Gewässerbiologie Blaualgenblüte in der Alster

In der Binnen- und Außenalster ist derzeit ein verstärktes Blaualgenwachstum zu beobachten. In den vergangenen Tagen hat das Institut für Hygiene und Umwelt an der Messstation Lombardsbrücke Gehalte von Blaualgen-Chlorophyll gemessen, die die vom Umweltbundesamt empfohlene Warnstufe von 15 µg/l (Mikrogramm Blaualgenchlorophyll je Liter Wasserprobe) überschreiten. Auch an einigen Hamburger Badeseen treten vermehrt Blaualgen auf. Besonders Kinder, empfindliche Personen und Haustiere sollten bei starker grünlicher Trübung oder Algenschlieren auf der Wasseroberfläche den Hautkontakt und das Verschlucken des Wassers vermeiden.

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​​​​​​​Warum gibt es immer wieder Blaualgenblüten in der Alster?

Blaualgen treten zu jeder Jahreszeit in unseren Gewässern auf, vermehren sich aber besonders stark in den Sommermonaten. Kommen dann noch hohe Nährstoffgehalte und für das Algenwachstum günstige Witterungsbedingungen hinzu, vermehren sich die Blaualgen massenhaft. Auch durch das Füttern von Wasservögeln werden die Nährstoffgehalte in den Gewässern erhöht, so dass dies in jedem Fall zu unterlassen ist. Die Entwicklung der Blaualgenblüte ist in erster Linie vom Wetter abhängig und wird vom Institut für Hygiene und Umwelt ständig überwacht. Das Wasser der Alster wird kontinuierlich über die Messstation in der Lombardsbrücke sowie durch regelmäßige Messungen an verschiedenen Stellen im Freiwasser überwacht. Die Badeseen werden alle drei Wochen regelhaft beprobt und bei Verdacht auf kritische Werte wird die Überwachung verdichtet.

Was sind Blaualgen?

Blaualgen sind genauer betrachtet gar keine Algen, sondern Cyanobakterien. Sie besitzen im Gegensatz zu Algen keinen echten Zellkern und sind somit nicht mit den als „Algen“ bezeichneten Lebewesen verwandt.

Warum heißen sie Blaualgen, obwohl sie grün sind?

Cyanobakterien werden „Blaualgen“ genannt, weil einige von ihnen neben grünen Photosynthese-Farbstoffen auch blaues Phycocyanin enthalten und ihre Farbe deshalb blaugrün ist. Diese Bezeichnung wurde auf alle Cyanobakterien übertragen – auch auf diejenigen, die kein Phycocyanin enthalten und nicht blaugrün gefärbt sind.

Sind Blaualgen gefährlich?

Einige Blaualgen (besser Cyanobakterien) können Toxine bilden, das zu Haut- und Schleimhautreizungen, Bindehautentzündungen und Ohrenschmerzen führen kann. Besonders gefährdet sind Allergiker, Neurodermatiker und Asthmatiker sowie Kinder, die beim Baden und Spielen mehr Wasser schlucken als Erwachsene und sich hauptsächlich im Flachwasserbereich aufhalten, wo Blaualgen angeschwemmt werden.

Beim massenhaften Verschlucken dieser Algen kann es zu Übelkeit und Erbrechen kommen. Auch allergische Reaktionen können auftreten. Akute Leberschädigungen durch die Toxine sind für Haus- und Nutztiere sowie wild lebende Tiere einschließlich Fische und Vögel ebenfalls vielfach beschrieben worden.

Das Umweltbundesamt empfiehlt daher eine Warnschwelle von 15 μg/l Blaualgen-Chlorophyll für Vorsorgemaßnahmen. Ab einer Blaualgen-Konzentration von 75 µg/l werden Badeverbote ausgesprochen.

Muss man sich während der Blaualgenblüte ganz vom Wasser fernhalten?

Sie können während der Algenblüte ohne Bedenken an einem betroffenen Gewässer Spazierengehen und sich am Ufer aufhalten, sollten nur direkten Kontakt mit dem Wasser vermeiden. Hunde und Kinder sollten vom Ufer ferngehalten werden, insbesondere dort, wo die Algen zu dichten Teppichen zusammengeweht wurden.

Ist man dennoch mit den Blaualgen in Kontakt gekommen (z.B. beim Segeln), sollte man die betroffenen Stellen mit sauberem Wasser abwaschen. Falls Symptome wie Haut- oder Schleimhautreizungen, Bindehautentzündungen, Ohrenschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen auftreten, sollte man zum Arzt gehen.

