Leichte Sprache
Gebärden­sprache
Ich wünsche eine Übersetzung in:

Geschützte Denkmäler in Eimsbüttel Grindelberg: Grindelhochhäuser

Leichte Sprache
Gebärden­sprache
Ich wünsche eine Übersetzung in:

Grindelberg: Grindelhochhäuser

"Wollen wir nicht mal hoch bauen?" - So fragte die rheinische Presse im Jahr 1951, als die Hochhäuser am Grindelberg aus der Erde wuchsen: Von den einen als "seelenlose Wohnmaschine" abgelehnt, von den anderen stolz "Manhattan" genannt, sorgte das Grindelhausviertel in der gesamten jungen Bundesrepublik für Aufsehen.

Deutschlands erste Wohnhochhausstadt polarisierte, rief aber gerade bei Fachleuten Euphorie hervor und wurde zum Wallfahrtsort der bundesdeutschen Architektenschaft. Noch heute besuchen auswärtige Architekten, Planer und Architekturstudenten Deutschlands bekannteste und älteste Wohnhochhaussiedlung.

Die Anfänge

Was unmittelbar nach Kriegsende als Teil des "Hamburg project" der englischen Besatzungsmacht begonnen hatte, wurde kurz darauf zur Bauruine. Mit der Entscheidung, statt in Hamburg in Frankfurt das Hauptquartier der britischen und der amerikanischen Besatzungsmächte zu konzentrieren, wurde die Großbaustelle am Grindelberg stillgelegt. Zwölf fertig gestellte Fundamente, zehntausend Tonnen Stahl, Bauzaun, fünfzehn Baracken und drei Nissenhütten warteten auf weitere Verwendung.

Dieser Zustand forderte eine Entscheidung: Der Senat traf sie nach langer Prüfung der verschiedenen Alternativen - Konzentration auf den Ausbau der Kriegsruinen, Bau von konventionellen fünfgeschossigen Wohnhäusern oder Weiterbau der Wohnhochhäuser - zugunsten der Weiterführung des von den Engländern begonnenen Bauprojekts. Die Fertigstellung dieses riesigen Bauvorhabens in der geplanten Form musste als wirtschaftlichste Lösung angesehen werden. So wurde aus dem britischen "Hamburg project" im März 1948 ein Projekt der Stadt Hamburg.

Die Architekten

Bei der Auswahl der Architekten für das Grindelberg-Projekt spielte für die Engländer, aber auch besonders für den neu gegründeten Bund deutscher Architekten (BDA) die politische Unbelastetheit eine bedeutende Rolle.

So formierte sich schließlich aus der jungen Hamburger Architektenschaft mit Bernhard Hermkes, Rudolf Lodders, Rudolf Jäger, Albrecht Sander, Ferdinand Streb, Fritz Trautwein und Hermann Zess die Gruppe der Grindelberg-Architekten, die sich während des Nationalsozialismus in die Sparte Industriebau zurückgezogen oder überhaupt nicht als Architekt gearbeitet hatten.

Das Viertel und die Häuser

In Form und Aufstellung erinnern die Grindelhochhäuser an die kühnen Hochhausvisionen der 20er Jahre: zwölf Hochhausscheiben, davon sechs 13- und 15-geschossig und sechs 9- und 10-geschossig, allesamt in Nord-Süd-Richtung und zueinander rhythmisch-regelmäßig versetzt mit großem Abstand gebaut. Auf dem Plan wirkt die Ordnung schematisch, im Wohngebiet selbst wird die Aufstellung als aufgelockert empfunden.

Mit dem hellen Verkleidungsmaterial nehmen sie Bezug auf die "weiße Moderne" der Weimarer Republik. Die Anknüpfung an die fortschrittliche Architektur der 20er Jahre verwundert nicht: Ihre Lehrmeister und Vorbilder hatten die Grindelberg-Architekten in so bekannten Persönlichkeiten wie Le Corbusier und Ernst May, aber auch in den Hamburger Architekten Karl Schneider und Gustav Oelsner.

Das Grindelhausviertel verkörpert eindrücklich die bewusste Abkehr vom düsteren Klinker-Hamburg der Zeit Fritz Schumachers und steht mit seiner Helligkeit, Leichtigkeit, Durchlässigkeit, Eleganz und Transparenz - im Einzelbau wie in der Gesamtanlage - für das neue Lebensgefühl im Nachkriegsdeutschland und für das damalige Verständnis moderner Architektur.

Zunächst als Stahlskelettbauten geplant, sind nur vier Hochhausscheiben in dieser Bauweise, die übrigen acht schließlich aus Wirtschaftlichkeitserwägungen als Stahlbetonbauten ausgeführt. Ihre Fassaden sind glatt und ohne Vor- oder Rücksprünge, Risalite oder andere vortretende Elemente gestaltet.

