UmweltPartnerschaft
Leichte Sprache
Gebärden­sprache
Ich wünsche eine Übersetzung in:

Lieferkette Fair und ökologisch: Hamburger Goldschmied importiert Gold aus dem Kongo

Leichte Sprache
Gebärden­sprache
Ich wünsche eine Übersetzung in:

Noch immer denken die wenigsten Menschen über Sozialstandards und Umweltschutz nach, wenn es um einen Ehering oder ein paar neue Ohrringe geht. Bei Thomas Becker ist das anders. Der Obermeister der Hamburger Gold- und Silberschmiede-Innung und UmweltPartner der ersten Stunde hat mit Ausdauer und aus Überzeugung eine transparente Lieferkette aufgebaut und importiert nun eco-faires Gold aus dem Kongo für seine handgefertigten Schmuckstücke.

Gold

Fair und ökologisch: Hamburger Goldschmied importiert Gold aus dem Kongo

Mehr als 20 Jahre hat es gedauert, doch nun ist Thomas Becker am Ziel: Ab diesem Jahr wird in seinem Schmuckatelier im Grindelviertel fast ausschließlich eco-faires Gold, Recyclinggold und Identitätsgold verarbeitet. Er und seine fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben damit ihr Nachhaltigkeitsziel erreicht und werden bis auf einen kleinen Rest in industriell hergestellten Ersatzteilen kein herkömmlich gewonnenes Gold mehr einsetzen.

Gold für den Umweltschutz

Der Hamburger Goldschmied hat dafür im August 2018 die entscheidende Unterschrift geleistet – unter einen Vertrag mit der kongolesischen Kooperative Comidea, in der 80 Kleinminen-Besitzer zusammengeschlossen sind. In wenigen Wochen wird seine erste Lieferung eco-faires Gold aus der vom Bürgerkrieg schwer getroffenen Region Süd-Kivu eintreffen. Für das Kilo Gold wird Thomas Becker 35 Prozent mehr bezahlen als für Herkömmliches. Er tut das gern, und er weiß, dass es auch seine Kundinnen und Kunden gern tun. Denn mit diesem Gold wird nicht der noch immer schwelende Bürgerkrieg im Osten Kongos finanziert. Stattdessen sorgt es für Umweltschutz, denn die Minenarbeiter verzichten auf giftige Chemikalien wie Quecksilber und nehmen dafür eine geringere Ausbeute in Kauf. Das Geld reicht dennoch, um ihre Familien zu ernähren. Es reicht auch, um die Minen zu sichern, ordentliches Werkzeug anzuschaffen und die Infrastruktur des Dorfes aufzubauen.

Mit seinem Engagement für konfliktfreies Edelmetall, für eine transparente Lieferkette und die direkte Unterstützung der Bevölkerung vor Ort steht Thomas Becker beispielhaft und noch immer beinahe einzigartig auf weiter Flur. Neben ihm gibt es in Hamburg noch den Ottensener Goldschmied Jan Spille, der ebenfalls eco-faires Gold verwendet.

Eco-fairer Schmuck

„Schmuck ist ein Zeichen für Wertschätzung, sich selbst oder einer anderen Person gegenüber“, sagt Becker. Deshalb habe er schon bei der Gründung seines Schmuckateliers im Grindelviertel 1997 darüber nachgedacht, wie er ökologische, ökonomische und soziale Belange seines hauptsächlich verwendeten Rohstoffes unter einen Hut bringen könnte. Eco-fair war damals in der Edelmetallbranche ein Fremdwort, die Herkunft der Materialien wurde nur selten hinterfragt. Erst 2012 hat der World Gold Council einen Standard erlassen, nach dem Minen ihr Gold als konfliktfrei zertifizieren lassen können. Bis heute gibt es jedoch nur Wenige, die dieses Zertifikat besitzen. Becker setzte deshalb zunächst auf Recycling. Doch obwohl die Schmuckbranche zu den recyclingstärksten Wirtschaftszweigen gehört, können laut Handelsorganisation Fairtrade nur 30 Prozent des Goldbedarfs über wiederverwendetes Edelmetall gewonnen werden. Im Schmuckatelier von Thomas Becker kam bald sogenanntes Identitätsgold hinzu. Nuggets, die aus Flüssen wie Rhein, Eder und Elbe oder bei der Kiesproduktion ausgewaschen werden. Der Vorteil: kein zusätzlicher Landverbrauch durch Bergbau. Als einziger Hamburger Goldschmied bezieht Becker mittlerweile so viel Elbegold, dass er daraus Schmuckstücke fertigen kann.

