Opferbegleitung in Schulen Qualifizierungsmaßnahme zur Fachkraft „Begleitung von Opfern in Schulen“ (mit vertiefenden Aspekten zum Kinderschutz)

Die Viktimologie (Lehre vom Verbrechens-Opfer) ist eine relativ junge Disziplin. Lange Zeit wurde die Opferperspektive bei der Bearbeitung von Gewaltvorfällen vernachlässigt. Opfer sind nicht durch besondere Merkmale gekennzeichnet (im Sinne von Opfertypen), sie befinden sich jedoch durch ihre Opferwerdung in einer schwierigen Situation, die zuweilen auch ihre Umwelt überfordern kann.

BeOS - Begleitung von Opfern in Schulen

Qualifizierungsmaßnahme zur Fachkraft „Begleitung von Opfern in Schulen“ (mit vertiefenden Aspekten zum Kinderschutz)

Der Opferschutz resultiert als Konsequenz aus der verstärkten Fokussierung auf die Opferperspektive. Er dient dem Schutz des Opfers und der Vertretung seiner Interessen/ Rechte ebenso wie der Prävention von  potentieller Opferwerdung.

Die bisherige Unterstützung von Opfern an Hamburger Schulen durch schulische Fachkräfte, ReBBZ-Fachkräfte, BBZ-Fachkräfte oder BZBS-Fachkräfte erfolgte nicht durch standardisierte fachliche Verfahren bzw. wurde nicht durch entsprechende Qualifizierungsmaßnahmen unterstützt. Seit 2012 bieten wir die Qualifizierung BeOS „Begleitung von Opfern in Schulen“ an. Diese wurde im Schuljahr 2017/2018 durch die vertiefenden Aspekte zum Kinderschutz erweitert.

BeOS-Fachkräfte (Schule, ReBBZ, BZBS, BBZ), GiK-Fachkräfte, Kinderschutz- und Gewaltmoderatoren (jeweils nur ReBBZ), schulische Kinderschutzfachkräfte und die Fachkräfte der schulischen Beratungsdienste sind alle beratend oder in der schulischen Einzelhilfe tätig, ihre Kompetenzen ergänzen sich. Die Kooperation im Team ist fachlich erforderlich. Die fachlichen Schwerpunkte aller KollegInnen unterscheiden sich, ermöglichen dadurch eine umfassende Hilfestellung in der Einzelhilfe bzw. im System Schule.

 

Ausgangslage

Körperliche Auseinandersetzungen, Gewalthandlungen,  Ausgrenzungsprozesse und Mobbing unter Schülerinnen und Schülern werden an Hamburger Schulen seit vielen Jahren von allen Beteiligten beobachtet. Bei dem Thema Gewalt an Schulen denken wir zunächst an die Täter bzw. Tatverdächtigen! Wo bleiben die Opfer, wie unterstützen und helfen wir ihnen? Sind unsere Maßnahmen bzgl. des Opferschutzes angemessen und ausreichend? Diese Einstiegsfragen führten uns einerseits zur Analyse der schulischen Gewaltmeldungen, andererseits zu Fallanalysen einzelner Kinder/Jugendlicher, deren physische oder psychische Verletzungen dramatisch waren.

 

Im Ergebnis entwickelten wir das Qualifizierungskonzept „Begleitung von Opfern in Schulen“ (BeOS), das im Februar 2013 mit 24 Teilnehmer/-innen startete.

Die Nachhaltigkeit dieser Qualifizierung in Schulen soll darüber erreicht werden,  dass die qualifizierten Fachkräfte mit der Schulleitung, im Kollegium, mit Schüler/-innen und Eltern über standortspezifische Verbesserungen, Projekte und Maßnahmen nachdenken und angemessene Angebote in die Tat umsetzen.

 

Qualifizierung

Für die Umsetzung der Maßnahme werden Fachkräfte der Beratungsdienste Hamburger Stadtteilschulen, Gymnasien und Beruflichen Schulen, Fachkräfte der regionalen Beratungs- und Bildungszentren (ReBBZ) Abteilung Beratung, Fachkräfte des Beratungs- und Unterstützungszentrums Berufliche Schulen (BZBS), sowie Fachkräfte des Bildungs- und Beratungszentrums Pädagogik bei Krankheit / Autismus (BBZ) ausgewählt. Die Fortbildungsmodule und Supervisionsangebote basieren auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen der Traumatologie, der Notfallpsychologie, der Notfallseelsorge, der Kriminologie und der systemischen Supervision. Die professionelle Arbeit der Krisenintervention wurde ebenso berücksichtigt wie die therapeutischen Aspekte der Opferbegleitung. Die Fortbildung vermittelt Kompetenzen im Bereich der Gesprächsführung und im Umgang mit schulischen Opfern. Dazu gehört das Erfassen frühzeitiger Anzeichen und Signale einer Traumatisierung, das Vermitteln betroffener junger Menschen an entsprechende Fachstellen und Institutionen, das Anbieten konstruktiver Wege der Konfliktbewältigung, um den Opfern so eine möglichst unbeschwerte Rückkehr in den Schulalltag zu ermöglichen.

