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Interview Die letzte Rettung vor dem Abrissbagger

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Landeskonservator Andreas Kellner im Gespräch mit MOPO-Chefredakteur Thomas Hirschbiegel

Abriss der City-Hochhäuser - Interview Andreas Kellner

Andreas Kellner ist als Leiter des Denkmalschutzamtes der oberste Hüter des baulichen Erbes unserer Stadt. Die MOPO sprach mit dem 62-Jährigen über den geplanten Abriss der City-Hochhäuser, Klötzchenbauten an der Elbchaussee und die Rettung der Wilhelmsburger Maximilian-Kolbe-Kirche.

MOPO: Sind Sie selbstherrlich?

Andreas Kellner: Wie kommen Sie darauf?

Ein Rechtsanwalt und Baurechtsexperte hat das behauptet.

Also, ich sehe mich überhaupt nicht so. Eine gute Beschreibung wäre Dienstleister der kollektiven Erinnerung.

Auch nicht schlecht!

Damit möchte ich eine Grundhaltung zum Ausdruck bringen. Und so sehe nicht nur ich mich, sondern so sehen sich auch die Kollegen hier im Amt selbst.

Die Bewohner einer Osdorfer Siedlung aus den 30er Jahren dürften das anders sehen: Denen haben Sie sogar die Art der Bepflanzung ihrer Gärten vorgeschrieben.

Auch hier haben wir mit fast allen eine Lösung erzielt. Aber auch das war mit Sicherheit keine Selbstherrlichkeit. Wir haben die Eigentümerin der Siedlung vor dem Hintergrund der geschichtlichen Bedeutung der Siedlung in moderater Weise fachlich bei dem beraten, was ohnehin an Erneuerung anstand.

Sie sind also gar nicht kleinlich?

Wir haben jedes Jahr mehr als 1000 Planungs- und Genehmigungsanträge. Es gelingt uns durch unsere konstruktiven Beratungen bis auf eine verschwindend geringe Zahl, sie alle streitfrei zu genehmigen. 

Verloren haben Sie bei den City-Hochhäusern am Klosterwall. Hier werden Gebäude zerstört, die unter Denkmalschutz stehen.

Ich denke nicht in Kategorien von Gewinner und Verlierer. In der Tat haben wir uns für die Erhaltung der Hochhäuser eingesetzt. Im Denkmalschutzgesetz ist aber eine Möglichkeit festgelegt, dass der Souverän – also die Bürgerschaft – die Möglichkeit der Abwägung mit anderen öffentlichen Interessen hat. Das ist ein normaler demokratischer Vorgang.

Barbara Kisseler hat für die Gebäude gekämpft.

Dafür bin ich ihr auch sehr dankbar.

Ihr Amtsvorgänger Frank-Pieter Hesse spricht von einer Demontage der staatlichen Denkmalpflege. Trifft Sie das?

Nein, ich kenne Herrn Hesse ja – und wenn er mal ein wenig deftig formuliert, kann ich das ab.

Fakt ist: Die Stadt hält sich hier nicht an den Denkmalschutz. Warum soll sich der Bürger daran halten?

Die Stadt hat eine Abwägungsentscheidung getroffen. Und auch sonst sind wir zu einer Abwägung mit privaten Belangen verpflichtet. Auch private Denkmäler sind nicht immer zu halten. Wenn beispielsweise die Wirtschaftlichkeit nicht gegeben ist. Dann kann anders entschieden werden. Vergessen Sie im Übrigen bitte nicht die enorme Zahl an Denkmälern im Eigentum der Stadt, die vorbildlich erhalten werden – angefangen beim Rathaus.

Wie sehen Sie die Elbchaussee? Werden da nicht oft schöne Villen platt gemacht und Klötze neu gebaut?

Die Elbchaussee war nie besser geschützt als heute, mit dem neuen Denkmalschutzgesetz aus dem Jahr 2013. Und bis heute haben wir dort auch kein einziges geschütztes Denkmal verloren. In Gefahr ist die Säulenvilla (oberhalb des Schulbergs, Anm. d. Red) – wegen Vernachlässigung. Hier handeln wir, wir haben etwa für die Abdichtung des Daches gesorgt, weil sich der Eigentümer nicht kümmert. Problem an der Elbchaussee ist eher die massive Nachverdichtung auf den Grundstücken, wo Gebäude sind, die nicht unter Schutz stehen. Da haben wir aber keine Möglichkeit des Eingreifens.

Worauf sind Sie stolz in ihrer Amtszeit?

Unter anderem auf die Rettung der akut vom Abriss bedrohten Maximilian-Kolbe-Kirche in Wilhelmsburg. Die Kirche sah keine Nutzungsmöglichkeit mehr und es gab hohen Sanierungsbedarf.

Und wie wird das Gotteshaus nun genutzt?

Die Malteser haben das Gebäude übernommen und werden ein Soziokulturelles Zentrum eröffnen. Hier passte das Motto des diesjährigen Tags des offenen Denkmals: "Gemeinsam Denkmale erhalten". Das ist hier nämlich genau so gelaufen. Und ich werbe dafür, in solchen oder ähnlichen Fällen nach gemeinsamen Lösungen zu suchen.

Sind solche Bauten aus den 70er Jahren ihre Sorgenkinder?

Die Nachkriegsmoderne ist die jüngste Schicht an Denkmälern und deswegen in der öffentlichen Wahrnehmung noch nicht so verankert wie ältere Gebäude. Bei denen war das aber auch mal anders. Denken Sie an Gründerzeitbauten, die wurden in den 70er Jahren beispielsweise noch hemmungslos abgerissen. Das würde heute niemandem mehr einfallen.

Haben Sie ein Lieblingsdenkmal in Hamburg?

Nein, ich hab ein großes Herz für die vielen ganz unterschiedlichen Denkmäler in der Stadt. Hamburg ist so reich an Denkmälern – und ich versuche, mich auch für alle einzusetzen.

Zur Person
Andreas Kellner (62) hat Architektur, Städtebau und Stadtplanung studiert. Von 1983 bis 1987 war er Denkmalpfleger in Lüneburg und ab 1987 in verschiedenen Funktionen in der Hamburger Stadtplanung tätig. 2013 wurde Kellner Landeskonservator und Leiter des Denkmalschutzamts. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. 
 

Zum MOPO-Interview mit Andreas Kellner im pressreader

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