Doch um ganz auf herkömmliches Gold verzichten zu können, musste der Anteil an eco-fairem Gold erheblich steigen. Eine erste Zusammenarbeit mit einer Minen-Kooperative in Südamerika scheiterte. „Man muss dicke Bretter bohren, es gibt immer wieder Rückschläge. Aber man darf sich nicht entmutigen lassen von den herrschenden Systemen und muss ein großes Netzwerk knüpfen. Dann kommt man auch voran“, ermutigt Thomas Becker Nachahmer.

Frieden durch Handel

Den zweiten Anlauf im Kongo hat er mehr oder weniger selbst in die Hand genommen. Mehrfach hat er die Region besucht, Partner vor Ort gesucht, den Königsrat der Region von seinem Anliegen überzeugt und schließlich den Aufbau der Namulisa ASBL, einer gemeinnützigen Menschenrechtsorganisation nach kongolesischem Recht, unterstützt. Die darin engagierten kongolesischen Juristen, Landwirtschaftsexperten, Mediziner und Vertreter verschiedener christlicher Konfessionen genießen in der Bevölkerung großes Vertrauen. Der Verein fungiert als Treuhänder für den Goldhandel und gibt das Geld zweckgebunden weiter, etwa zum Bau von Brunnen oder als Mikrokredite für Frauen. Die Minen der Kooperative sind nach einem Kriterienkatalog der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) zertifiziert. Diese betreibt in Kivu eine Außenstelle, um den sogenannten artisanalen Kleinbergbau zu unterstützen und Frieden durch Handel zu schaffen. Regelmäßig überzeugt sich Becker zudem in Kivu vom Fortgang der Projekte oder löst neue Probleme. Zuletzt etwa den Versuch korrupter Beamter, von ihm Schmiergeld zu erpressen. Der engagierte Goldschmied hat auch diese Hürde genommen: Sein Gold nimmt nun den Umweg über Kanada. Nein, sagt Thomas Becker lachend, über zusätzliche Transportkosten und Emissionen müsse man bei einem Kilo Gold nun wirklich nicht nachdenken. Das Gold ist nur ein bisschen länger unterwegs. Aber was sind schon einige Wochen im Vergleich mit der nachhaltigen Wirkung dieses Projekts?

Zusatzinfo

Konfliktmineralien

Begehrte Rohstoffe wie Gold und Diamanten, Coltan und Wolfram, die für die Computer- und Handyherstellung benötigt werden, führen in Ländern ohne funktionierende Staatsgewalt häufig zu gewaltsamen Konflikten. In Sierra Leone etwa hat die Diamantenproduktion, in Ostkongo der Coltan-Abbau den jeweiligen Bürgerkrieg nicht nur befördert, sondern ihn letztlich finanziert.

Das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung gibt in seinem jährlichen Konfliktbarometer an, dass 20 Prozent der bewaffneten Konflikte Kriege um Ressourcen und Rohstoffe sind.

Das EU-Parlament hat eine Sorgfaltspflicht beim Import von Konfliktmineralien entlang der gesamten Lieferkette beschlossen. Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten, die die wertvollen Rohstoffe zur Verwendung in ihren Produkten kaufen, müssen künftig ihre Beschaffungspraxis offenlegen. Die Sorgfaltspflicht ist allerdings erst ab 2021 bindend.

Themenübersicht auf hamburg.de

Kontakt

Kontakt Ihr Kontakt zu uns

Haben Sie Anregungen für die UmweltPartnerschaft Hamburg?
Dann schreiben Sie uns!

Kontakt

UmweltPartnerschaft Hamburg (UPHH)

Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft
Neuenfelder Straße 19
21109 Hamburg
Adresse speichern

Die Träger der UmweltPartnerschaft

Zitate

  • Pause Pause Play Play
  • UPHH-Newsletter