Individualität im Äußeren entsteht durch unterschiedliche Höhe, Variationen der Fensterformen und deren Komposition am einzelnen Block, Einbau von Loggien, Herausziehen des ersten Obergeschosses, Kragdächer über dem Erdgeschoss, Ausbildung des obersten Geschosses als Halbgeschoss oder zurückversetzt mit Fensterband unter einem überkragenden Dach oder durch die besondere Ausgestaltung des obersten Geschosses.

Insbesondere die Wirkung unterschiedlich aneinander gereihter Fenster, gelegentlich in Verbindung mit Loggien, ergibt auf den "glatten" Fassaden bemerkenswerte Hell-Dunkel-Wirkungen. Ganz deutlich unterscheidet sich das Eimsbütteler "Rathaus" von den übrigen Blocks durch seine kleinteilige Rasterfassade, an der die Hell-Dunkel-Wirkung der Fenster bei Sonnenbestrahlung ganz besonders interessante Effekte hervorruft.

Das helle Steinmaterial - gelber Klinker aus der Ziegelei Gail in Gießen - bewirkt trotz der Unterschiedlichkeit der Gebäude einen einheitlichen Gesamteindruck der zwölf individuellen Hochhausentwürfe und der gesamten Anlage.

Grindelberg: Brahmsallee

Mit den in die Erdgeschosse der Wohnhochhäuser integrierten Läden, Cafes, Büros und Praxen war ein urbanes Viertel entstanden, das in Bezug auf die Versorgung für den täglichen Bedarf als nahezu autark gelten konnte.

Zwei Kinderspielplätze und als baulich separate Einrichtungen die Tankstelle mit Tiefgarage (für 230 PKWs) am Grindelberg sowie die Zentralwäscherei an der Brahmsallee trugen als hochmoderne Einrichtungen zur Lebensqualität in der Hochhausstadt bei.

Die Erschließung des Quartiers übernehmen vier Straßenschleifen: im Norden an der Oberstraße, im Süden an der Hallerstraße, im Westen am Grindelberg sowie im Osten an der Brahmsallee, störender Durchgangsverkehr ist somit aus der Siedlung herausgehalten.

Vielmehr noch: die zwölf Hochhausscheiben sind eingebettet in einen Park mit Wohnwegen, die die einzelnen Häuser untereinander verbinden und die Zugänge von den Verkehrsstraßen bieten. In ihrer Großzügigkeit und "Natürlichkeit" steht die Grünfläche in einem von den Architekten gewollten Kontrast zu den strengen Formen der Architektur. Für die Grünfläche zeichnet das Gartenbauamt des Bezirks als Planer verantwortlich.

Zur künstlerischen Ausgestaltung des Quartiers sind in der Grünfläche fünf Skulpturen der hamburgischen Künstlerinnen und Künstler Barbara Haeger, Ursula Querner, Fritz Fleer, Karl August Ohrt und Hans Martin Ruwoldt aufgestellt.

Die Eintragung der Grindelhäuser in die Denkmalliste gründet sich auf die geschichtliche und künstlerische Bedeutung von Konzeption und Erscheinung dieser "Hochhausstadt" . In den Jahren 1946 bis 1956 entstanden, wirkte sie wie keine andere bauliche Anlage Hamburgs als Fanal der jungen Bundesrepublik Deutschland und Symbol des Aufbruchs in eine bessere Zukunft nach Weltkrieg und nationalsozialistischer Gewaltherrschaft.

Bis heute hat sie ihre Reize und architektonischen Qualitäten bewahrt . Die Eintragung in die Denkmalliste umfasst alle in der Umgrenzung der Straßen Oberstraße, Hallerstraße, Grindelberg und Brahmsallee enthaltenen und zum fertig gestellten Grindelhaus-Projekt gehörenden Bauten und Einrichtungen: zwölf Hochhäuser, eine Tankstelle mit Tiefgarage und eine Wäscherei, die Grünanlage bzw. die umgebenden Flächen mit ihren zur ursprünglichen Anlage gehörenden Bestandteilen.

Literatur

Axel Schildt: Die Grindelhochhäuser. Eine Sozialgeschichte der ersten deutschen Wohnhochhausanlage, Hamburg-Grindelberg 1945 bis 1956. Schriftenreihe des Hamburgischen Architekturarchivs. Hamburg 1988.

Silvaine Hänsel, Michael Scholz, Christoph Bürkle: Die Grindelhochhäuser als erste Wohnhochhäuser in Deutschland. In: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte, Band 66, Hamburg, 1980, S. 117-177.

Themenübersicht auf hamburg.de