Wo und wie oft wird die Konzentration der Blaualgen in der Alster überprüft?

Beginnend im Frühjahr entnimmt das Institut für Hygiene und Umwelt planmäßig alle zwei Wochen Wasserproben aus der Alster und ihren Kanälen. Steigen die Blaualgen-Konzentration an und nähern sich dem Warnschwellenwert von 15 μg/l Chlorophyll, finden häufiger Messungen statt.

Das Wasser wird an 13 verschiedenen Stellen im Freiwasser und Uferbereich der Außenalster und der angrenzenden Stadtkanäle entnommen. Bestimmt wird neben Temperatur, Leitfähigkeit, Sauerstoffgehalt und pH-Wert auch der Chlorophyllgehalt der Proben, der Rückschlüsse auf die Algenkonzentration erlaubt. Außerdem wird die Algenzusammensetzung mikroskopisch und fluorometrisch ermittelt.

Wird das Blaualgenwachstum auch in anderen Hamburger Gewässern überprüft?

Während der Badesaison werden die ausgewiesenen Badegewässer im Abstand von 3 Wochen gemäß Hamburger Badegewässer-Verordnung untersucht. Wenn das Gewässer auffällig ist und der Verdacht besteht, dass Cyanobakterien vermehrt vorkommen, wird dabei auch die Blaualgenmenge bestimmt. Hierzu werden von den zuständigen Bezirken Wasserproben entnommen. Die Wasserproben werden im Institut für Hygiene und Umwelt analysiert und die Untersuchungsergebnisse werden den Bezirken und der Behörde für Energie und Umwelt übermittelt. Der zuständige Bezirk entscheidet dann über ein gegebenenfalls erforderliches Badeverbot, das am Gewässer durch entsprechende Schilder kenntlich gemacht und im Internet bekannt gegeben wird.

Darüber hinaus werden weitere Oberflächengewässer (Seen, Flüsse und Kanäle) regelmäßig vom Institut für Hygiene und Umwelt überprüft, bei Bedarf auch auf Blaualgen.

Werden auch die Fische und andere Wassertiere vergiftet?

Fische und Vögel reagieren zwar nicht sehr empfindlich auf Cyanotoxine, ab einer gewissen Konzentration kann es aber auch bei ihnen zu akuten Leberschädigungen kommen.

Was passiert, wenn die Algenblüte abstirbt?

Beim Absterben setzen die meisten Blaualgenarten Toxine frei, die vorher noch im Zellkörper eingeschlossen waren. Trifft das für viele Blaualgen gleichzeitig zu (Blaualgenblüte), kann die Konzentration der Giftstoffe im Wasser deutlich zunehmen. Beim mikrobiellen Abbau wird außerdem Sauerstoff verbraucht, wodurch sich die Sauerstoffkonzentration im Gewässer oft stark verringert, so dass es zu einem Fischsterben kommen kann. Durch die mikrobiellen Abbauprozesse treten– ähnlich wie beim Komposthaufen – unangenehme Gerüche auf.

Tragen Schwäne so viele Nährstoffe in die Alster ein, dass man ihnen eine „Mitschuld“ an der jährlich wiederkehrenden Blaualgenblüte geben könnte?

Die Schwäne und auch andere Wasservögel spielen als Phosphorquelle sicher nur eine untergeordnete Rolle. Bei zu großen Populationen kann allerdings die Vegetation geschädigt werden, was wiederum Auswirkungen auf den Nährstoffhaushalt hat. Auch durch das Füttern von Wasservögeln werden die Nährstoffgehalte in den Gewässern erhöht, so dass dies zu unterlassen ist.

Wie kann man die Blaualgenblüten verhindern?

Die wesentlichen abiotischen Einflussfaktoren auf das Cyanobakterien-Wachstum stellen Wassertemperatur, Lichtverfügbarkeit und Nährstoffverhältnisse dar. Cyanobakterien haben ein höheres Temperaturoptimum als andere Algengruppen und treten daher in unseren Breiten in der Regel erst bei sommerlichen Temperaturen vermehrt auf.

Ein Kurzbericht des Instituts für Hygiene und Umwelt stellt Ursachen und mögliche Lösungsansätze anhand langjähriger Messreihen dar und steht als pdf-Datei zum Download zur Verfügung (siehe folgenden Link).

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