verlust von lichtdurchfluteten Flachwasserbereichen sowie die Erhöhung des nicht lichtdurchfluteten Anteils der Wassersäule infolge der Fahrrinnenanpassungen als Haupteinflussfaktoren zu nennen. Außerdem wirkt sich die „Sekundärverschmutzung“ (d. h. die übermäßige Produktion von Algen bzw. deren Absterben) maßgeblich negativ auf den Sauerstoffhaushalt aus. Sowohl das Algenwachstum als auch die Abbauraten (d. h. der Sauerstoffbedarf) verlaufen licht- bzw. temperaturgesteuert.

Daher ist sauerstoffarmes Baugrubenwasser i. d. R. vor einer Einleitung in ein Gewässer zu belüften. Durch den Betrieb einer Enteisenungsanlage (s. unten) können normalerweise auch die Anforderungen an einen ausreichenden Sauerstoffgehalt gewährleistet werden.

Kapitelübersicht

Welche Auswirkungen haben Ammonium und reduziertes Eisen in oberirdischen Gewässern und was ist bei der Einleitung von Baugrubenwasser zu beachten?

Ammonium kann im Gewässer auf Fische und niedere Gewässerorganismen toxisch wirken. Die Oxidation von Ammonium über Nitrit zu Nitrat wird im Wesentlichen durch Bakterien durchgeführt (Nitrifikation), die für diese Umsetzung Sauerstoff verbrauchen (sauerstoffzehrender Vorgang). Auch das bei der Oxidation von Ammonium entstehende Zwischenprodukt Nitrit zeigt schon in sehr geringen Konzentrationen eine giftige Wirkung auf Fische.

Ammonium-N kann außerdem aufgrund seiner „düngenden Wirkung“ zu einem übermäßigen Algenwachstum führen. Daher sind aus Gewässerschutzsicht Einleitungen mit höheren Konzentrationen zu begrenzen, zu behandeln, bzw. zu verbieten.

Bei der direkten Einleitung von Baugrubenwasser in ein oberirdisches Gewässer sind für den Parameter Ammonium-N gewässerspezifische und jahreszeitlich bedingte Unterschiede zu berücksichtigen. Die Anforderungen werden durch die zuständige Dienststelle im Rahmen des Antragsverfahrens getroffen.

In sauerstoffarmem, leicht saurem Wasser bildet sich bei der Oxidation von Eisen(II)-Verbindungen an den Kiemen von Wassertieren ein Überzug, der die Sauerstoffaufnahme dieser Organismen stark behindert oder vollständig unterbindet. Weiterhin wird bei der Oxidation von Eisen(II) zu Eisen(III) im Gewässer Sauerstoff verbraucht.

In Bezug auf Eisen bestehen bei Gehalten von Eisen (II) von ≤ 0,5 mg/l und Eisen (gesamt) von ≤ 2,0 mg/l keine Bedenken gegen eine Einleitung in oberirdische Gewässer.

Kapitelübersicht

Welche Verfahren können zur Behandlung von Ammonium und Eisen(II) im Baugrubenwasser angewandt werden?

Eine biologische Behandlung vor Ort auf der Baustelle ist aufgrund der spezifischen Zusammensetzung und Eigenschaft des Baugrubenwassers aufwändig, bedarf längerer Einfahrzeiten und stellt hohe Anforderungen an abwassertechnische Kenntnisse des betreuenden Personals. Deshalb ist es u. U. zweckmäßiger, die biologische Behandlung im kommunalen Klärwerk Köhlbrandhöft/Dradenau vorzunehmen (d. h. Indirekteinleitung in das Schmutz- oder Mischwassersiel).

Bei höheren Ammonium-N Gehalten ist in der Regel eine gezielte NH4-Behandlung erforderlich.  

Ammonium kann z.B. durch Strippen, Ionenaustausch sowie (bedingt) durch chemische Oxidation mit halogenfreien Oxidationsmitteln behandelt werden. Erfahrungen aus dem Einsatz chemischer Oxidationsverfahren belegen, dass die Oxidation unspezifisch ist und selbst beim Einsatz größerer Mengen H2O2 keine ausreichenden NH4-Verminderungen erzielt und längere Kontaktzeiten benötigt werden. Damit sind diese Verfahren nur bei geringen Baugrubenwassermengen auch unter wirtschaftlichen Aspekten zufriedenstellend einsetzbar. Die Aufnahmefähigkeit von Ionenaustauschern (z.B. Zeolithe) für NH4-Kationen ist hinreichend erprobt. Ein Einsatz hängt von der praktikablen Regenerationsmöglichkeit der Ionenaustauscher ab.

Die Einleitungskonzentration für Eisen (II) (≤ 0,5 mg/l) ist mit einer Enteisenung erzielbar, bei der Eisen (II) zu Eisen (III) oxidiert, danach ausgefällt und mittels Sedimentation und/oder Filtration abgeschieden wird.

Bei einer Belastung mit altlastbedingten Parametern, wie z.B. Schwermetallen oder PAK, ist in der Regel eine weitergehende Behandlung mit Aktivkohlefiltern notwendig.

Die Behandlungsverfahren, auch für zusätzliche Schadstoffbehandlungen, sind mit der zuständigen Behörde im Rahmen des Antragsverfahrens abzustimmen.

Themenübersicht auf hamburg.de

Anzeige
Branchenbuch