 

Nach der Qualifizierung

Fachkräfte berichten, dass sich die Fokussierung auf das Opfer durch die Qualifizierung deutlich erhöht hat.

Auch die Eltern des Opfers nehmen das Gesprächsangebot dankbar an, welches leider noch nicht regelhaft in den Systemen stattfindet.

Jeder BeOS-Fachkraft wird empfohlen an  den regelhaft stattfindenden kollegialen Supervisionen teilzunehmen. Wir bieten regelhaft Zusatzmodule an, die das erworbene Fachwissen vertiefen. Außerdem werden wir uns mit den zuständigen Leitungen und den ausgebildeten Fachkräften in Verbindung setzen, um bei der Implementierung unterstützend zu beraten.

 

Aufgaben der  BeOS-Fachkräfte

Die BeOS-Fachkräfte können die Schulleitung/Leitungen beraten und unterstützen. Sie informieren die schulischen Leitungskräfte über die Unterstützungsmöglichkeiten im Einzelfall sowie für das System Schule (Einzelhilfe, Fortbildung, Prävention, schulisches Krisenteam, Vernetzung und Kooperation mit Fachberatungsstellen).

Die schulischen BeOS-Fachkräfte unterstützen in ihrer Rolle die KollegInnen bei speziellen Fragen zum Opferschutz und in deren Fallverständnis und entwickeln gemeinsam eine Handlungskette.

Bei Fragen zum Kinderschutz unterstützen die schulischen BeOS-Fachkräfte die KollegInnen zur Entwicklung eines abgestimmten, zielgerichteten Handelns.

Empfohlen wird, dass die BeOS-Fachkraft Mitglied des schulinternen Krisenteams ist.

Die BeOS-Fachkräfte der ReBBZ unterstützen ebenso ihre KollegInnen innerhalb der ReBBZ, unterstützen ggf. die Fachkräfte der Schulen in ihrer regionalen Zuständigkeit oder halten schulische Informationsveranstaltungen ab.

Die BeOS-Fachkräfte der ReBBZ, des BZBS und des BBZ erarbeiten ggf. eine Übersicht über das zur Verfügung stehende Beratungssystem der Region. Sie nehmen Kontakt zu den fachlichen Ansprechpersonen auf und vereinbaren Austauschtreffen.

Die schulischen BeOS-Fachkräfte erhalten diese Übersicht für die Erledigung ihrer beratenden Aufgaben.

Die qualifizierten BeOS-Fachkräfte treffen sich nach Abschluss der Qualifizierungsmaßnahme möglichst regelmäßig zu Informations- und Austauschtreffen, um sich bei allen Aufgaben und Fragestellungen gegenseitig beraten, professionalisieren und unterstützen zu können. Die Informations- und Austauschtreffen werden gemeinsam über die Beratungsstelle Gewaltprävention und die ReBBZ-Aufsicht organisiert. Ergänzende Fortbildungen werden gemeinsam ermittelt und im Rahmen der Veranstaltungen kontinuierlich umgesetzt.

Bei diesen Treffen sollte jede Leitung die Teilnahme mindestens einer Fachkraft eines jeden ReBBZ gewährleisten und auch die schulischen BeOS-Fachkräfte sollten durch ihre Leitung freigestellt werden.

Die BeOS-Fachkräfte dokumentieren ihre Beratungs- und Unterstützungstätigkeit (ReBBZ Fachkräfte über die RAB-Datenbank, die schulischen BeOS-Fachkräfte ggf. über einen Dokumentationsbogen).

 

Interessierte können sich mit ihren Fragen an die
Ansprechpartnerin der Qualifizierung wenden:

Caroline Becker
Beratungsstelle Gewaltprävention
Tel.: 040 428 63- 7002
caroline.becker@bsb.hamburg.de 

Weitere Beratungsangebote